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REISEJOURNAL ILLMITZ – 9. Tag Zweimal quer über den See

Der Weg zum See heute Morgen erscheint mir besonders lang, ich empfinde es als kalt und windig. Trotzdem starten wir nach dem Frühstück zu einer kleinen Runde mit dem Rad. Fähre fahren für die ganze Familie ist angesagt. Auf dem Weg zum Illmitzer Seebad werden wir von einer hoch motivierten Radfahrergruppe auf Hightech-Rädern und komplett durchgestyled vom Radweg geklingelt … uih … haben die es eilig. Da ich mir vorgenommen habe, Diplomatie und Freundlichkeit walten zu lassen, rufe ich ihnen ein fröhliches „Gern geschehen“ hinterher, nachdem wir fast in den Straßengraben gefegt wurden, anstatt eines derben Fluches. Ich muss gestehen, meine Schadenfreude fällt dann doch nicht gerade gering aus, als sie weit nach uns und so gerade eben noch die Radfähre erreicht haben, weil sie nämlich siegessicher zum falschen Anleger geflitzt sind. Von dort fährt ein anderes Unternehmen, aber Mindestteilnehmerzahl sind da zehn Personen und da reichen eben keine acht, selbst in Papageienklamotten und auf Profibikes. Das macht nicht unfehlbar!

IMGP8671Vom kleinen Fährhafen in Illmitz (Bild oben), der direkt neben dem Strandbad liegt, geht es etwa 20 Minuten quer über den See nach Mörbisch. Bevor wir dort in den Hafen laufen, passieren wir die Festspielbühne, die im Wasser erbaut wurde (Bild unten). IMGP8677

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Heute ist leider der Zähler für die Radfahrer auf der Seestraße nach Mörbisch defekt, sehr zum Verdruss der Kinder. Wie ich vor ein paar Tagen, wählen wir die Variante des Radweges B10, die uns in Seenähe lässt, so sparen wir uns die hügeligen Etappen durch die Weinberge an den Hängen des Ruster Berglandes. Nach Rust sind es nur etwa 7 Kilometer. Der Weg fährt sich gut, auch für Familien mit kleinen Kindern, denn kleinere Tiergehege am Rand bieten Abwechslung. Wir müssen natürlich wieder bei den Mangalizas halten. Es gibt jede Menge Ferkel und so wandert ein Teil unseres Proviants in die Mägen der Steckdosennasenträger. IMGP8680

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Kurz bevor es in Rust links hinauf in die malerische Altstadt geht, passieren wir auch einen sehr beliebten Rastplatz. Direkt am Seeufer gelegen, kann man unter schattigen Bäumen verweilen und dabei im nahen Seichtwasser und am Rande des Schilfgürtels oft unzählige Wasservögel beobachten. Heute gaben sich reichlich Graugänse ein Stelldichein. Am vergangenen Wochenende war Weinfest in Rust, so dass der Marktplatz noch zugestellt war mit dem Festzelt, sehr schade! Fischerkirche, historische Häuserzeilen, Storchenhorste und die wunderschönen Hofgärten sind aber immer einen Blick wert. IMGP8687IMGP8688IMGP8690Hofgärten RustVon der Altstadt zum Fährhafen ist es nicht weit, der Kilometer eignet sich bestimmt nicht zum Marathontraining. Da die Fährverbindung Rust-Podersdorf nur sehr selten befahren wird, empfiehlt es sich, im Vorfeld die Abfahrtszeiten zu ermitteln, sonst könnte es passieren, dass man in Rust strandet. Fährhafen, Yachthafen und Schwimmbad sind auch hier benachbart, wobei der Badebereich sehr klein gehalten ist, da die Fahrrinne den Platz limitiert. Ergänzt wird er durch ein künstliches Schwimmbecken auf der Wiese. Wir vertreiben uns die Zeit bis zur Abfahrt mit Füße ins Wasser baumeln, bis ein kleiner Junge etwas von einer Schlingel-Schlangel singt, die dann tatsächlich wüst windend durch das flache Wasser schlängelt … nun gut, also Füße lieber einziehen, denken wir uns.IMGP8692IMGP8702Die Fahrt von Rust nach Podersdorf dauert gut eine Stunde. Bevor wir den offenen See erreichen, passieren wir eine dem Ufer vorgelagerte Schilfinsel. Deren Ränder sind besiedelt mit großen und kleinen Holzhütten auf Stelzen. Dabei handelt es sich um Ferienunterkünfte, die weder über Strom noch fließendes Wasser verfügen. Alles, was man für das tägliche Leben so braucht, muss per Boot herbeigeschafft werden. Die Zahl der stechenden und blutsaugenden Untermieter pro Quadratmeter liegt hier wahrscheinlich im siebenstelligen Bereich! IMGP8710Nach einem ziemlichen Zickzackkurs über den See – der Kapitän muss immer wieder gegen den Wind und die Strömung korrigieren, erreichen wir Podersdorf mit seinem Leuchtturm.IMGP8726Zurück auf „unserer“ Seite des Sees machen wir uns über die Hölle – natürlich mit kleiner Rast – auf den Weg nach Illmitz. Noch kurz am Obstlädchen vorbei, Vitamine für den nächsten Tag besorgen, dann parken die Räder wieder im Hof. Wenn das Wetter sich so entwickelt wie heute, werden wir morgen zur Umrundung der ungarischen Seite starten können … hoffen wir das Beste!

