DeTox – Protokoll eines Selbstversuches (4)

Nun, es gibt gute und schlechte Tage. Gestern war ein mehr als schlechter. Schon beim Aufstehen tat mir vor allem die Beinmuskulatur weh. Kam mir vor wie eine alte Oma. Im Laufe des Vormittags wurde es etwas besser, nur um schon am frühen Nachmittag mit voller Wucht wieder einzutreten. Kein Herumlaufen, Treppensteigen oder Dehnübungen nützen etwas. Dazu kam eine erhebliche innere Unruhe. Ich kam mir vor wie ein eingesperrter Tiger. Richtig unzufrieden war ich mit Allem. Fruchtsaft, Wasser und Ingwertee hingen mir zum Hals raus. Ich wollte einen Kaffee!! Anscheinend hatte ich laut gejammert, dann ein energisches NEIN schallte über die Bildschirmwand, die meine Kollegin von mir trennte … danke Michaela!

Nicht genug an Unbehagen, verstärkte sich der Drang, endlich die Zähne mal wieder in was Festes zu schlagen. Es war kein Hunger, nein, irgendwie fehlte mir die Tätigkeit des Kauens und der differenziertere Geschmack von Obst oder Gemüse. Sehr am Zweifeln, ob ich das noch lange mitmachen würde, ging ich ins Bett.

Doch zum Glück … neuer Morgen, neue Motivation. Ich traute mich erst gar nicht, mich aus dem Bett zu schwingen, doch wider Erwarten tat nichts weh. Ein guter Start, fand ich. Dass meine Kaffeemaschine nur wüst Dampf und Wasser von sich gab, ohne das schwarze Gold zu produzieren, war nur ein kleiner Wermutstropfen. Mit relativ guter Laune machte ich mich auf den Weg zur Arbeit. Irgendwie fiel mir heute alles leichter. Dann kam auch noch die Sonne raus … olé, olé, olá!

Die Muskelschmerzen blieben aus, entweder hatte ich langsam genug Magnesium gebunkert oder der Körper war fertig mit Entgiften oder eine Kombination aus beidem. Es lief richtig gut! Zwar hätte ich beim gemeinsamen Mittagessen/-trinken meiner Kollegin am liebsten die knusprige Pizzakante aus der Hand gerissen, aber es lief. Nach der Arbeit raffte ich mich auf den Rasen zu mähen, eigentlich ja nicht wirklich anstrengend. Aber das bisschen merkte ich tatsächlich, den Rasenmäher wieder in den Keller zu verfrachten war ein echter Kraftakt. Danach kam das erste Mal so ein richtiges Hungergefühl auf. Eine große Tasse Gemüsebrühe musste Abhilfe schaffen, mehr oder weniger. Aber alles in Allem war es ein guter Tag. Macht mir Hoffnung, dass ich das Wochenende auch noch „flüßig“ überstehe, auch wenn viel auf dem Plan steht.

To be continued ….

DeTox – Protokoll eines Selbstversuches (3)

Ach was ist so eine durchgeschlafene Nacht und ein entspannter Schlaf doch schön! Der Tag startete auch gewichtstechnisch positiv, das Kilo mehr von gestern war mit samt einem zweiten verschwunden. Die morgendliche Tasse Kaffee, die ich mir nach wie vor nicht verkneife, tat ihr Übriges dazu, meine Laune zu verbessern.

Was meinen Alltag nach wie vor trübte, waren die Muskelschmerzen, vor allem in den Beinen. Noch mehr Magnesium wollte ich nicht einnehmen. In Bewegung war es ok, aber sitzen machte keinen Spaß. Im Büro ist da aber nicht so viel Auswahl. Gegen Abend bin ich dann mal eine halbe Stunde strammen Fußes spazieren gegangen und habe ein bisschen Gymnastik gemacht. Danach ging es.

