Schlagwort-Archive: Wasserbüffel

REISEJOURNAL ILLMITZ – 14. Tag Time to say good bye

Das letzte Mal für dieses Jahr, dass mein gelbes Fahrrad und ich zum See flitzen. Eigentlich sollte ja so etwa wie Melancholie, Abschiedsschmerz oder so aufkommen. Ist aber nicht! Denn heute herrscht ein reger Verkehr auf dem Damm zum See, sehr störend für jede Art von Romantik. Außerdem komme ich mir vor wie in einem Manöver, denn um mich rum knallen die Schreckschussanlagen, heulen die Alarmanlagen und zischen die Raketen. Alles im Kampf gegen die Stare, denn die Trauben werden zusehends reif und sind ein gefundenes Fressen für die gefiederten Freunde. JpegFür Alfred Hitchcock wären die als schwarze Wolke aufsteigenden Vögel, die sich kurz wabbernd in der Luft hält, um dann unverzüglich wieder zu landen -allen Abwehrmaßnahmen zum Trotz- eine tolle Vorlage für einen Thriller. Inzwischen sind auch viele Rebenreihen in den Weingärten mit Netzen zugehangen, es flimmert in schwarz, weiß, gelb, blau und grün. IMG_20140809_065844_778-1Auf dem unteren Teil der Straße zum See sehe ich dann auch, was diese Verkehrsmassen verursacht hat. Jede Lücke im Schilf ist mit mindestens einem Angler besetzt. Na klar! Die hungrigen Wochenendtouristen müssen ja mit frischem Seefisch versorgt werden. Kurz vor dem Eingang zum Seebad erspähe ich am letzten Tag endlich meinen ersten Löffler. Majestätisch überschwebt er mich, so nah, dass ich ihm eine Schwanzfeder ausreißen könnte, wenn ich fies wäre. Kurzes Stoßgebet zum Himmel: jetzt bitte nur nicht schei…. Auf den Holzpfählen und Bojen im See sitzen die jungen Möwen, so groß wie die Elterntiere, längst flügge und nur durch ihr eher bräunliches Gefieder von den adulten Tieren zu unterscheiden. Sie schreien aus vollem Hals, warten darauf, dass Mama oder Papa den Frühstücksfisch vorbeibringen. Die potentielle Mahlzeit hingegen hüpft derweil fröhlich aus dem See, nicht ahnend, dass es der letzte Sprung sein könnte. Aber wie heißt es so schön: Life is too short to complain, just live it!WasserbüffelDie Kinder haben sich für den halben Tag, den wir noch zur Verfügung haben, gewünscht, noch einmal in den Steppentierpark zu fahren. So soll es denn sein. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Tiere sich dort alle persönlich von uns verabschieden wollen. Selbst solche, die man sonst so gut wie nie zu Gesicht bekommt, liegen in ihren Gehegen wie auf dem Präsentierteller. Die Kolkraben sind ungewöhnlich gesprächig und wir „unterhalten“ uns eine ganze Weile mit ihnen. Ich kann es mir beim Rausgehen nicht verkneifen, einen kleinen weißen Plüschesel zu kaufen. Eine Erinnerungsstütze!StorckNachdem auch Freund Adebar auf Wiedersehen geklappert hat, fahren wir zurück nach Illmitz. Jetzt beginnt der unangenehme Teil des Urlaubs! Taschen packen und Fahrräder auf das Autodach befördern. Doch was uns am Tag vor der Abreise fast um den Verstand gebracht hat, läuft heute tadellos. Innerhalb von  wenigen Minuten sind die vier Räder auf dem Dach …. so soll es sein. Die Klamotten sind schnell in den Taschen verteilt, muss ja eh alles gewaschen werden. Inzwischen hat der Himmel sich zugezogen, es grollt und blitzt bereits Richtung Seebad. Wir eilen zur Henkersmahlzeit ins Zentral, kaum sitzen wir, beginnt der Wolkenbruch. Egal, unter der Weinlaube spüren wir es kaum, nur die armen Kellner werden relativ nass, wenn sie Essen und Getränke servieren. Ist ja schon irgendwie schmeichelhaft, wenn der Himmel weint, weil wir nach Hause fahren müssen! Mit dem Nachtisch schlägt unsere eher trübe Stimmung um,  wir werden furchtbar albern und der Heimweg, oh jesses … bewaffnet mit einer Flasche Abschiedswein der Familie Kroiss vom Zentral schlingern wir gickelnd durch den Ort … nüchtern, aber fröhlich! Auf dem Balkon bieten wir jetzt den Gelsen noch ein Abschiedsmahl, ab morgen ist Schluss mit lustig … da geht es auf die Piste, 850 Kilometer Richtung Heimat!

