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KATE GOES BUCHHALTUNG

Nach einem kurzen, aber sehr interessanten Abstecher in die Welt der IT-Security ist mal wieder eine Veränderung angesagt. Nicht ganz freiwillig, wie ich zugeben muss, denn das Ende der Ära IT kam überraschend und war uncharmant. Aber wie heißt es so schön, hinfallen, aufstehen, Krone richten, lächeln, weitermachen. Und so ein bisschen Abwechslung lässt das Leben weniger langweilig erscheinen und hält zu dem jung, zumindest im Kopf.

Und so kam es, dass ich seit Anfang Dezember wieder die Schulbank drücke. Ein neuer Job war schnell gefunden, doch da gab es gewisse Anforderungen, die es erst noch zu erfüllen gilt. Wieder als Assistentin der Geschäftsführung aktiv, wird jedoch einer meiner Schwerpunkte auf der Buchhaltung liegen. Und genau davon hatte ich bis dato nur rudimentäre Ahnung. Zum Glück lässt sich so was ändern. Beim Arbeitsamt vorstellig geworden, wurde mir ein Kurs zugeschneidert, der meine Wissenslücke füllen wird … hoffe ich!

Zwölf Wochen lang besuche ich nun einen Kurs in Finanzbuchhaltung und erfreue mich täglich fünf Stunden an einer neuen Art von Gehirnjogging. Zum Glück bin ich relativ Mathe-affin gestrickt und bin da angstfrei rein gegangen. Mit mir drücken 24 weitere Fortbildungswillige die Schulbank, ausschließlich Damen. Neu an dieser Schulgeschichte ist nicht nur das Lernen nach so vielen Jahren der Abstinenz, sondern die Tatsache, dass es sich um ein virtuelles Klassenzimmer handelt. Will sagen, über die ganze Republik verteilt, sitzen die Mitschüler entweder an Standorten des Kursanbieters oder daheim vor den Bildschirmen und lassen sich von einem Dozenten über den Cyber unterrichten. Ausgestattet mit Fachliteratur in gedruckter Form aber auch online, rauchen jeden Vormittag fünf Stunden lang 25 Köpfe. Die mit dem Unterricht zusammenhängende IT hatten wir alle schnell im Griff, beim Unterrichtsstoff gibt es schon Unterschiede. Zur Not hilft eine WhatsApp Gruppe, die natürlich auch dem Spaß und der allgemeinen Unterhaltung dient.

Bis jetzt bin ich ja immer davon ausgegangen, dass Mathematik etwas mit Logik zu tun hat, deshalb war mir das ja auch so sympathisch. Doch Buchhaltung und Logik, das hat so überhaupt nichts miteinander zu tun! Schon allein der Sprachgebrauch hat mich am Anfang sehr verwirrt. Inzwischen gilt die goldene Regel in unserem Kurs, das Wort LOGIK ja nicht zu erwähnen, wenn man vermeiden will, dass Frau Keil einen Anfall bekommt. Das Hirn ausschalten, schlichterdings alles auswendig lernen und schön nach Schema F arbeiten, dann klappt es auch mit der Buchführung. Und so sehe ich dem ganzen inzwischen ziemlich gelassen entgegen, so lange am Ende des Tages meine Bilanz ausgeglichen ist.

Wenn unser Dozent dann mal nicht gerade damit beschäftigt ist, die Katzen von seiner Tastatur zu vertreiben, dem Postboten die Tür zu öffnen, Kaffee oder Tee zu trinken bzw. entsprechend ihn in der Toilette durchdestilliert zu entsorgen, abgestürzte Computer neu zu starten oder den einen oder anderen Schwank aus dem Leben zu erzählen, gelingt es ihm tatsächlich, uns in dieses trockene Thema einzuarbeiten.

Mit mir im realen Kursraum sitzen noch drei Herren. Der eine quält sich seit Monaten mit allem was mit Verkauf zu tun hat, herum. Der andere ist eigentlich Architekt und lässt sich jetzt zum Onlinemarketingmanager ausbilden. Warum der ein Headset auf hat, weiß ich nicht genau, der spricht so laut, dass man ihn eigentlich bis an die Republikgrenzen auch so hören müsste. Und der Letzte, der ist ganz neu. Was immer er auch lernt, es muss sehr anstrengend sein, denn er schnauft den ganzen Tag wie ein Walross. Das mag aber auch den etwa drei Zentnern Lebendgewicht liegen, den ein armer Roller jeden Tag an den Kursstandort befördert. Ist halt wie im richtigen Leben, nicht jeder wächst einem gleich ans Herz.

Wir im Kurs fiebern jetzt alle unserer ersten Prüfung entgegen, die Anfang Januar natürlich auch online stattfinden wird … we will see …