Sehr positiv ist mir aufgefallen, dass mein Zigarettenkonsum sich drastisch reduziert hat. Von 20-25 am Tag auf etwa 10-15. Nun muss ich dazu sagen, dass ich normalerweise beim Rauchen immer eine Tasse Kaffee trinke. Mit Gemüsebrühe oder Ingwertee schmeckt es halt nicht so gut!

Auch der Hunger ist eigentlich kein Thema. Vor dem zu Bett gehen fing es mal heftig an zu knurren, aber ich habe dem Ganzen mit einem großen Glas verdünntem Saft Einhalt geboten. Was mir aber wirklich langsam fehlt, ist etwas zum Beißen zwischen den Zähnen. Kaugummi ist für mich keine Alternative, das mag ich einfach nicht. Vielleicht probiere ich es mal mit ein paar Nüssen über den Tag verteilt. Aber bis Sonntag wollte ich „rein flüßig“ durchhalten. Außerdem vermisse ich mein morgendliches Yoghurt. Na ja, das Leben ist eben kein Wunschkonzert, gesund ist manchmal mühsam und entbehrungsreich.

Konzentration und Müdigkeit sind nach wie vor kein Thema, das ist viel wert!

To be continued ….

DeTox – Protokoll eines Selbstversuches (2)

Wider Erwarten verlief die Nacht entspannt und schlafreich. Mehr als sechs Stunden, das hatte ich seit Wochen nicht! Voll motiviert verließ ich mein Bett, kurzer Besuch im Sanitärbereich, dann der Gang auf die Waage. Schock! Mehr als ein Kilo drauf. Was soll denn der Mist! Ok, Nachdenken! Klar, der Körper hat nach dem Entzug jeglicher fester Nahrung auf Notstromaggregat umgeschaltet und bunkert erst mal alles was kommt, damit auch Flüssigkeit, also keep cool and calm down.

Da ich davon ausgegangen bin, dass die zunehmenden Kopfschmerzen am Tag vorher durch den Kaffeeentzug mit verursacht waren – von gut zwei Litern auf nahezu Null – nahm ich das mal als Ausrede, mir auch diesmal die eine Tasse nicht zu verwehren, dürfen hin oder her. Schien zu wirken, denn der ganze Tag blieb Kopfschmerz frei.

Er blieb auch Hunger frei, ja sogar frei von der Überlegung, irgendetwas zu essen. Um mich rum tat man dergleichen reichlich, aber es führte mich in keinster Weise in Versuchung. Zwar grummelte es gelegentlich in der Magengegend, das waren aber eher Trockenübungen als Warnsignale. Wobei „Trocken“ nicht ganz stimmt, schließlich befanden sich nahezu dauerhaft immense Flüßigkeitsmengen darin – Tsunamigefahr bei jeder Bewegung!

Lustlosigkeit und Konzentrationsschwächen der Tage vorher blieben aus, die Müdigkeit und damit das Dauergähnen setzten erst gegen 21:00 Uhr ein, das war ja ok, fand ich. Neu dazu kamen leichte Muskelschmerzen, also setzte ich die tägliche Dosis Magnesium etwas hoch. Mal sehen, was die nächsten Tage noch so bringen … Für den Moment war ich ganz zufrieden.

To be continued …

STÄBCHEN REIN – SPENDER SEIN

Eigentlich war es nur eine verrückte Idee. Aber sie hat sich festgesetzt und wird nun umgesetzt. Angefangen hat alles beim Heimspiel der Lilien (SV Darmstadt 98) gegen Bochum. Die Fu-Fa-Abteilung des SV 98, das Fan Projekt und der Block 1898 riefen zu einer großen Typisierungsaktion für Marion auf. Marion ist eine 61 jährige Dame, die an Leukämie erkrankt ist. Selbst Lilienfan, ist sie auch Mutter eines der Vorsänger aus dem Fanblock, dem Verein also in vieler Hinsicht verbunden.

