REISEJOURNAL ILLMITZ – 7. Tag Halbzeit … Pause!

Irgendjemand hat mir mal gesagt, dass die Muskelregeneration 24 bis 48 Stunden dauert. Ok, 24 Stunden gönne ich ihnen, deshalb lege ich heute mal eine kleine Pause ein. Nur ein bisschen Radeln vor dem Frühstück, damit die Muskeln weich bleiben und kein Muskelkater kommt. Diesmal nicht zum See, irgendwie bin ich noch Gegenwind geprägt, heute geht es einmal rund um die Zicklacke. Zu der frühen Stunde ist sie noch gut besucht, genau wie die Wiesen entlang des Weges …

Nach dem Frühstück ist nur noch faulenzen angesagt. Sonnenbaden, im See baden, den lieben Gott einen netten Mann sein lassen, in Erinnerungen schwelgen, träumen, Seele baumeln lassen …

Heute ist der Urlaub halb um, die zweite Woche vergeht meist irgendwie viel schneller als die erste. Nun ja, wir werden sehen. Morgen geht es weiter, seit gespannt!

REISEJOURNAL ILLMITZ – 6. Tag Seeumrundung Österreich

Nein, heute kein vorfrühstücklicher Ausflug mit dem Rad zum See, denn ich habe mir vorgenommen, den österreichischen Teil des Sees mit dem Rad zu umrunden. Das sind gut 80 Kilometer, das sollte reichen. Schon auf dem Weg zur Radfähre, die am Strandbad von Illmitz ablegt, merke ich, dass ich mir nicht den besten Tag für dieses Unterfangen angesucht habe. Der Wind bläst stramm, definitiv aus der falschen Richtung. Das bedeutet etwa 60 Kilometer bei Gegenwind. Nun ja, nur die Harten kommen in den Garten, oder wie war das!? Ich nehme die Fähre um 9:30 Uhr, sie braucht gut 20 Minuten bis nach Mörbisch. Als ich den Radweg Richtung Ort einschlage, es ist übrigens der B10, der rund um den Neusiedler See geht, passiere ich als Nummer 17 den Zähler auf dem Radweg. Bekannt ist Mörbisch wohl vor allem aufgrund seiner einzigartigen Open-Air-Bühne, die sich auf dem See befindet und auf der alljährlich im Sommer Operetten aufgeführt werden, aber auch andere Konzerte. Ich fahre nicht bis rein in die Weinbaugemeinde, der Radweg  Richtung Rust biegt vorher ab. Fährt man jedoch nach links, gelangt man nach Ungarn. Dort allerdings, wo früher noch der Grenzbaum Ungarn abgeriegelt hat, ist jetzt ein Übergang für Fußgänger und Radfahrer eingerichtet, nicht für den Autoverkehr. Bereits auf dem Weg nach Rust meldet sich mein innerer Schweinehund. Komm, spricht er, in Rust nimmst du die Fähre nach Podersdorf, spar dir den Rest. Mit 1,2,3 Leckerchen auf einer Bank kann ich ihn aber überzeugen, fortan die Klappe … äh das Maul zu halten. Rust ist auf jeden Fall einen Ausflug wert. Hier in der Freistadt Rust trifft historische Baukunst auf ländliches Leben. Der gepflasterte, leicht am Hang liegende Marktplatz ist umrahmt von Bürgerhäusern mit Barock-und Renaissancefassaden aus dem 16. – 18.Jahrhundert. Am oberen Ende liegt die Fischerkirche, die älteste Kirche des Burgenlandes, aus dem Mittelalter. Außerdem ist Rust die Stadt der Störche, kaum ein Gebäude ist ohne bewohnten Horst, das Geklapper begleitet den Besucher auf Schritt und Tritt.  Von hier führt mich der Weg weiter nach Oggau, das als älteste Rotweingemeinde Österreichs gilt. Als Wahrzeichen des Ortes gilt der sogenannte Hötzelstein, ein 60 Meter langes Kalksandsteinriff. Der Ort hat keinen direkten Zugang zum See, hier ist der Schilfgürtel zu breit. Das gleiche gilt für die nächste Gemeinde:  Donnerskirchen. Um dorthin zu gelangen, steigt der Radweg leicht an, man muss die sanften Ausläufer des Leithagebirges erklimmen. Sehenswert sind auf jeden Fall die alte Wehrkirche mit Seeblick, der Dorfpranger und einige Keltengräber. Knapp 10 Kilometer weiter und ich gelange nach Purbach. Touristisches Wahrzeichen ist der Türke, der von den kriegerischen Attacken der Osmanen zeugt und bei der Erstürmung der Stadt im Schornstein stecken geblieben sein soll. Also Kopf in den Nacken schmeißen, wenn man durchradelt! Auch die drei Türkentore erinnern an längst vergangene Zeiten. Purbach wiederum ist durch einem langen künstlichen Kanal mit dem See verbunden. Breitenbrunn streift man nur am Rande, der Türkenturm zeugt von den historischen Einschnitten und im Wehrturm befindet sich die älteste Turmuhr Österreichs. Das nördliche Ende des Sees wird von Winden, Jois, Neusiedl und Weiden eingerahmt. Winden ist ein sogenanntes Schmalangerdorf, die ersten Funde stammen aus der Jungstein-und Bronzezeit. Besonders erwähnenswert ist das Gotische Lichthäuschen und die zahlreichen Erdkeller in den Kellergassen, die zum Lagern des Weines genutzt werden. Jois wiederum ist vielen Seglern durch seinen großen Yachthafen bekannt. Auch hier gibt es alte Hügelgräber, aus der Hallstattzeit. Die barocke Georgskirche ist Mittelpunkt des blumengeschmückten Straßendorfes. Neusiedl ist für mich ein Spezialfall. Das erste Mal war ich Anfang der 70er Jahre dort. Ein kleines Dorf, dessen Hauptstraße noch nicht geteert war, mit einem putzigen Strandbad und wenig Tourismus. 20 Jahre lang boomte es, Hotelriesen wurden errichtet, ein Wellenbad gebaut, die Gemeinde wuchs und wuchs. Die Ruine Tabor schien das ganze aus luftiger Höhe zu bewachen. Ab Mitte der 90er Jahre verfiel die Stadt meines Erachtens zunehmend. Die Hauptstraße präsentierte sich dreckig, die Häuser verkamen, immer mehr neue Großmärkte am Rande der Stadt eröffneten. Inzwischen ist es absolut kein Ort mehr, der mich als Tourist verleiten würde, dort entspannten Urlaub zu genießen. Durch die Ausdehnung Neusiedls praktisch direkt angrenzend führt mich mein Weg nach Weiden. Einem langgezogenen Straßendorf, das geprägt wird durch Verkaufsstände vor den Hoftoren, in denen der Durchreisende vom Gemüse über Souvenirs gefertigt aus Stroh oder Schilf bis hin zum Selbstgebrannten alles bekommen kann, um die daheim Gebliebenen glücklich zu machen. Erwähnenswert sind die Zitzmannsdorfer Wiesen, eine Bewahrungszone des Nationalsparks mit Feuchtgebieten und Sandsteinhöhlen, die unter anderem als Nistplatz für den Bienenfresser dienen. Ab Weiden hörte dann auch endlich der Gegenwind auf und so war die Fahrt nach Podersdorf ein wenig entspannter. Zwar ist hier der Radweg nicht durchgängig befestigt, dafür aber landschaftlich um so abwechslungsreicher. Wie ich schon einmal erwähnte, halte ich Podersdorf auch nicht für die Erfüllung meiner Urlaubsträume, obwohl es der größte Touristenort am Neusiedler See ist. Oder gerade deshalb? Vier Kilometer Strand, viel Trubel, aber dafür auch der einzige Ort ohne Schilfgürtel, direkt am Seeufer gelegen. Kurz nach Podersdorf kommt mein Lieblingsort am ganzen See, die HÖLLE!!! Wie durch tausend Höllen gegangen fühle ich mich auch, als ich den gemütlichen Heurigen dort passiere. Der Schweinehund meckert und knurrt lautstark, denn ich lasse den einladenden Gastgarten links liegen und strampel verbissen weiter. Die Familie sitzt inzwischen bestimmt schon beim Essen und auch mein Magen sehnt sich nach einer anderen Füllung als Mineralwasser. Welch ein Segen, als ich endlich das reguläre Ortsschild Illmitz erkennen kann. Nochmal die letzten Reserven mobilisierend strampel ich vorbei am Naturparkinformationszentrum über den Güterweg direkt zum Hintereingang des Zentrals, wo man mich schon sehnsüchtig erwartet. Da es etwas später geworden ist, als geplant, hat die Familie bereits gespeist, doch auf meinem Platz liegt einladend ein Besteck. Kaum Platz genommen, da eilt auch schon Emmerich, mein Lieblingsober auf mich zu und stellt mir mit einem wissenden Lächeln einen G ´spritzen vor die Nase. Nach dem ersten Schluck habe ich wieder die Kraft, gleich einen weiteren zu ordern, dazu eine Portion Seewinkler Nudeln und diesmal gibt es auch einen Nachtisch: Hausbecher, sprich Vanilleeis mit marinierten, heißen Kirschen. Heute Abend fällt der Hammer schnell, nach dem Duschen noch ein Gute-Nacht-Wein auf dem Balkon, dann endlich lang machen im Bettchen!