REISEJOURNAL ILLMITZ – 5. Tag Kutschfahrt durch die Puszta

Ich hätte den Frosch mitnehmen sollen, denke ich mir, als ich um kurz nach sechs Uhr den Widerstand gegen das Fliegengekitzel aufgebe und die Beine aus dem Bett schwinge. Ein Blick vom Balkon verheißt Besserung. Nachdem es gestern den ganzen Nachmittag und die Nacht durchgeregnet hat (120 l/m²), scheint Petrus sich für heute eine Pause zu gönnen. Zwar ist es noch grau, aber trocken. Doch die Sintflut hat in der Landschaft Spuren hinterlassen. Der Kirchsee, unweit unserer Unterkunft, der sonst nur als schmaler Strich zwischen den Büschen zu erkennen ist, hat ungeahnte Ausmaße angenommen. Auf der Weide direkt unter dem Balkon stehen großflächige Pfützen und aus Erfahrung weiß ich, dass auch die schon fast ausgetrocknete Zicklacke wieder ordentlich Wasser führt, ähnlich den anderen Lacken, verteilt in der Puszta. Die Fahrt zum See spare ich mir heute Morgen auch, da mein Rädchen sonst Schwimmflügel für den mit Sicherheit überfluteten Radweg brauchen würde. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zu Vinzenz Gangl, einem Kutschfahrbetrieb, denn für 10:00 Uhr haben wir zwei Stunden bei Toni, unserem Haus- und Hofkutscher gebucht. Wir wählen die Runde zum Sandeck, wo die weißen Esel stehen und wir mit ein bisschen Glück auch die Wasserbüffel in der Uferregion zu Gesicht bekommen. Wir starten Richtung See, vorbei an dem traditionellen Ziehbrunnen und dem Schilfunterstand, beides in der Vergangenheit unerlässlich für durchziehende Hirten samt Herde. IMGP8614Weiter geht es entlang der Zicklacke, die wie vermutet auch deutlich mehr Wasser führt, in die Weingärten. Wir haben ein nettes österreichisches Pärchen mitgenommen und so kann Toni wieder referieren was das Zeug hält. Meine Mädels verstehen kaum ein Wort, doch das stört sie nicht, denn sie sind abwechselnd mit Kutsche lenken beschäftigt. Der Seewinkel ist bekannt für seine hervorragenden Sandweine. Unter der oft viele Meter starken Sandschicht bildet eine Lehmsohle den Abschluss, so dass das Grundwasser hier gestaut wird und den Reben auch in trockenen Sommern zur Verfügung steht. Im Gegensatz dazu stehen die Weingärten, die auf zwar sehr humusreichen Grund gut gedeihen, der aber wiederum Schotter als Grundlage hat, durch den das Regenwasser abfließen kann und somit für volle Ernte eine Bewässerung nötig macht. Auch die Tierwelt scheint sich über diesen reichlichen Regen gefreut zu haben und da die Sonne nicht prall am Himmel steht, suchen sie nicht im Gebüsch Schatten, sondern präsentieren sich in ihrer ganzen Vielfalt. Reiher, Kiebitze, Uferschnepfen, Strandläufer, Graugänse, Störche, Hasen, Fasane, Rehe, Kampfläufer und vieles mehr zeigt sich uns. Am Wegesrand zieht eine große Rinderherde vorbei, begleitet von einem Hirten samt zwei Hütehunden. Wir nähern uns dem Sandeck und schon von weitem hebt sich der Aussichtsturm gegen den Horizont ab. Ursprünglich handelte es sich dabei um einen Grenzturm, der zur Überwachung der ungarisch-österreichischen Grenze zu Zeiten des Eisernen Vorhanges diente. Als dieser fiel, wurden die Türme überflüssig und so manch einer kam als Aussichtsturm weiterhin in Lohn und Brot. Unterhalb des Exgrenzturmes haben die weißen Esel ihr Quartier. Dabei handelt es sich nicht um Albinos, sondern durch jahrhundertelange Auslese und Zucht wurde den Tieren die weiße Farbe angezüchtet. Früher waren sie ein Zeichen von Wohlstand, heute sind sie vom Aussterben bedroht und werden vornehmlich in Zoos gehalten. Im Nationalpark soll die Nachzucht unter Freilandbedingungen erfolgen, doch klappt es nicht so wirklich, Jungtiere sind selten. IMGP8643Tatsächlich sind auch die Wasserbüffel direkt am Schilfrand in der Nähe des Zauns zu sehen. Sie vermehren sich prächtig und zusammen mit den Eseln und den ungarischen Graurindern sorgen sie durch die stetige Beweidung dafür, dass das Schilf nicht alles überwuchert. IMGP8625Übrigens ist der komplette österreichische Teil des Neusiedler Sees weiterhin im Privatbesitz der Fürstin Melinda Esterhazy, die in der Schweiz lebt. Die zwei Stunden sind viel zu schnell vorbei, wir nehmen für dieses Jahr Abschied von Toni und seiner Schwägerin, der Frau Gangl, nicht ohne vorher noch ein Glas Wein zu bekommen. Um die Uhrzeit beschwingt mich das ungemein und die Heimfahrt mit dem Radl hat was ganz Spezielles!

