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DIE FRAU AN MEINER SEITE ODER WENN „ANDERS“ ALLTAG WIRD (12)

Am Tag der Feier waren wir ganz schön aufgeregt. Matthias war nicht geschminkt, seine Haare ja auch noch ziemlich kurz und so waren wir ziemlich sicher, dass keiner, der nicht eingeweiht war, Verdacht schöpfen würde. Vielleicht mit Ausnahme einer Tante, die einmal bei Gerry Weber gearbeitet hat. Doch es blieb ruhig und meine Mutter entspannte sich zusehends. Sie bezeichnete Matthias Kleidung als fairen Kompromiss, alle waren zufrieden.

Anlässlich einer anderen Familienfeier, erst vor wenigen Wochen, als schon alle Verwandten informiert waren, kam justament diese Tante auf Matthias zu und lobte ihn – da schon Jana – wie gut er doch jetzt aussähe. Sie könne sich gar nicht mehr vorstellen, dass da mal ein Mann drin steckte. Bei dieser Gelegenheit erwähnte sie auch, dass sie tatsächlich an diesem 50. Geburtstag meiner Geschwister schon eingeweiht gewesen wäre. Meine Mutter hatte jemanden zum Reden gesucht und sich für sie entschieden. Eine gute Wahl!

Die nächste Herausforderung bestand nun, es genauso erfolgreich den Schwiegereltern zu verkaufen. Wir fuhren immer zwischen Weihnachten und Neujahr zu ihnen und ich bestand darauf, dass wir es ihnen im Vorfeld mitteilen sollten, oder zumindest vorwarnen. Ich bereitete also auch meine Schwiegermutter am Telefon darauf vor, dass ihr Sohn ihr bei unserem nächsten Besuch etwas mitteilen werde. Wie Mütter und Schwiegermütter nun mal sind, gab auch sie keine Ruhe und meinte, sie könne jetzt bis Weihnachten kein Auge zu tun, wenn wir ihr nicht endlich sagen würde, worum es ginge. Ich versuchte Matthias zu animieren, es seiner Mutter selbst mitzuteilen, doch er hatte Bedenken, es am Telefon zu tun und wirkte unsicher. Also blieb es doch wieder an mir hängen, trotz aller schlechten Erfahrungen mit dieser Art von Outing bei meiner Mutter. Als ich ihr reinen Wein eingeschenkt hatte, war erst mal Ruhe am anderen Ende der Leitung. Dann kam ein „Tja, dann isses so. Ich kann es ja eh nicht mehr ändern.“ Sie schien ihren Sohn in der Tat sehr gut zu kennen. Vielleicht fielen ihr da die kleinen Begebenheiten in seiner Kindheit ein. Zum Beispiel als sie in seinem Bett ihren Badeanzug fand, den sie dann kommentarlos verschwinden ließ. Auf jeden Fall schien sie nicht sonderlich beeindruckt, bestand aber darauf, es dem Vater erst zu sagen, wenn wir da wären. Zwischenzeitlich telefonierten wir noch recht oft. Sie fing an Fragen zu stellen und wir beantworteten sie gerne und ausführlich.

Als wir dann vor Ort waren, empfing uns dann die Schwiegermutter allerdings mit der Ankündigung, dem Vater doch erst mal nichts zu sagen. Sie war der festen Überzeugung, dass er damit nicht umgehen könne und es auch nicht akzeptieren würde. Da Matthias, ähnlich wie bei der Familienfeier meiner Geschwister, wieder ziemlich unisex gekleidet war, fiel dem Vater auch nichts weiter auf. Sein einziger Kommentar bezog sich auf die Frisur seines Sohnes. Das seien aber heftige Haare, meinte er. Dabei wäre es wohl in den Augen der Meisten lediglich eine etwas aus dem Ruder geratene Kurzhaarfrisur.

Matthias machte es sehr betroffen, dass seine Mutter der Meinung war, sein Vater solle nichts von seiner neuen Lebensweise erfahren. Dementsprechend angeschlagen war die Stimmung. Auf dem Weg nach Hause mussten wir fortwährend darüber nachdenken, wie es jetzt wohl weiter gehen würde.

Als wir das nächste Mal an Ostern zu ihnen fuhren, setzte Matthias sich durch und sagte seiner Mutter auf den Kopf zu, dass er es diesmal seinem Vater vermitteln würde. Ich konnte ihm anmerken, unter welchem Druck er deshalb stand und wie sehr er inzwischen unter der Heimlichtuerei litt. Als wir pünktlich zum Kaffee die Treppe runter kamen, empfing uns meine Schwiegermutter am Ende der Stufen. Mit den Worten „Ich habe es dem Vater schon gesagt!“ nahm sie Matthias die Möglichkeit, es ihm mit seinen Worten zu vermitteln. Das darauffolgende Gespräch gestaltete sich demzufolge entsprechend schwierig. Sein Vater schwieg sich komplett aus und stellte überhaupt keine Fragen. Man merkte ihm an, dass er die Neuigkeit erst mal verdauen musste. Es dauerte eine ganze Weile bis er auftaute. Inzwischen ist es tatsächlich so, dass der alte Herr damit recht gut umgeht, während seine Frau sich immer mehr zurückzieht und vor allem Matthias deutlich ihren Unmut spüren lässt. Auf jeden Fall war die komplette Familie endlich eingeweiht und uns beiden fiel ein ordentlicher Felsbrocken vom Herzen, dass wir diese Hürde erfolgreich genommen hatten.

 

To be continued …

IST BLUT WIRKLICH DICKER ALS WASSER????

