REISEJOURNAL ILLMITZ – 2. Tag Vom See und seinen Lacken

Redet da schon wieder Jemand auf mich ein? Viel zu früh am Morgen? Nein, es ist keine Stimme. Das gleichmäßige Trommeln der Regentropfen auf die Balkonüberdachung reißt mich aus den Träumen. Hm, so habe ich mir meinen SOMMERurlaub eigentlich nicht vorgestellt. Wo sind die 40 Grad vom letzten Jahr!? Na gut, dann wird der Plan, jeden Tag vor dem Frühstück einmal zum See und zurück zu radeln eben erst mal auf morgen verschoben. Unausgeschlafen, aber zu wach zum Liegenbleiben, schwinge ich mich aus dem Bett und es gelingt mir, die Kaffeemaschine diesmal fehlerfrei zu bedienen. Bewaffnet mit einem starken Koffeinspender, Tabak und dem festen Willen, sich von nichts entmutigen zu lassen, nehme ich auf dem Balkon platz und genieße erst mal die Aussicht … nichts als Weite, ähnlich der amerikanischen Prärie, jedoch viel grüner, liegt vor mir. Der am gegenüberliegenden Ufer befindliche Höhenzug des Leithagebirges beginnt allmählich, sich gegen die aufziehende Dämmerung abzuzeichnen. Die Geräuschkulisse verändert sich, das Regengetrommel hört auf, dafür beginnen Unmengen von Staren mit ihrer morgendlichen Unterhaltung. Die Natur erwacht, Familie Hase legt einen kurzen Sprint um ihr Heimatgebüsch ein und zwei Rehe treten unter den Bäumen hervor und beginnen zu äsen. Die Idylle tut gut, Körper und Seele beginnen zu entspannen. Beim Frühstück beratschlagen wir, was heute gemacht werden könnte. Kinder und Mann sollen sich auf den Weg machen, einen Kutschfahrt für Donnerstag zu organisieren, Mama füllt den Kühlschrank im nahe gelegenen Zielpunkt (Plusmarkt). Wieder vereint, beschließen wir, trotz starker Bewölkung zum See zu radeln. Ein Blick muss sein, vielleicht reicht es ja zum Baden, denn kalt ist es nicht. Der See und das Strandbad liegen fast völlig verwaist da. IMGP8541Als die blauen Löcher im Himmel größer werden, wagen sich einige Touristen an den Strand, vereinzelt ins Wasser. Angeblich hat es 24 Grad, doch nach der Probe mit dem dicken Zeh bezweifel ich, dass der See das auch weiß. Dennoch wagen sich meine Tochter Sarah und mein Mann in die grauen Fluten.

Der Neusiedler See ist ein Steppensee, das heißt, er ist flach, an der tiefsten Stelle nur 1,80 m tief. Er erstreckt sich sowohl auf österreichischem Staatsgebiet (etwa 4/5) als auch auf ungarischem (1/5). Ein Schilfgürtel umgibt den See, in Ungarn nimmt er beinahe die komplette Wasseroberfläche ein. Hervorgerufen durch den fast ständig vorhanden Wind, ist der Schilfgürtel am Ostufer deutlich schmaler, in Podersdorf sogar überhaupt nicht vorhanden. Die einzigartige Fauna und Flora, die nicht zuletzt durch den Schilfgürtel bedingt ist, hat dazu geführt, dass in beiden Ländern Nationalparks eingerichtet wurden und das Gebiet zum UNESCO-Welterbe ernannt wurde.

Nachdem wir uns überzeugt haben, dass der See noch da ist, wo er hingehört, machen wir uns auf den Rückweg. Ein kleiner Umweg über die Zicklacke wird eingebaut. Lacken gibt es rund um den See. Sie variieren in ihrer Größe erheblich, sind sehr flach und ihr Wasser ist wesentlich salzhaltiger als das des Sees. In heißen Jahren trocknen manche komplett aus. Für Zugvögel stellen sie einen bedeutenden Brut-und Rastplatz dar.

