REISEJOURNAL ILLMITZ – 1. Tag Anfahrt

Nachts, 1:30 Uhr in Deutschland ….

Wer um Himmels willen redet um diese unchristliche Uhrzeit da auf mich ein? Ach ja, der Radiowecker! Es wird Zeit, in den Sommerurlaub aufzubrechen. Ziel: Illmitz am Neusiedler See im Burgenland, Österreich.

Kreislauf, Verstand und Bewegungsabläufe sind noch im Standbymodus, erst mal die Senseo anwerfen und Koffein zuführen. Irgendwie nehme ich aus dem Bad wahr, dass die Geräusche der Kaffeemaschine nicht dem Standard entsprechen, doch erst auf dem Weg zum Balkon registriere ich, dass sich in meiner Tasse nur heißes Wasser befindet anstatt schwarzem, wohl duftenden, die Geister weckenden Kaffees. Ok. return to start, sprich Küche, neuer Versuch, diesmal mit KAFFEEPAD!!! Nach den ersten Schlucken lichtet sich der Müdigkeitsschleier. Ich wecke den Rest der Sippe, beginne die letzten Dinge ins gut gefüllte Auto zu packen. Abfahrt! Ach ja, die Kinder vom Sofa pflücken und einpacken wäre nicht uncharmant. Ausnahmsweise regnet es mal nicht und wir starten die gut 850 km lange Reise. Schnell sind meine drei Mitfahrer wieder im Reich der Träume und ich bleibe alleine, mit dem Autoradio und jeder Menge Vorfreude auf meine zweite Heimat. So fressen wir Kilometer um Kilometer, eher genüsslich, denn 75 PS belastet mit vier Personen, samt Gepäck und Rädern fordern ihren Tribut. Ein dem Preis nach (fast 50 Euro) fürstliches Frühstück stärkt uns gegen 9:00 Uhr für den Rest der Fahrt. Als wir uns Wien, der Österreichischen Bundeshauptstadt, nähern, scheint man dort von unserem Kommen nicht sehr begeistert. Schwarze Unwetterwolken, Blitze aus allen Himmelsrichtungen, sintflutartige Regenfälle, Aquaplaning … Scheibenwischer in Hochform. Egal, die letzten 50 km gehen auch vorbei. Wir erwarten alle sehnsüchtig die erste Erwähnung des Sees auf einem der Schilder. Endlich! Weltmeistergleicher Jubel bricht im Auto aus. Inzwischen gibt es eine durchgängige Autobahnverbindung, früher war die Strecke mehrfach von Landstraßenpassagen unterbrochen. Die letzte begann in Bruck an der Leitha. Hier wollten die Burgernländer einst ein Schild aufstellen mit der Aufschrift: Für Wiener gesperrt. Die manchmal sehr arroganten Hauptstädter mit dem berühmten Wiener Schmäh waren und sind im Rest der Republik nicht immer beliebt. Heute geht die Autobahn durch, wir nehmen die Abfahrt Weiden/Gols. Durch das aufgekurbelte Fenster dringt der typische Seegeruch zu uns, leicht modrig, etwas schwefelig. Unruhe macht sich breit, erneuter Jubel als wir aus der Ferne den See kurz am Horizont aufblitzen sehen. Gegen 14:00 Uhr verstummt der Motor für diesen Tag, es ist vollbracht. Erst kommt die Pflicht, Anmelden, Auspacken, Wegräumen, dann die Kür, Balkon bevölkern, Blick schweifen und Seele baumeln lassen, Runterfahren … URLAUB STARTEN!!!!

Am späten Nachmittag meldet sich ein vierstimmiger Grummelchor aus Richtung unserer Mägen. Das motiviert, sich noch einmal in Bewegung zu setzen, gen Lieblingslokal, dem Gasthaus Zentral, mit dem angeschlossenen Arkadenhof, im Herzen von Illmitz.

http://www.arkadenhof-illmitz.bnet.at/

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Schon seit Wochen überlegen wir, welches Gericht wir am ersten Abend wählen werden. Die Speisekarte macht die Auswahl schwer, panonische Küche, Spezialitäten aus der Region, gute Weine … Der Gastgarten lädt zum Verweilen ein, wetterunabhängig, denn Weinranken schützen vor Sonne oder Regen.

Jpeg Jpeg

Nach Himbeerkracherl, Almdudler, Traubensaftschorle, Kinderwienerschnitzel, Pusztasaftbraten, Salat, Hausbecher und doppeltem Mokka sind wir gerne bereit, uns von den Gelsen (Stechmücken) noch eine halbe Stunde auf dem Balkon pieksen zu lassen, um dann den versäumten Schlaf der letzten Nacht nachzuholen.

Himbeerkracherl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

HAUSFRAU – EMANZE – FEMINISTIN

Vor ein paar Tagen fragte mich eine befreundete Mutter: Sag mal, du wirkst so emanzipiert … bist du eine Feministin? Ich glaube, mein Blick war ziemlich verdutzt, denn SO bin ich mir nie vorgekommen. Meiner Bitte, mir doch einmal diese Begriffe zu erklären, so wie sie sie mit Sinn füllen würde, kam sie nur zögerlich nach. Zusammengefasst klang es in etwa so: Du machst ja alles selber, hast so viel Power, bist überall präsent, wirkst gar nicht wie eine Hausfrau. Darüber erschrak ich noch mehr, als über die Frage an sich. Nur weil mich ein Hausfrauendasein vielleicht nicht komplett ausfüllt, bin ich doch nicht gleich eine Schwert schwingende Emanze oder Männer mordende Feministin … denn genau mit diesem Unterton wurden diese Worte von ihr förmlich ausgespuckt. Ist es denn schlimm, wenn ich nach Öl, Wasser und Luftdruck beim Auto schauen kann. Oder es Klasse finde, wenn meine Tochter sich beim Girlsday tatsächlich in einem fast ausschließlich Männer besetzten Berufsfeld umschaut? Ich bin ein absoluter Gegner der Quotenfrau, soll doch der die Position bekommen, der es am besten kann. Das Müttern dafür durch erweiterte Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden, erscheint mir als Notwendigkeit und längst im Zuge unserer gesellschaftlichen Entwicklung überfällig. Ein anonymes Bewerbungsverfahren, wie anderlands schon Gang und Gebe, würde die Sache sicherlich vereinfachen.  Für gleichwertige Bezahlung ein und desselben Jobs, Wahlrecht für Frauen, Gleichstellung der Frau in jeder Gesellschaftsform, ging ich auch auf die Straße. Wenn das emanzipiert, feministisch ist, ok, dann bin ich es auch. Aber genau so genieße ich es, wenn ein Mann mich á la old school behandelt. Soll heißen, mir die Tür aufhält, mir in die Jacke hilft oder die schweren Getränkekisten aus dem Auto ins Haus trägt. Außerdem bin ich bis heute ein absoluter Gegner dieses IN-Endungswahns. Als ich es Ende der 80er Jahre das erste mal auf meinem Studentenausweis sah, habe ich es gleich mit Edding durchgestrichen. Bin ich deshalb ein biederes Hausmütterchen? Wenn ja, auch gut.

Fazit müsste dann wohl lauten, Kathrin ist eine emanzipierte Hausfrauenfeministin.

Gedanken einer Ü40 – Jährigen