REISEJOURNAL ILLMITZ – 6. Tag Seeumrundung Österreich

Nein, heute kein vorfrühstücklicher Ausflug mit dem Rad zum See, denn ich habe mir vorgenommen, den österreichischen Teil des Sees mit dem Rad zu umrunden. Das sind gut 80 Kilometer, das sollte reichen. Schon auf dem Weg zur Radfähre, die am Strandbad von Illmitz ablegt, merke ich, dass ich mir nicht den besten Tag für dieses Unterfangen angesucht habe. Der Wind bläst stramm, definitiv aus der falschen Richtung. Das bedeutet etwa 60 Kilometer bei Gegenwind. Nun ja, nur die Harten kommen in den Garten, oder wie war das!? Ich nehme die Fähre um 9:30 Uhr, sie braucht gut 20 Minuten bis nach Mörbisch. Als ich den Radweg Richtung Ort einschlage, es ist übrigens der B10, der rund um den Neusiedler See geht, passiere ich als Nummer 17 den Zähler auf dem Radweg. Bekannt ist Mörbisch wohl vor allem aufgrund seiner einzigartigen Open-Air-Bühne, die sich auf dem See befindet und auf der alljährlich im Sommer Operetten aufgeführt werden, aber auch andere Konzerte. Ich fahre nicht bis rein in die Weinbaugemeinde, der Radweg  Richtung Rust biegt vorher ab. Fährt man jedoch nach links, gelangt man nach Ungarn. Dort allerdings, wo früher noch der Grenzbaum Ungarn abgeriegelt hat, ist jetzt ein Übergang für Fußgänger und Radfahrer eingerichtet, nicht für den Autoverkehr. Bereits auf dem Weg nach Rust meldet sich mein innerer Schweinehund. Komm, spricht er, in Rust nimmst du die Fähre nach Podersdorf, spar dir den Rest. Mit 1,2,3 Leckerchen auf einer Bank kann ich ihn aber überzeugen, fortan die Klappe … äh das Maul zu halten. Rust ist auf jeden Fall einen Ausflug wert. Hier in der Freistadt Rust trifft historische Baukunst auf ländliches Leben. Der gepflasterte, leicht am Hang liegende Marktplatz ist umrahmt von Bürgerhäusern mit Barock-und Renaissancefassaden aus dem 16. – 18.Jahrhundert. Am oberen Ende liegt die Fischerkirche, die älteste Kirche des Burgenlandes, aus dem Mittelalter. Außerdem ist Rust die Stadt der Störche, kaum ein Gebäude ist ohne bewohnten Horst, das Geklapper begleitet den Besucher auf Schritt und Tritt.  Von hier führt mich der Weg weiter nach Oggau, das als älteste Rotweingemeinde Österreichs gilt. Als Wahrzeichen des Ortes gilt der sogenannte Hötzelstein, ein 60 Meter langes Kalksandsteinriff. Der Ort hat keinen direkten Zugang zum See, hier ist der Schilfgürtel zu breit. Das gleiche gilt für die nächste Gemeinde:  Donnerskirchen. Um dorthin zu gelangen, steigt der Radweg leicht an, man muss die sanften Ausläufer des Leithagebirges erklimmen. Sehenswert sind auf jeden Fall die alte Wehrkirche mit Seeblick, der Dorfpranger und einige Keltengräber. Knapp 10 Kilometer weiter und ich gelange nach Purbach. Touristisches Wahrzeichen ist der Türke, der von den kriegerischen Attacken der Osmanen zeugt und bei der Erstürmung der Stadt im Schornstein stecken geblieben sein soll. Also Kopf in den Nacken schmeißen, wenn man durchradelt! Auch die drei Türkentore erinnern an längst vergangene Zeiten. Purbach wiederum ist durch einem langen künstlichen Kanal mit dem See verbunden. Breitenbrunn streift man nur am Rande, der Türkenturm zeugt von den historischen Einschnitten und im Wehrturm befindet sich die älteste Turmuhr Österreichs. Das nördliche Ende des Sees wird von Winden, Jois, Neusiedl und Weiden eingerahmt. Winden ist ein sogenanntes Schmalangerdorf, die ersten Funde stammen aus der Jungstein-und Bronzezeit. Besonders