Marion 1

Um es kurz zu fassen, etwa 600 Menschen ließen sich bei dieser Gelegenheit registrieren. Eine wahnsinnige Menge und doch kamen nicht alle dran. Spender und Sponsoren brachten die immense Summe von ca. 30.000 Euro für die DKMS auf.

Auf dem Heimweg musste ich an unsere Gesundheitsmesse in Weiterstadt denken. Wäre doch eine feine Sache, wenn wir das dort fortsetzen könnten. Denn wo gibt es mehr Menschen, die sich um solche Dinge kümmern und sich dafür interessieren als anlässlich eines solchen Invents. Da ich diese Messe pressetechnisch für den Gewerbeverein betreue, war der Dienstweg kurz und der Vorstand schnell einverstanden. Jetzt galt es Kontakte zu den Organisatoren der letzten Aktion herzustellen. Das war schnell  geschehen und wurde freudig aufgenommen. Etwas problematischere gestaltete sich die Einigung mit der DKMS. Die waren der Meinung, dass sie keine guten Erfahrungen mit solchen Aktionen auf Messen hätten, es kämen zu wenig Freiwillige. Puh … dem Abteilungsleiter der Fu-Fa und mir ging erst mal die Hutschnur hoch. Denn ist es nicht so, dass JEDER Registrierte ein potentieller Lebensretter sein kann und schließlich wir die Arbeit für sie erledigen, ehrenamtlich! Markus gelang es dann aber doch, sie zu überzeugen.

Für mich war das der Startschuss, die Werbe-und Promotiontrommel zu rühren. Sämtliche mir bekannten medialen Kontakte wurde angetiggert. Inzwischen gab es mehrere Zeitungsberichte, Radio und Fernsehen sind darauf aufmerksam geworden, heute Abend gehen wir sogar live mit dem Thema in einer Radiosendung bei Radio Darmstadt (Sendeschiene Offenes Haus, Dienstag, 17:00 – 18:00 Uhr). Da es vielen Lilienfans gab, die aufgrund der total ausgelasteten Logistik der letzten Aktion nicht mehr zur Registrierung kamen, wurde es auch mehrfach am Bölle (Merck Stadion am Böllenfalltor, Heimstadion der Lilien) angesagt.

Jetzt können wir nur warten und hoffen. Auf viele Freiwillige und auf den Zufall, dass unter ihnen jemand ist, der eventuell Marion oder einem anderen Erkrankten als Lebensretter dienen kann.

Für alle, die gerne mitmachen wollen, hier die Eckdaten:

3. Weiterstädter Gesundheitsmesse am 01.10.2017 von 10:00 – 18:00 Uhr. Typisiert wird von 13:00 bis 16:00 Uhr, alles im Weiterstädter Bürgerzentrum, Carl-Ulrich-Straße 9-13, 64331 Weiterstadt. Mehr könnt ihr hier lesen.

DeTox – Protokoll eines Selbstversuches

Magenschmerzen waren an der Tagesordnung, Kopfschmerzen verbündeten sich mit ihnen. Ständig das Gefühl, nichts geht mehr, nur noch schlapp, keine Antrieb, keine Energie. Eine Blasenentzüngung jagte die nächste Pilzinfektion. Es grummelte in einem fort im Gedärm. Standardnahrung tagsüber: Kaffee und Zigaretten. Und abends dann den Bauch voll schlagen, bis die Übelkeit Einhalt gebot und trotzdem noch irgendwie auf der Jagd nach dem nächsten Essbaren.

So ging es nicht weiter! Aber für so eine „normale“ Ernährungsweise stand der innere Schweinehund ständig sabbernd und schwanzwedelnd zwischen mir und dem gesunden Essen. Also musste die Hammermethode herhalten. In der Apotheke Glaubersalz zum Abführen besorgt, ungezählte Packungen verschiedenster Kräutertees erworben, dazu Bio-Gemüsebrühe und unterschiedliche Direktsäfte. Noch ein paar Zitronen und Ingwer. Es konnte los gehen.