Eine kleine, aber sehr einschneidende Geschichte aus meinem Leben …. Durch ein absolut unnötiges Missgeschick habe ich mir am Sonntag meinen rechten Daumen so bescheuert gebrochen, dass er morgen in einer ambulanten Operation verdrahtet und gerichtet werden muss. Von dem immensen Bluterguss am linken Unterschenkel und der Bänderdehnung im linken Sprunggelenk wollen wir an dieser Stelle mal nicht reden. Fakt ist, dass ich als Rechtshänder nun reichlich eingeschränkt in meinen alltäglichen Handlungen bin. Zahnpasta aus einer fast leeren Tube zielgenau auf den Bürstenkopf quetschen, frische Sprudelflaschen öffnen, Brot schneiden, BH öffnen oder schließen … sind nur ein paar spontane Beispiele für meine aktuelle Unzulänglichkeit. Zum Glück habe ich zwei tolle Mädchen, die mir helfen wo immer sie können. Trotz gerade wieder angelaufenem Schulstress, eigenen Interessen und persönlichen Problem(ch)en. Ohne viel Federlesens und nur mit minimalen Anstößen und Erklärungen erledigen sie alles Notwendige so gut sie können … und das ist ziemlich gut! Doch Kinder bleiben Kinder und die Tatsache, dass ich ins Krankenhaus muss … wenn auch nur für ein paar Stunden … macht ihnen Kummer und beunruhigt sie. Da fließen Tränen vor Sorge um die Mama, da werden Ansprechpartner gesucht, die bestätigen könnten, dass wirklich alles wieder gut wird. Deshalb habe ich im allerengsten Familienkreis um Hilfe gebeten. Und blitzte zu meiner großen Überraschung ab! Kälte, Ablehnung, Ausreden … diese schmerzliche Kombination schlug mir entgegen. Ich war entsetzt, traurig und wütend zugleich! Da waren meine Kollegen, denen meine Ungeschicklichkeit nun voraussichtlich sechs Wochen lang erhebliche Mehrarbeit aufbürdet und die trotzdem helfen, wo und wie sie nur können. Da sind Menschen, denen ich persönlich vielleicht einmal sehr weh getan habe und die sofort anboten, im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Mädels und mir unter die Arme zu greifen. Da gibt es Menschen, die ein nicht unerhebliches Risiko eingehen, wenn sie uns drei Weibern helfen und doch scheuen sie nicht, für uns da zu sein. Nur den eigenen, engen Verwandten, denen ist es zuviel, die Hand helfend auszustrecken, die ziehen sich in ihr Schneckenhaus zurück, widmen sich lieber intensiv ihren Alltagsbanalitäten, als einmal etwas Abwechslung in ihre letzten Lebensjahre zu bringen. Nun, ich kann nur hoffen, dass nie der Fall eintritt, dass sie einmal meine Hilfe benötigen, denn ich bin mir nicht sicher, ob in dem Moment mein Garten (der vielleicht 25 zu pflegende Quadratmeter umfasst) meine volle Aufmerksamkeit braucht oder vielleicht mein Motorrad unbedingt ausgeführt werden muss. Um so dankbarer bin ich all den anderen Menschen, die mehr oder weniger selbstlos für uns da sind / sein werden, wenn es nötig wird … allen voran meinen fabulösen Töchtern! Mädels, DANKE! … dass es euch gibt … ich liebe euch und bin unendlich stolz darauf, eure Mama sein zu dürfen! Und keine Bange … Unkraut … sprich Mama … vergeht nicht!

OBERWALDHAUS UND STEINBRÜCKER TEICH

Verlässt man Darmstadt in östlicher Richtung, auf der Nebenstrecke nach Dieburg, so erreicht man nach ein paar Minuten ein wunderschön gelegenes Naherholungsgebiet. Mitten im Wald liegt der sogenannte Steinbrücker Teich, daneben das Ausflugslokal Oberwaldhaus. JpegJpegStadtauswärts auf der rechten Seite der Dieburger Straße, gleich hinter der Endhaltestelle der Buslinie F, gibt es Parkmöglichkeiten und den ersten Blick auf den auf einer Seite vom Wald umgebenen Teich mit der kleinen Insel darin. Auf der anderen Seite schweift der Blick erst mal über sattes Wiesengrün, ein paar Schatten spendende Bäume und reichlich Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein. Wer es lieber aktiver mag, kann zum Minigolfschläger greifen und sich auf einer weitläufigen Anlage üben. JpegFür die Beschäftigung der Kleinen steht ein sehr gut ausgestatteter Spielplatz zur Verfügung, so dass alle Altersgruppen nach Herzenslust klettern, schaukeln, wippen oder buddeln können. Sehr ansprechend ist der Wasserspielplatz mit kleiner Mühle, Wechselsachen sind dringend zu empfehlen.JpegAber auch die „Großen“ können sich sportlich betätigen, denn so eine Ruderbootspartie auf dem Teich für die ganze Familie ist mit Sicherheit nichts Alltägliches. Wer lieber was für die Beine tun möchte, nimmt halt ein Tretboot.JpegAn schönen Tagen gibt es für Kinder von drei bis sieben Jahren ein besonderes Highlight, denn dann kommen vom Ponyhof Oberwaldhaus ein paar der kleinen Vierbeiner herüber und können – von Erwachsenen geführt – von den Kindern eine etwa 20 Minuten dauernde Runde durch den Wald geritten werden.  (Link zum Ponyhof: http://www.redworks.info/POR/?page_id=60 ) Erfreulicher Weise gibt es  in Lokalnähe, also nur ein paar Hundert Meter vom Spielplatz entfernt, eine Toilettenanlage, so dass dem Vergnügen auch in dieser Hinsicht keine unlösbaren Probleme im Wege stehen.