http://www.vinzenzhof-gangl.at/kutsche.htm

Da der Himmel immer mehr aufreißt, fahren wir noch mal kurz zum See. Mir reicht die Temperatur zum Baden nicht, dem Rest der Familie aber schon.

Donnerstag ist Ruhetag im Gasthof Zentral, wir müssen wohl oder übel eine Ausweichfutterstelle suchen. Unsere Wirtin hat uns vor einigen Jahren einmal den Illmitzer empfohlen, doch dort waren wir nicht sehr glücklich. Wir gehen jetzt immer ins Bartholomäus Stüberl, benannt nach der benachbarten Bartholomäus Quelle.

http://www.bartholomaeusstueberl.at/

1930/31 wurde dort die Erstbohrung vorgenommen, um Illmitz mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. Zwar hatte fast Jeder einen Brunnen auf dem Hof, doch bedingt durch den flachen Grundwasserspiegel und die intensive landwirtschaftliche Nutzung und damit Düngung mit Mist und Gülle, war das Grundwasser durch das abfließende Oberflächenwasser stark nitratbelastet und wenig gesund. Man bohrte also in tiefere Regionen und bei 188 Meter wurde man fündig. Das Quellwasser schafft es aus eigener Kraft an die Oberfläche. Es ist schwefelhaltig und eisenreich, man riecht und schmeckt es. Das tut der Beliebtheit jedoch keinen Abbruch, von weit her kommen die Menschen und füllen es ab. Inzwischen erhält der Seewinkel und damit auch Illmitz sauberes Trinkwasser aus einem Höhenzug am anderen Seeufer. Per Pipeline quer durch den See findet es seinen Weg in Illmitzer Wasserhähne.Bartholomäus Quelle

REISEJOURNAL ILLMITZ – 3. Tag Steppentierpark Pamhagen

Morgens, 6:00 Uhr in Illmitz … neuer Morgen, neue Geräusche … Zum Glück weder Regen noch Weckergebabbel, sondern etwas, dass ich erst dann wahrnehme, wenn ich wirklich im Urlaub angekommen bin: Kirchenglocken! Im katholischen Österreich läutet es nach wie vor um 6:00 Uhr, da gibt es keine Gnade für Langschläfer! Ein Blick aus dem Fenster zeigt auch gleich, dass mit Regen in der nächsten Stunde nicht zu rechnen ist, also schwinge ich mich nach einer Schwung bringenden Tasse Kaffee beherzt auf meinen Drahtesel und sause gen See … so wie es eigentlich schon für gestern geplant war. Auf dem Radweg herrscht reger Verkehr, allerdings nicht auf zwei Rädern, sondern auf zwei oder vier Beinen. Hasen, Graugänse, Fasane, Mäuse queren den Teerstreifen, wahrscheinlich auf der Flucht vor den bereits sehr aktiven Weinbauern, die mit Traktoren unterschiedlichster Art und Alter durch die Rebenfluchten fegen. Nach gut 10 Minuten erreiche ich den Eingang zum Strandbad. Bis dahin bin ich an unzähligen Anglern vorbeigefahren, die in den Schilfkanälen neben dem aufgeschütteten Straßendamm ihr Glück versuchen. Ihre professionellen Kollegen sind mit flachen Booten, die nur gestakt werden, weiter drin im Schilfgürtel oder am Rand zum offenen See unterwegs. Am See ist es menschenleer … graues Wasser, noch grauer Himmel, kaum Wind.