Den letzten Kaffee am morgen zelebrierte ich mit Andacht und Hingabe, wohl ein Abschied für ein paar Tage. Dann den Tag irgendwie angefangen und schließlich mit dem Glaubersalz in der Hand vor dem Waschbecken gestanden. Laut Packungsbeilage 2 Teelöffel auf einen Viertelliter. Damit es nicht zu gruselig schmeckt, noch den Saft einer halben Zitrone reingequetscht. Und dann in kleinen Schlucken … Hm, hatte es schlimmer erwartet. Also noch mal so eine Portion, damit der Anfang zügig über die Bühne geht.

Die Wirkung ließ etwa eine Stunde auf sich warten und war, na ja, erfolgreich! Drei, vier Gänge in zwei Stunden sind auszuhalten, voweg ein gewaltiges Gegrummel um den Bauchnabel herum.

Merkwürdiger Weise hatte ich kein Verlangen nach fester Nahrung, obwohl diese überall um mich herum stand. Flüßigkeitsverluste wurden mit reichlich Kräutertee, stillem Mineralwasse und zwei bis drei Tassen Gemüsebrühe ausgeglichen. Es ging gut bis zum frühen Nachmittag. Dann kam das Dauergähnen und die Sucht nach einer Tasse Kaffee. Oder zwei … oder drei. Aber ich blieb standhaft. Dann kamen leider auch die Kopfschmerzen wieder. Mehr trinken … Wasser … jedes Aquarium wäre neidisch. Half nicht wirklich. Müde ohne Ende wurde selbst Treppensteigen zum Problem.

Der Nachmittag, der Abend – auch noch mit Termin – zog sich endlos. Ich habe früh die Segel gestrichen und hoffte, dass Schlaf die Kopfschmerzen vertreiben würde, falls meine dauergefüllte Blase überhaupt zulassen würde, länger als zwei Stunden am Stück die Augen auf zu machen.

Morgen geht es weiter …

KLINIKAUFNAHME: SIE HABEN IHR ZIEL ERREICHT!

Wenn mein (inneres) Navi mir vorher gesagt hätte, mit wie vielen Schlaglöchern, Einbahnstraßen, Umleitungen, Staus und Vollsperrungen der mühsame Weg zum Zielpunkt Klinik gepflastert sein würde … ich hätte es zurück zum Hersteller geschickt!

Der Montag begann mit einem Besuch beim Hausarzt, zur Wundversorgung. Außerdem wollten wir den Konsiliarbericht für den Therapeuten abholen. Meine Tochter sprach auch einen Moment alleine mit ihm. Der sonst so fröhliche Mann nahm sichtlich Anteil an ihrem Zustand, sie hat viel Vertrauen zu ihm und erzählte freimütig von Dingen, die nicht in dem ihm vorliegenden Berichten stand. Und so fand sich in dem Konsiliarbericht neben den zunehmenden depressiven Stimmungen auch die Bemerkung über wiederkehrende suizidale Gedanken. Es schwarz auf weiß zu lesen war ganz schön beängstigend, obwohl sie mit mir auch schon darüber gesprochen hatte. Ich sah es als Chance, uns die Kliniktüren zu öffnen. Ich telefonierte mit dem Therapeuten und wir verblieben so, dass wir auf jeden Fall den Termin am Abend wahrnehmen wollten. Irgendwie überbrückten wir den Tag, zum Glück verlief er ereignislos.

Gegen Ende der abendlichen Sitzung setzten wir uns kurz zu dritt zusammen. Der Therapeut war – so unsinnig das jetzt auch klingen mag – sehr zufrieden mit meiner Tochter. Sie würde sehr offen mit ihm reden, was absolut notwendig sei, um eine erfolgreiche Therapie zu starten. Er war davon überzeugt, dass sich ihr Zustand auch bessern würde, wenn man zwei Therapiestunden pro Woche ansetzen würde. Sah aber auch, dass der Wunsch meiner Tochter nach der Sicherheit der Klinik im Moment im Vordergrund stand. Eine überschaubare Zeit in der Klinik würde ihr die nötige Sicherheit und Stärke bringen, um dann erfolgreich die Therapie zu starten. Er wollte sich noch am Abend mit der Klinik in Verbindung setzen und um unverzügliche Aufnahme bitten.