erwähnenswert ist das Gotische Lichthäuschen und die zahlreichen Erdkeller in den Kellergassen, die zum Lagern des Weines genutzt werden. Jois wiederum ist vielen Seglern durch seinen großen Yachthafen bekannt. Auch hier gibt es alte Hügelgräber, aus der Hallstattzeit. Die barocke Georgskirche ist Mittelpunkt des blumengeschmückten Straßendorfes. Neusiedl ist für mich ein Spezialfall. Das erste Mal war ich Anfang der 70er Jahre dort. Ein kleines Dorf, dessen Hauptstraße noch nicht geteert war, mit einem putzigen Strandbad und wenig Tourismus. 20 Jahre lang boomte es, Hotelriesen wurden errichtet, ein Wellenbad gebaut, die Gemeinde wuchs und wuchs. Die Ruine Tabor schien das ganze aus luftiger Höhe zu bewachen. Ab Mitte der 90er Jahre verfiel die Stadt meines Erachtens zunehmend. Die Hauptstraße präsentierte sich dreckig, die Häuser verkamen, immer mehr neue Großmärkte am Rande der Stadt eröffneten. Inzwischen ist es absolut kein Ort mehr, der mich als Tourist verleiten würde, dort entspannten Urlaub zu genießen. Durch die Ausdehnung Neusiedls praktisch direkt angrenzend führt mich mein Weg nach Weiden. Einem langgezogenen Straßendorf, das geprägt wird durch Verkaufsstände vor den Hoftoren, in denen der Durchreisende vom Gemüse über Souvenirs gefertigt aus Stroh oder Schilf bis hin zum Selbstgebrannten alles bekommen kann, um die daheim Gebliebenen glücklich zu machen. Erwähnenswert sind die Zitzmannsdorfer Wiesen, eine Bewahrungszone des Nationalsparks mit Feuchtgebieten und Sandsteinhöhlen, die unter anderem als Nistplatz für den Bienenfresser dienen. Ab Weiden hörte dann auch endlich der Gegenwind auf und so war die Fahrt nach Podersdorf ein wenig entspannter. Zwar ist hier der Radweg nicht durchgängig befestigt, dafür aber landschaftlich um so abwechslungsreicher. Wie ich schon einmal erwähnte, halte ich Podersdorf auch nicht für die Erfüllung meiner Urlaubsträume, obwohl es der größte Touristenort am Neusiedler See ist. Oder gerade deshalb? Vier Kilometer Strand, viel Trubel, aber dafür auch der einzige Ort ohne Schilfgürtel, direkt am Seeufer gelegen. Kurz nach Podersdorf kommt mein Lieblingsort am ganzen See, die HÖLLE!!! Wie durch tausend Höllen gegangen fühle ich mich auch, als ich den gemütlichen Heurigen dort passiere. Der Schweinehund meckert und knurrt lautstark, denn ich lasse den einladenden Gastgarten links liegen und strampel verbissen weiter. Die Familie sitzt inzwischen bestimmt schon beim Essen und auch mein Magen sehnt sich nach einer anderen Füllung als Mineralwasser. Welch ein Segen, als ich endlich das reguläre Ortsschild Illmitz erkennen kann. Nochmal die letzten Reserven mobilisierend strampel ich vorbei am Naturparkinformationszentrum über den Güterweg direkt zum Hintereingang des Zentrals, wo man mich schon sehnsüchtig erwartet. Da es etwas später geworden ist, als geplant, hat die Familie bereits gespeist, doch auf meinem Platz liegt einladend ein Besteck. Kaum Platz genommen, da eilt auch schon Emmerich, mein Lieblingsober auf mich zu und stellt mir mit einem wissenden Lächeln einen G ´spritzen vor die Nase. Nach dem ersten Schluck habe ich wieder die Kraft, gleich einen weiteren zu ordern, dazu eine Portion Seewinkler Nudeln und diesmal gibt es auch einen Nachtisch: Hausbecher, sprich Vanilleeis mit marinierten, heißen Kirschen. Heute Abend fällt der Hammer schnell, nach dem Duschen noch ein Gute-Nacht-Wein auf dem Balkon, dann endlich lang machen im Bettchen!