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REISEJOURNAL ILLMITZ – Way home and day after

Da ist er also, der letzte Tag des diesjährigen Sommerurlaubs in Illmitz. Strahlend blauer Himmel morgens um sechs Uhr, der Blick über das Naturschutzgebiet ungetrübt. Eine halbe Tasse Kaffee später formieren sich sieben Störche zum Abschiedsgeleit am Himmel, so viele habe ich die ganzen zwei Wochen nicht auf einmal hier gesehen. Auch die Hasen und die Ricke mit Kitz aus dem benachbarten Gebüsch zeigen sich noch einmal. Fehlt nur noch, dass sie mit dem Taschentuch winken. Frühstück pünktlich um acht Uhr, die letzten Sachen verräumen, alles ins Auto gepackt, einschließlich der gesammelten Familienmitglieder und kurz vor halb zehn startet die Reise. Ein letztes Mal tief Luft holen auf der Höhe von Neusiedl, den schweflig-modrigen See-Schilf-Geruch in die Lungen pumpen. Dann ab auf die Autobahn, immer schön auf die Blitzer achten, davon gibt es reichlich auf österreichischen Autobahnen. Ist dann aber auch nicht lange nötig, denn schon um Wien herum stehen wir das erste Mal, gerade mal 70 Kilometer später. Und es soll leider nicht das letzte Mal sein. Immer wenn ich mal wieder denke, so jetzt gehts weiter, kann ich Gaspedal gegen Bremse tauschen. Vor Passau dann vorerst der totale Stillstand für viel zu lange. Merkwürdiger Weise kommt uns auch keine Auto entgegen. Schlechtes Zeichen! Dann die Schreckensbotschaft aus dem Autoradio: Falschfahrer auf der Gegenspur, Unfall, zwei Tote, vier Schwerstverletzte, Vollsperrung auf beiden Seiten wegen Landung der Rettungshubschrauber. Und wir sind erst etwa acht Kilometer vom Unfallort entfernt und stehen schon. Irgendwann wird unsere Spur wieder freigegeben und wir schleichen am Ort des Grauens vorbei. Am Rande sitzen Rettungskräfte, am Ende ihrer Kräfte, die Hände vors Gesicht geschlagen. Immer wieder  kommt der Verkehr zum Erliegen. Viele wechseln auf die linke Spur um so nah wie möglich am Unglück der anderen vorbei zu kommen. Man könnte ja einen Blick auf einen blutverschmierten Toten werfen, dann hätte man was zu erzählen, aus dem Urlaub! GAFFER!!! … einer der übelsten Sorten Mensch! Einem Polizisten an der Mittelleitplanke reißen die Nerven, er brüllt in die geöffneten Fenster: Fahrt weiter, schert euch weg! Nur allzu verständlich! Um es kurz zu machen, die Heimfahrt war ein arges Wechselspiel der Geschwindigkeiten ….StaubildWir nehmen alles mit, was die Autobahn so zu bieten hat. Von Unwetter mit Starkregen und Sicht gen Null, bis hin zu Sturmschäden, sprich der halbe Wald liegt auf der Fahrbahn verteilt, ganz zu schweigen von den unterschiedlichsten Formen des Vorwärtskommens oder eben auch nicht. Nach 13 Stunden hat die Fahrt ein Ende, 850 Kilometer später. Ich glaube ich war noch nie so froh, in unseren Hof fahren zu können. Die Räder bleiben auf dem Dach, nur das Gepäck rausgeschleppt und schnell die paar Lebensmittel in den Kühlschrank verräumt, alles andere kann warten und tut es ja leider auch, da Heinzelmännchen anderweitig beschäftigt sind.

The day after … sieht es bei uns im Wohnzimmer dann aus wie in einer Altkleidersammelstelle …JpegAber dank des guten Wetters und dem unbändigen Willen der Waschkraftkombination von Hausfrau und Maschine ist der Berg gebändigt, alles verräumt und der Urzustand wieder hergestellt. Auch der Kater hat sich wieder beruhigt und traut sich in den Garten ohne Angst im Nacken, wir könnten fort sein, wenn er zurück kommt. Normalzustand erreicht …. over and out!

