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JONATHAN (JOHNNY) HEIMES … WEIT MEHR ALS EIN KAMPF

Vor ziemlich genau einem Jahr musste Johnny Heimes sich im Kampf gegen den Krebs geschlagen geben. Diese teuflische Krankheit hält sich nicht an Fairplay. Die Trauer, die eine Familie verspürt, wenn ein Kind hier verliert, kann wohl nur jemand nachempfinden, der es selbst erleben musste. Aber neben der lebhaften Erinnerung die bleibt, hinterließ Johnny ein Lebenswerk, das ihn bereits zu Lebzeiten weit über die Grenzen Darmstadts   bekannt machte. Seine Initiative „Du musst kämpfen – es ist noch nichts verloren“ macht nicht nur Betroffenen Mut, sondern unterstützt junge Krebspatienten aktiv. In die Öffentlichkeit getragen wurde die Initiative unter anderem durch die Tatsache, dass Johnny als reger Fan des Fußballvereins SV Darmstadt 98 kaum ein Heimspiel ausließ und die Sportler bei so viel Engagement gegen diese tückische Krankheit nur zu gerne bereit waren, als Plattform zur Verbreitung zu dienen. Daneben setzte der Verein sich auch finanziell ein, genauso wie die Vereinssponsoren und viele Gegner auf dem Sportplatz wurden zu Verbündeten gegen den Krebs. Darmstadt und der SV 98 ist Johnny derart verbunden, dass das traditionelle Stadion am Böllenfalltor, inzwischen umbenannt in Merck Stadion am Böllenfalltor, für ein Jahr umgewidmet wurde in Johnny-Heimes-Stadion. Und anlässlich seines Todestages wird die Mannschaft beim nächsten Heimspiel in einem Sondertrikot auflaufen.

johnny und trickot

Als Teenager sucht ihn die tückische Krankheit erstmals heim. Seine sportliche Karriere nimmt ein jähes Ende. Er war gerade hessischer Tennis-Jugendmeister geworden, genauso wie Andrea Petkovic, seine Trainingspartnerin. Über die Jahre hinweg gelingt es ihm mehrfach, dem Krebs ein Schnippchen zu schlagen und somit dem Tod von der Schippe zu springen. Diese Zeit, in der für ihn klar war, dass eigener Sport erstmal ganz hinten anstehen musste, nutzte er, um gemeinsam mit Andrea Petkovic die Grundsteine für seine Initiative zu legen. Sinnbild für sein Durchhaltevermögen, dass er so gerne an all die anderen jugendlichen Betroffenen weitergeben wollte, sind die blau-weißen (in Lilienfarben gehaltenen) Motivationsbänder. Schnell verbreiten sie sich unter den Lilienfans. Inzwischen gibt es sie in vielen Farben, kein Bundesligaverein kommt hier zu kurz. Was aus dieser ersten Idee mit den Bändchen geworden ist, wie viel Herzblut von den Gründern dahinter steckt und wie jeder von uns helfen kann, ist hier nachzulesen.

Seine Eltern lassen das, was er aufbaute, nun weiterleben. Ich durfte sie anlässlich des Rosenmontagsballs des KV Weiterstadts kennenlernen. Sie nahmen eine posthume Auszeichnung für ihren Sohn entgegen. Es war ein sehr ergreifender Moment, nicht wenige Anwesende konnten die Tränen nicht zurückhalten. Dazu gehörte ich auch.

johnny eltern

Seit Monaten trage ich eines dieser blau-weißen Gummibänder. Tag und Nacht, ich lege es nie ab. Und ausgerechnet an diesem Abend hatte ich es zu Hause gelassen. Ich dachte, wenn ich schon mal auf einen Ball gehe, soll es richtig elegant sein. Da stand ich dann da, die Eltern von Johnny auf der Bühne und meine Eitelkeit im Nacken. Es hat mich tief beschämt!

PEST ODER CHOLERA – ICE ODER STADION

Unsere Stadt, die mitten im Rhein-Main-Ballungsraum liegt, entwickelt sich erfreulich gut. Trotz Lärmfinger des Flughafen Frankfurts, der eine Bebauung in großen Teilen einschränkt, trotz Autobahnen rechts und links, trotz (Groß-)Städten wie Frankfurt oder Darmstadt, bleibt immer noch genug Platz für die Landwirtschaft. Hin und wieder fällt auch noch ein Fleckchen für neu zu erschließende Baugebiete ab, wie erst kürzlich der sogenannte Apfelbaumgarten 2.

Wir können auch über die Größe unserer Gewerbegebiete nicht klagen. Die daraus resultierende Umsatzsteuer gibt uns die Möglichkeit, vieles umzusetzen, zu dem andere Kommunen nicht in der Lage sind.

Casus Knaxus ist, wie in vielen Ballungsgebieten und gut frequentierten Mittelzentren, die Überlastung der Verkehrsadern. Das gilt nicht nur für Straßen, sondern auch für das Schienennetz. A5, A67 und auch die B42 sind ständig überlastet, ausgewichen wird dann auf ortsinterne Straßen, sehr zum Ärger der Anwohner. Im Zuge eines Ausbaus des Schienenetzes im Bundesverkehrswegeplan 2030 ist eine transnationale Verbindung zwischen Genua und Rotterdam geplant. Die Bestandsstrecke Mainz-Aschaffenburg soll an diese Neubaustrecke angebunden werden. Dafür gibt es mehrere Varianten. Des weitern schwebt unser kleiner „großer“ Nachbar gerade auf dem Höhenflug und träumt von einem eigenen ICE-Anschluss. Die kritische Anschlussvariante, gepaart mit dem Neubau einer Güterverkehrstrasse zur Entlastung der Bestandsstrecken, würde Weiterstadt hart treffen. Neben dem erheblich erhöhten Lärmpegel und großer Entwichlungseinschränkungen auf noch freien Flächen, würde das sehr beliebte Naherholungsgebiet „Braunshardter Tännchen“ mit ziemlicher Sicherheit durch den Schienenstrang zerschnitten und damit unbrauchbar für die örtliche Freitzeitgestaltung.