Relativ beruhigt fuhren wir nach Hause. Am Dienstag Morgen begann ich mit telefonieren. Besetzt … besetzt … besetzt … Zwischenzeitlich kontaktierte ich den Therapeuten. Er hatte abends zwar jemanden ans Telefon bekommen, aber wohl nur den Pförtner, der alles ausrichten wollte, einen Rückruf gab es bis dato noch nicht. Um zwölf hatte ich dann Erfolg, endlich die Sekretärin von der Ambulanz. Sie versprach, sich sofort um einen Rückruf zu kümmern, Notfallsprechstunde hätte die Psychiaterin, die mein Kind medikamentös betreute. Eine Stunde später erhielt ich tatsächlich einen Rückruf, allerdings von einer mir fremden Dame. Wie sich herausstellte, war es die Nachfolgerin von der Psychologin, die bis dato für das Kind zuständig war. Ihre Frage, was sie für mich tun könne, konnte ich ja noch irgendwie verstehen. Doch als ich dann tatsächlich von ganz vorne anfangen musste zu erzählen, obwohl wir zwischenzeitlich schon so oft dort waren, machte mich stutzig. Irgendwann erlaubte ich mir die Frage, ob wir überhaupt von der gleichen Patientin redeten. Sie gab dann zu, dass sie sich noch nicht einmal die Akte vom PC gezogen hatte. Mir ging schon das erste Mal die Hutschnur hoch. Dann wollte sie uns – nachdem ich praktisch alles dreimal erzählt hatte –  auf den bereits vor sechs Monaten ausgemachten vierteljährlichen Kontrolltermin in der nächsten Woche vertrösten. Ich wurde etwas lauter und wiederholte den Befund vom Hausarzt, die Empfehlung vom Therapeuten und die Not, in der sich meine Tochter befand, um sich derart selbst zu verletzen und auch die Tatsache, dass ich nicht 24 Stunden am Tag für ihre Sicherheit zu Hause garantieren könne. Sie wollte mir etwas vom Klinikalltag erzählen und dass der ja schon Veränderungen bringen würde. Noch ungehaltener unterbrach ich sie, um sie erneut darauf hinzuweisen, dass uns das alles bekannt ist. Schließlich bequemte sie sich, uns einen Termin für 14:00 anzubieten. Ich sagte zu.

In einem erneuten Telefonat mit dem Therapeuten, der auch fassungslos über das Verhalten seiner Kollegin war, stellten wir einen Schlachtplan auf. Während der Fahrt zur Klinik besprach ich mit meiner Tochter, wie wir bei dem bevorstehenden Gespräch vorgehen wollten, um die Dame von der Notwendigkeit einer stationären Aufnahme zu überzeugen. Die Ambulanztherapeutin sprach zuerst alleine mit dem Kind. Als sie rauskam, konnte ich an ihrem Gesicht sehen, dass es nicht gut gelaufen war. Ich kam in den Raum und das erste, was ich sah, war der schon bekannte Zettel, auf dem meine Tochter mit ihrer Unterschrift bestätigen sollte, dass sie sich die nächsten vierzehn Tage nichts antun würde. Am liebsten hätte ich laut gelacht, wäre die Situation nicht so dramatisch. Ich machte der Dame klar, dass dieser Zettel schon mehrfach unterschrieben wurde, die Ergebnisse könne sie an Armen und Beinen meiner Tochter gerne nachzählen. Ich wiederholte erneut, dass ich nicht für die Sicherheit meines Kindes zu Hause garantieren könne, denn schließlich müsse ich arbeiten gehen und selbst wenn ich da wäre, könnte ich nicht 24 Stunden am Tag neben ihr sitzen, um sie vom Ritzen oder Schlimmeren abhalten, wie der Samstag ja gezeigt hätte. Sie fragte das Kind dann doch tatsächlich, ob sie schon einmal konkrete Pläne für einen Suizid gefasst hätte und wenn ja wie. Meine Tochter beantwortete auch diese Frage wahrheitsgemäß mit einem Ja und fügte an, dass nur die Gegenwart ihrer jüngeren Schwester sie damals davon abgehalten hätte. Als dann als Gegenargument von der Dame am anderen Ende des Tisches kam, dass sie sich ja immer „nur“ quer ritzen würde und nicht längst und somit kaum eine Gefahr bestehen würde, dass sie verblutete, war es einfach genug! Ich sagte ihr, dass ich mich leider gezwungen sähe, die Polizei zu rufen, da mein Kind Suizidgedanken geäußert hätte und uns hier in der Klinik die notwendige Hilfe verweigert würde. Das zog. Nach einem kurzen Gespräch mit ihrem Vorgesetzten bekamen wir für Mittwoch Mittag einen Termin für die stationäre Aufnahme.