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Wir beschließen, dass es genug der Aktivitäten für den ersten Tag sind, machen Pläne für morgen …. Steppentierpark in Pamhagen … lassen uns ein leckeres Essen schmecken und völlig entspannt klingt der Tag auf dem Balkon aus. Mit der aufziehenden Dämmerung kommen die Möwen vom See her eingeflogen, lassen sich am nahe gelegenen Kirchsee (eigentlich auch eine Lacke) nieder und schreien sich für eine Weile die Seele aus dem Schnabel, bevor es weiter geht. Jetzt, wo es  richtig dunkel ist, sind nur noch die Abertausende von Grillen zu hören … und das Summen der Mücken in Ohrnähe … und das Gluckern, wenn ich den Rotwein aus der Flasche in mein Glas fülle …

http://www.neusiedlersee.com/de/

 

REISEJOURNAL ILLMITZ – 1. Tag Anfahrt

Nachts, 1:30 Uhr in Deutschland ….

Wer um Himmels willen redet um diese unchristliche Uhrzeit da auf mich ein? Ach ja, der Radiowecker! Es wird Zeit, in den Sommerurlaub aufzubrechen. Ziel: Illmitz am Neusiedler See im Burgenland, Österreich.

Kreislauf, Verstand und Bewegungsabläufe sind noch im Standbymodus, erst mal die Senseo anwerfen und Koffein zuführen. Irgendwie nehme ich aus dem Bad wahr, dass die Geräusche der Kaffeemaschine nicht dem Standard entsprechen, doch erst auf dem Weg zum Balkon registriere ich, dass sich in meiner Tasse nur heißes Wasser befindet anstatt schwarzem, wohl duftenden, die Geister weckenden Kaffees. Ok. return to start, sprich Küche, neuer Versuch, diesmal mit KAFFEEPAD!!! Nach den ersten Schlucken lichtet sich der Müdigkeitsschleier. Ich wecke den Rest der Sippe, beginne die letzten Dinge ins gut gefüllte Auto zu packen. Abfahrt! Ach ja, die Kinder vom Sofa pflücken und einpacken wäre nicht uncharmant. Ausnahmsweise regnet es mal nicht und wir starten die gut 850 km lange Reise. Schnell sind meine drei Mitfahrer wieder im Reich der Träume und ich bleibe alleine, mit dem Autoradio und jeder Menge Vorfreude auf meine zweite Heimat. So fressen wir Kilometer um Kilometer, eher genüsslich, denn 75 PS belastet mit vier Personen, samt Gepäck und Rädern fordern ihren Tribut. Ein dem Preis nach (fast 50 Euro) fürstliches Frühstück stärkt uns gegen 9:00 Uhr für den Rest der Fahrt. Als wir uns Wien, der Österreichischen Bundeshauptstadt, nähern, scheint man dort von unserem Kommen nicht sehr begeistert. Schwarze Unwetterwolken, Blitze aus allen Himmelsrichtungen, sintflutartige Regenfälle, Aquaplaning … Scheibenwischer in Hochform. Egal, die letzten 50 km gehen auch vorbei. Wir erwarten alle sehnsüchtig die erste Erwähnung des Sees auf einem der Schilder. Endlich! Weltmeistergleicher Jubel bricht im Auto aus. Inzwischen gibt es eine durchgängige Autobahnverbindung, früher war die Strecke mehrfach von Landstraßenpassagen unterbrochen. Die letzte begann in Bruck an der Leitha. Hier wollten die Burgernländer einst ein Schild aufstellen mit der Aufschrift: Für Wiener gesperrt. Die manchmal sehr arroganten Hauptstädter mit dem berühmten Wiener Schmäh waren und sind im Rest der Republik nicht immer beliebt. Heute geht die Autobahn durch, wir nehmen die Abfahrt Weiden/Gols. Durch das aufgekurbelte Fenster dringt der typische Seegeruch zu uns, leicht modrig, etwas schwefelig. Unruhe macht sich breit, erneuter Jubel als wir aus der Ferne den See kurz am Horizont aufblitzen sehen. Gegen 14:00 Uhr verstummt der Motor für diesen Tag, es ist vollbracht. Erst kommt die Pflicht, Anmelden, Auspacken, Wegräumen, dann die Kür, Balkon bevölkern, Blick schweifen und Seele baumeln lassen, Runterfahren … URLAUB STARTEN!!!!