REISEJOURNAL ILLMITZ – 14. Tag Time to say good bye

Das letzte Mal für dieses Jahr, dass mein gelbes Fahrrad und ich zum See flitzen. Eigentlich sollte ja so etwa wie Melancholie, Abschiedsschmerz oder so aufkommen. Ist aber nicht! Denn heute herrscht ein reger Verkehr auf dem Damm zum See, sehr störend für jede Art von Romantik. Außerdem komme ich mir vor wie in einem Manöver, denn um mich rum knallen die Schreckschussanlagen, heulen die Alarmanlagen und zischen die Raketen. Alles im Kampf gegen die Stare, denn die Trauben werden zusehends reif und sind ein gefundenes Fressen für die gefiederten Freunde. JpegFür Alfred Hitchcock wären die als schwarze Wolke aufsteigenden Vögel, die sich kurz wabbernd in der Luft hält, um dann unverzüglich wieder zu landen -allen Abwehrmaßnahmen zum Trotz- eine tolle Vorlage für einen Thriller. Inzwischen sind auch viele Rebenreihen in den Weingärten mit Netzen zugehangen, es flimmert in schwarz, weiß, gelb, blau und grün. IMG_20140809_065844_778-1Auf dem unteren Teil der Straße zum See sehe ich dann auch, was diese Verkehrsmassen verursacht hat. Jede Lücke im Schilf ist mit mindestens einem Angler besetzt. Na klar! Die hungrigen Wochenendtouristen müssen ja mit frischem Seefisch versorgt werden. Kurz vor dem Eingang zum Seebad erspähe ich am letzten Tag endlich meinen ersten Löffler. Majestätisch überschwebt er mich, so nah, dass ich ihm eine Schwanzfeder ausreißen könnte, wenn ich fies wäre. Kurzes Stoßgebet zum Himmel: jetzt bitte nur nicht schei…. Auf den Holzpfählen und Bojen im See sitzen die jungen Möwen, so groß wie die Elterntiere, längst flügge und nur durch ihr eher bräunliches Gefieder von den adulten Tieren zu unterscheiden. Sie schreien aus vollem Hals, warten darauf, dass Mama oder Papa den Frühstücksfisch vorbeibringen. Die potentielle Mahlzeit hingegen hüpft derweil fröhlich aus dem See, nicht ahnend, dass es der letzte Sprung sein könnte. Aber wie heißt es so schön: Life is too short to complain, just live it!WasserbüffelDie Kinder haben sich für den halben Tag, den wir noch zur Verfügung haben, gewünscht, noch einmal in den Steppentierpark zu fahren. So soll es denn sein. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Tiere sich dort alle persönlich von uns verabschieden wollen. Selbst solche, die man sonst so gut wie nie zu Gesicht bekommt, liegen in ihren Gehegen wie auf dem Präsentierteller. Die Kolkraben sind ungewöhnlich gesprächig und wir „unterhalten“ uns eine ganze Weile mit ihnen. Ich kann es mir beim Rausgehen nicht verkneifen, einen kleinen weißen Plüschesel zu kaufen. Eine Erinnerungsstütze!StorckNachdem auch Freund Adebar auf Wiedersehen geklappert hat, fahren wir zurück nach Illmitz. Jetzt beginnt der unangenehme Teil des Urlaubs! Taschen packen und Fahrräder auf das Autodach befördern. Doch was uns am Tag vor der Abreise fast um den Verstand gebracht hat, läuft heute tadellos. Innerhalb von  wenigen Minuten sind die vier Räder auf dem Dach …. so soll es sein. Die Klamotten sind schnell in den Taschen verteilt, muss ja eh alles gewaschen werden. Inzwischen hat der Himmel sich zugezogen, es grollt und blitzt bereits Richtung Seebad. Wir eilen zur Henkersmahlzeit ins Zentral, kaum sitzen wir, beginnt der Wolkenbruch. Egal, unter der Weinlaube spüren wir es kaum, nur die armen Kellner werden relativ nass, wenn sie Essen und Getränke servieren. Ist ja schon irgendwie schmeichelhaft, wenn der Himmel weint, weil wir nach Hause fahren müssen! Mit dem Nachtisch schlägt unsere eher trübe Stimmung um,  wir werden furchtbar albern und der Heimweg, oh jesses … bewaffnet mit einer Flasche Abschiedswein der Familie Kroiss vom Zentral schlingern wir gickelnd durch den Ort … nüchtern, aber fröhlich! Auf dem Balkon bieten wir jetzt den Gelsen noch ein Abschiedsmahl, ab morgen ist Schluss mit lustig … da geht es auf die Piste, 850 Kilometer Richtung Heimat!