See 3. TAgIn der Ferne kann ich zwei Köpfe erkennen, wie sich herausstellt sind das unsere Nachbarn aus der Pension … ein sehr nettes Tiroler Ehepaar mit zwei Kindern. Ich wage mich noch nicht ins Wasser, aber morgen … bestimmt! Auf dem Rückweg komme ich mir auf einmal vor, als wäre ich in eine Silvesterparty geraten, oder passend zum neu errungen Titel, Feierlichkeiten zur Fußballweltmeisterschaft. Es heult, knallt und zischt um mich rum. Wer das nicht kennt, fällt wahrscheinlich gleich vom Rad, doch eigentlich ist das die Art und Weise, wie die Burgenländer versuchen, die Schwärme von Staren aus ihren Weingärten zu vertreiben. Die allerdings zeigen ihnen, ganz artentreu, schlichterdings nen Vogel, fliegen kurz auf, um dann seelenruhig weiter zu picken.

Da auch nach dem Frühstück das Wetter noch nicht absolut seereif ist, beschließen wir, eine kleine Radtour zu machen. Im vergangenen Jahr bei fast 40 Grad sind wir noch mit dem Auto gefahren, diesmal geht es per bike zum Steppentierpark am Rande von Pamhagen, einst zu Zeiten des Eisernen Vorhanges die einzige Möglichkeit in Seenähe über die Grenze nah Ungarn mit dem Auto zu gelangen … jede Menge Transitverkehr, heute verwaiste Grenzpavillons. Der Tierpark liegt in einem kleinen Wald. Auf dem Weg dorthin (Radweg B27)  wurde man im letzten Jahr noch quer durch die Feriensiedlung Vila Vita geleitet. Eine in sich geschlossene Anlage mit eigenem Badesee, Streichelzoo, Restaurants, Kinderbelustigung, Sportanlagen … usw … nix für uns! Jetzt führt der Radweg zum Glück außen vorbei, so dass uns der Anblick dieses Tourighettos erspart bleibt. Im sogenannten Steppentierpark sind Tiere in weiträumigen Freigehegen zu betrachten, die es in der näheren Umgebung, sprich der Puszta gibt, aber auch solche die als Haustiere gehalten werden, oder wieder angesiedelt wurden, um den einzigartigen Charakter der Natur zu erhalten. Würden die Flächen der Bewahrungszone des Naturschutzgebietes nicht beweidet, wären sie über kurz oder lang verbuscht. Neben Graurindern, Mangalizaschweinen, Wasserbüffeln, weißen Eseln gibt es jede Menge gefiederte Freunde. Mein Favorit seit Jahren ist ein Rudel schwarzer Wölfe. Jedes Jahr bekommen sie Junge, die zu dieser Jahreszeit zu Halbstarken herangewachsen sind und fast ausschließlich aus Pfoten und Ohren bestehen … einfach herzallerliebst! Viel der Tiere darf man füttern, doch da ich meinen Geldbeutel in der Ferienwohnung vergessen habe, reicht es nach dem Durchsuchen sämtlicher Hosentaschen gerade für den Eintritt und zwei Tüten Maiskörner … sehr zum Verdruss meiner beiden Kinder!

schwarzer WolfDa auf dem Rückweg der Himmel zunehmend aufreißt, steht einem Besuch des Seebades nach Ankunft in Illmitz nichts mehr im Wege. Doch vorher tut eine kleine Siesta not … kurz Füße hochlegen, Kaffee genießen, dann gemütlich zum Strand radeln. Der Wind hat zugenommen und so liegt der See in sanften Wellen vor uns. Durch die vielen Regenfälle der letzten Tage quatscht die Wiese schon beim darüber Laufen und so lassen wir uns auf der betonierten Ufermauer nieder. 25 Grad Wassertemperatur sagt die Tafel zwischen den Umkleidekabinen und diesmal fühlt es sich tatsächlich so an. Nichts hält mich mehr auf meinem Handtuch, Badeschuhe an, denn der Wassereinsteig ist mit großen Kieselsteinen kein Spaß für nackte Füße und ab in die Fluten. JETZT!!! bin ich im Urlaub angekommen. Die Seewassertaufe treibt das Erholungslevel nach oben! Nach der vielen Radelei und der Schwimmrunde um die Bojen haben wir uns unser Abendbrot redlich verdient. Ja, wo wohl, natürlich im Zentral. Hier sind wir auch schon angekommen, denn Emmerich, der freundliche ungarische Kellner hat unseren Stammplatz reserviert … er weiß eben was seine Lieblingsgäste zur echten Erholung brauchen!