Am späten Nachmittag meldet sich ein vierstimmiger Grummelchor aus Richtung unserer Mägen. Das motiviert, sich noch einmal in Bewegung zu setzen, gen Lieblingslokal, dem Gasthaus Zentral, mit dem angeschlossenen Arkadenhof, im Herzen von Illmitz.

http://www.arkadenhof-illmitz.bnet.at/

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Schon seit Wochen überlegen wir, welches Gericht wir am ersten Abend wählen werden. Die Speisekarte macht die Auswahl schwer, panonische Küche, Spezialitäten aus der Region, gute Weine … Der Gastgarten lädt zum Verweilen ein, wetterunabhängig, denn Weinranken schützen vor Sonne oder Regen.

Jpeg Jpeg

Nach Himbeerkracherl, Almdudler, Traubensaftschorle, Kinderwienerschnitzel, Pusztasaftbraten, Salat, Hausbecher und doppeltem Mokka sind wir gerne bereit, uns von den Gelsen (Stechmücken) noch eine halbe Stunde auf dem Balkon pieksen zu lassen, um dann den versäumten Schlaf der letzten Nacht nachzuholen.

Himbeerkracherl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

HAUSFRAU – EMANZE – FEMINISTIN

Vor ein paar Tagen fragte mich eine befreundete Mutter: Sag mal, du wirkst so emanzipiert … bist du eine Feministin? Ich glaube, mein Blick war ziemlich verdutzt, denn SO bin ich mir nie vorgekommen. Meiner Bitte, mir doch einmal diese Begriffe zu erklären, so wie sie sie mit Sinn füllen würde, kam sie nur zögerlich nach. Zusammengefasst klang es in etwa so: Du machst ja alles selber, hast so viel Power, bist überall präsent, wirkst gar nicht wie eine Hausfrau. Darüber erschrak ich noch mehr, als über die Frage an sich. Nur weil mich ein Hausfrauendasein vielleicht nicht komplett ausfüllt, bin ich doch nicht gleich eine Schwert schwingende Emanze oder Männer mordende Feministin … denn genau mit diesem Unterton wurden diese Worte von ihr förmlich ausgespuckt. Ist es denn schlimm, wenn ich nach Öl, Wasser und Luftdruck beim Auto schauen kann. Oder es Klasse finde, wenn meine Tochter sich beim Girlsday tatsächlich in einem fast ausschließlich Männer besetzten Berufsfeld umschaut? Ich bin ein absoluter Gegner der Quotenfrau, soll doch der die Position bekommen, der es am besten kann. Das Müttern dafür durch erweiterte Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden, erscheint mir als Notwendigkeit und längst im Zuge unserer gesellschaftlichen Entwicklung überfällig. Ein anonymes Bewerbungsverfahren, wie anderlands schon Gang und Gebe, würde die Sache sicherlich vereinfachen.  Für gleichwertige Bezahlung ein und desselben Jobs, Wahlrecht für Frauen, Gleichstellung der Frau in jeder Gesellschaftsform, ging ich auch auf die Straße. Wenn das emanzipiert, feministisch ist, ok, dann bin ich es auch. Aber genau so genieße ich es, wenn ein Mann mich á la old school behandelt. Soll heißen, mir die Tür aufhält, mir in die Jacke hilft oder die schweren Getränkekisten aus dem Auto ins Haus trägt. Außerdem bin ich bis heute ein absoluter Gegner dieses IN-Endungswahns. Als ich es Ende der 80er Jahre das erste mal auf meinem Studentenausweis sah, habe ich es gleich mit Edding durchgestrichen. Bin ich deshalb ein biederes Hausmütterchen? Wenn ja, auch gut.

Fazit müsste dann wohl lauten, Kathrin ist eine emanzipierte Hausfrauenfeministin.

Gedanken einer Ü40 – Jährigen