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DIE FRAU AN MEINER SEITE ODER WENN „ANDERS“ ALLTAG WIRD (14)

Die lange Zeit des Wartens hatte endlich ein Ende. Nach zähem Kampf, unter anderem mit Janas Therapeuten, bekam sie die Zusage zur Hormontherapie. Man sah die Indikation als gegeben. Damit hatten wir den sogenannten Alltagstest, der für alle Betroffenen und Angehörigen der reinste Horror ist, erst einmal hinter uns.

Um diesen Horror mal deutlich zu machen, erkläre ich den Begriff „Alltagstest“ kurz: Der Gesetzgeber sieht vor, dass die Betroffenen ein Jahr lang ihr gewünschtes Geschlecht leben, sowohl privat als auch beruflich. Das heißt, ohne Hormone und ohne gesellschaftliche Rechte. Sie befinden sich also rechtlich und körperlich noch im ursprünglichen Geschlecht. Damit ist dann auch verbunden, wie in Janas Fall, dass sie nicht die Damentoilette benutzen durfte, obwohl sie Damenkleidung trug. Auch im Schwimmbad sind Damenumkleiden und Duschen tabu. Da blieb nur die Herrenumkleide oder der Verzicht auf das Schwimmbad.

Mit Sicherheit war dieser Alltagstest-Stress auch ein Grund, warum Janas Neurodermitis von Tag zu Tag schlimmer wurde. Ich musste jeden Tag das Bett frisch geziehen, weil sie sich blutig gekratzt hatte, wo immer sie auch dran kam. Zu allem Überfluss setzte sich auf die offenen Wunden noch eine Infektion, so dass sie um einen Krankenhausaufenthalt nicht herum kam. Der Haken daran war, dass sie in ein Männerzimmer einquartiert werden sollte, womit sie absolut nicht einverstanden war. Nur mit Hilfe eines Deals konnten das Klinikpersonal und ich sie überzeugen zu bleiben. Ausgemacht wurde, dass sie, sobald ein Einzelzimmer frei würde, dort hinein verlegt würde und sie als Frau in den Klinikakten geführt würde. Etwas entspannter ging es bei einem weiteren Klinikaufenthalt, diesmal in Mainz, zu. Hier gab es sofort Einzelzimmer und die Akzeptanz, eine Frau zu sein.

Die grundsätzliche Situation änderte sich für Jana ins Positive, als dann nach der Bewilligung für die Hormontherapie tatsächlich auch mit der Behandlung angefangen wurde. Hier wird unterschieden zwischen dem sogenannten sanften Weg, wo der Betroffenen lediglich Östrogene erhält, aber keine Testosteronblocker und dem harten Weg, sprich Östrogene und Testosteronblocker. Jana wählte zunächst den sanften Weg, die Dosis der Östrogene war auch noch sehr gering und trotzdem tat es ihr unendlich gut. Sie beschrieb es mit den Worten „mein Kopf wird auf einmal so frei“. Und tatsächlich wirkte sie wie ausgewechselt. Anfangs hielt ich das alles für reine Einbildung und fragte mich, warum sie nicht schon längst ihre sanfte Natur gezeigt hatte. Doch wie sehr ich da fehl lag und welche Wirkung die Hormone tatsächlich auf Jana hatten, verstand ich erst bei der ersten Kontrolluntersuchung. Hier stellte die behandelnde Ärztin einen zu hohen Östrogengehalt fest und setzte die eh schon sehr geringe Dosis noch weiter herab. Die Folgen waren Jana sehr schnell anzumerken, sie wurde wieder launisch, fühlte sich unzufrieden, ja irgendwie unfertig. Die Wochen bis zum nächsten Termin zogen sich in die Länge. Auf mein Drängen kontaktierte Jane schließlich die Ärztin, denn wir konnten nicht ausschließen, dass hier eine Fehlmessung vorlag. Das Östrogen wird als Salbe auf die Arme aufgetragen und genau dort wurde ja auch die Blutentnahme gemacht. Der vorgezogene Kontrolltermin bewies dann auch, dass ihre Hormonwerte absolut in den Keller gefallen waren. Die Dosis wurde angepasst und Besserung ließ nicht lange auf sich warten.

To be continued …