Teil zwei des Höhenfluges ist ein neues Stadion für den Traditionsverein SV Darmstadt 98. Wobei hier die Darmstädter an und für sich nicht allzu viel Schuld trifft. Die meisten Heiner würden wohl lieber ihr alteingesessenes Bölle behalten, es sei denn, sie wohnen direkt nebenan. Doch der DFB macht einen Stadionneubau zur Auflage für die Lizenz, egal ob in der 1. oder in der 2. Liga. Seit Monaten gibt es Spekulationen über den geplanten Standort des neuen Stadions für die Lilien. Inzwischen hat die Stadt Darmstadt zusammen mit dem SV98 vier Standorte in und um Darmstadt ausgemacht, die in  Frage kämen. Wie man in gut informierten Kreisen unter der Hand munkelt, gehört der Weiterstädter Standort zu den Favoriten. Welcher grüne Darmstädter Bürgermeister, der in diesem Jahr wieder gewählt werden möchte, würde auch zwei Standorte favorisieren, für die hektarweise Wald abgeholzt werden muss. Fakt ist, dass das Areal, welches für den Stadionneubau auserkoren ist, fast vollständig im Besitz der Stadt Darmstadt ist, sich aber auf Weiterstädter Gemarkung befindet. Heißt im Klartext, dass ohne die Erlaubnis Weiterstadts dort keine Bagger rollen würden. Fakt ist weiterhin, dass weder die Stadt Darmstadt, noch der SV98 eine offizielle Anfrage an den Weiterstädter Bürgermeister gestellt hat. Fakt ist auch, dass unser Bürgermeister prophylaktisch mehrere Bedingungen daran geknüpft hat, auch nur darüber nachzudenken, ob so ein Riesenbau auf diesem Gelände errichtet werden kann. Und letzter Fakt ist, dass dieser Eventuell-Stadionneubau sich nahezu genau dort befindet, wo die neuen Bahntrassen geplanter Weise entlanglaufen sollen.

Wenn ich mich jetzt als Weiterstädterin zwischen Pest oder Cholera entscheiden müsste, also zwischen Bahntrasse und Stadion … ich würde nicht lange überlegen. Als Lilienfan, Selten-Bahnfahrerin und Anwohnerin des am meisten betroffenen Stadtteils Weiterstadt wäre ich definitiv für ein Stadion. Natürlich bringt auch ein Stadion mehr Verkehr und Lärm und vielleicht auch Dreck von durchwandernden Fan. Aber mal ehrlich, Lärm haben wir sowieso schon von der A5, der Verkehr ist an den meisten Samstagen und an Stoßzeiten eh schon heftig … und Straßen können nicht voller als voll sein. Und Dreck, na ja, die Kunden des nahen Einkaufszentrum meiden auch jetzt schon die Benutzung öffentlicher Mülleimer und präferieren die Abfallentsorgung auf Bürgersteigen oder Grünstreifen. Das ganz große ABER sind jedoch die Bedingungen, die der Weiterstädter Bürgermeister gestellt hat: Für etwaige Überlegungen einer eventuellen Genehmigung für den Stadionneubau muss es Garantien geben: Eine separate Autobahnabfahrt für das Stadion gibt (eine Zuführung der Fans über die B42 kommt nicht in Frage). Der Lärmschutz muss von ausgezeichneter Qualität sein. Die Infrastruktur rund um das Stadion wird komplett ausgebaut. Es gibt eine neue Straßenbahnlinie vom Darmstädter Bahnhof zum Stadion. Im Klartext heißt das, dass irgendjemand mindestens 60 Millionen Euro in die Hand nehmen muss, bevor die Stadt Weiterstadt darüber nachdenkt. Klingt nicht sehr wahrscheinlich, oder? Außerdem bezweifel ich, dass die Darmstädter so naiv sein werden, einen solchen Wirtschaftsfaktor auf unserer Gemarkung zu platzieren, dafür eine Menge Geld hinblättern und dann zusehen müssen, wie wir von der Gewerbesteuer profitieren. Hadert man doch bei den Nachbarn schon mit dem Einkaufzentrum in unserem Stadtteil. Sollte, allen Einwänden zum Trotz , Darmstadt doch um die benötigte Genehmigung bei uns ersuchen … seien wir doch mal ehrlich! Profitieren wir nicht auch in hohem Maße von dem Neubau? Die Infrastruktur in ein eventuell noch zu erschließendes Gewerbegebiet würde komplett auf Kosten anderer ausgebaut. Die Straßenbahnanbindung, die von einigen Weiterstädtern schon seit Jahren gewünscht wird, gäbe es umsonst. Die Fans, die alle vierzehn Tage zu den Heimspielen kämen, würden vielleicht auch das vor sich hindümpelnde  Einkaufszentrum mit vielen Leerständen und andere Einzelhandelsbetriebe im Dunstkreis des Stadions einen positiven Kick geben. Es gäbe mit Sicherheit auch das Stadion begleitende Gewerbeansiedlungen.

Also: PEST ODER CHOLERA … was hättet ihr lieber?

Das ich nicht ganz alleine mit meinen Gedanken zum Stadionneubau bin, könnt ihr auch hier nachlesen : boellen-weiterstadt