Ich glaube, in dieser Nacht schliefen wir beide kaum und das nicht, weil Vollmond war. Mit sehr gemischten Gefühlen fuhren wir mittags wieder in die Klinik. Doch zum Glück waren sowohl die Oberärztin als auch der verantwortliche Psychotherapeut der aufnehmenden Station um vieles kompetenter als die Kollegin in der Ambulanz und so ließ ich mein Kind halbwegs beruhigt dort.

Der Heimweg alleine war nicht schön. Aber ich bin überzeugt, dass wir das Richtige getan haben und meinem Kind jetzt die Hilfe zuteil wird, die es braucht, um in Zukunft mit neuer Kraft ihr Leben zu meistern.

VEGAN – SPALTET DIE NATION

Ganz schön provokant der Sticker, oder? Vor allem wenn man bedenkt, dass er an einem Rucksack pinnte, den ein junger Mann trug, während er für mehr Rechte für Minderheiten demonstrierte. Aber daran kann man gut erkennen, wie die vegane Ernährung die Nation spaltet und polarisiert.

Im Prinzip sollte sich ein Jeder so ernähren, wie er es für sich angebracht hält. Wäre da nicht gerade bei den Veganern dieser aggressive Hang zur Missionierung übermächtig. Es gibt bestimmt auch solche, die es aus purer Überzeugung tun und die bewundere ich ganz ehrlich, denn sie nehmen nicht unerhebliche Einschränkungen und Mehrausgaben in Kauf, um ihre Überzeugung leben zu können. Aber Diejenigen, die alle anderen – die Nichtveganer also – für schlechtere Menschen halten und sich und ihren Lebensstil glorifizieren und in den Vordergrund stellen, die halte ich schlichterdings für hochgradig egoistisch, selbstverliebt und fernab der Realität.

Warum? Ganz einfach: Zuerst einmal ist nachweislich durch die Evolutionsgeschichte und Kulturhistorie belegt, dass die Entwicklung der Menschheit einen enormen Sprung gemacht hat, als unsere Vorfahren in der Lage waren, von der rein makrobiologischen, pflanzlichen Ernährungsweise umzusteigen auf eine Mischernährung. Tiere auf dem Speiseplan und tierische Produkte im Alltag sicherten die Weiterentwicklung und das Überleben. Ja natürlich, damals gab es noch keine Massentierhaltung, keine quälenden Transporte und auch keine Belastung des Nahrungsmittels Fleisch durch Medikamentenrückstände oder Pestizidansammlung.

Ich bin komplett bei allen Umwelt-, Natur- und Tierschützern, wenn es darum geht, dass im heutigen Zeitalter die Nutztiere in vielen Fällen unsäglichen Qualen ausgesetzt sind. Aber solange ein Pfund ökologisch einwandfrei erzeugtes Vollkornbrot – und hier meine ich nicht das dunkel gefärbte aus dem Supermarkt – teurer ist als ein Kilo Fleisch, solange wird sich an der Situation nichts ändern. Wir haben unzählige Gesetze, die den Umgang mit Nutztieren und die Produktion von tierischen Produkten als auch die Agrarwirtschaft im allgemeinen regeln. Doch scheint es mir gerade in letzter Zeit besonders auffällig, dass diese Gesetze lediglich dazu da sind, gebrochen zu werden. Wo es Vorschriften gibt, muss auch kontrolliert werden. Aufgedeckte Fehltritte müssen publik, transparent gemacht werden. Und nach festgestellten Beanstandungen müssen Köpfe rollen. Keine hohen Politikerköpfe, die mal schnell als Sündenbock herhalten, sondern solche, die die Kontrollen nicht ordnungsgemäß durchgeführt haben oder aber entsprechende Strafen gegen diejenigen, die gegen die Vorschriften verstoßen haben. Ich als Verbraucher gehe davon aus, dass ich Bioeier kaufe, kann jedoch nicht wissen, dass die Hühner zwar einen tollen Auslauf vorm Hühnerhaus haben, den aber nicht benutzen können, weil ein Elektrodraht vorm Ausgang gespannt ist. Kein Gesetz verbietet das.

Der zweite Punkt, der mich bei vielen Veganern stutzen lässt, ist die nach außen getragene „oh schaut mal alle um wie viel gesünder ich lebe“ Mentaltität … um dann zu jeder Mahlzeit eine Handvoll Nahrungsergänzungsmittel einwerfen, weil die hochindustriell aufgearbeiteten veganen (Soja-)Produkte lang nicht das an Nährstoffen hergeben, was der menschliche Körper so braucht und in einer ausgewogenen Ernährung zu finden wäre. Ja, es gibt auch (Leistungs)Sportler, die vegan leben und trotzdem gute Ergebnisse erzielen, aber die stehen auch zu ihren Pillen! Und die legen sich auch nicht im Café mit der Bedienung an, wenn es keinen Latte Macchiato mit Mandelmilch gibt. Die Erste-Klasse-Veganer, die ihren Lebensstil jedem auf die Nase binden, ob der das hören will oder nicht, die gehen munter in den Supermarkt und kaufen veganes Deo …. hüstel …

dav

Da wird kein Gedanke daran verschwendet, wievel Chemikalien im Spiel sind, bis aus der Sojabohne der vegane Burger geworden ist, oder auch nur der Tofu. Wie viel Kohlendioxid produziert wurde, bis die Bohne aus dem Anbauland, über die einzelnen Verarbeitungsschritte hinweg, schließlich im eigenen Kühlschrank gelandet ist. Von Studien die belegen, dass Soja  Mangelernährung, Verdauungsstörungen, dem Zusammenbruch des Immunsystems, Schilddrüsenfehlfunktionen, kognitivem Abbau, Fortpflanzungsstörungen (hier stehen die Männer im Vordergrund), Unfruchtbarkeit bis hin zu Krebs und Herzerkrankungen verursachen kann, wollen wir jetzt gar nicht reden. Oder der Tatsache, dass ein Großteil der Sojabohnen aus den USA importiert werden und gentechnisch verändert sind. Die geben es wenigstens zu. Da wird munter Mandel- und Hafermilch gekauft, ohne darüber nachzudenken, dass zumindest Erstere problemlos und nahezu verpackungsfrei selbst gemacht werden kann.

Aber die Wirtschaft springt auf den Vegan-Hype an, bewirbt ihn aggressiv und der positive Gedanke dahinter geht völlig verloren. Und darunter leiden dann auch solche Veganer, die es tatsächlich aus Überzeugung tun und sich aktiv für den Tierschutz einsetzen. Veganes Mineralwasser

Gedanken einer Ü40 – Jährigen