REISEJOURNAL ILLMITZ – 5. Tag Kutschfahrt durch die Puszta

Ich hätte den Frosch mitnehmen sollen, denke ich mir, als ich um kurz nach sechs Uhr den Widerstand gegen das Fliegengekitzel aufgebe und die Beine aus dem Bett schwinge. Ein Blick vom Balkon verheißt Besserung. Nachdem es gestern den ganzen Nachmittag und die Nacht durchgeregnet hat (120 l/m²), scheint Petrus sich für heute eine Pause zu gönnen. Zwar ist es noch grau, aber trocken. Doch die Sintflut hat in der Landschaft Spuren hinterlassen. Der Kirchsee, unweit unserer Unterkunft, der sonst nur als schmaler Strich zwischen den Büschen zu erkennen ist, hat ungeahnte Ausmaße angenommen. Auf der Weide direkt unter dem Balkon stehen großflächige Pfützen und aus Erfahrung weiß ich, dass auch die schon fast ausgetrocknete Zicklacke wieder ordentlich Wasser führt, ähnlich den anderen Lacken, verteilt in der Puszta. Die Fahrt zum See spare ich mir heute Morgen auch, da mein Rädchen sonst Schwimmflügel für den mit Sicherheit überfluteten Radweg brauchen würde. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zu Vinzenz Gangl, einem Kutschfahrbetrieb, denn für 10:00 Uhr haben wir zwei Stunden bei Toni, unserem Haus- und Hofkutscher gebucht. Wir wählen die Runde zum Sandeck, wo die weißen Esel stehen und wir mit ein bisschen Glück auch die Wasserbüffel in der Uferregion zu Gesicht bekommen. Wir starten Richtung See, vorbei an dem traditionellen Ziehbrunnen und dem Schilfunterstand, beides in der Vergangenheit unerlässlich für durchziehende Hirten samt Herde. IMGP8614Weiter geht es entlang der Zicklacke, die wie vermutet auch deutlich mehr Wasser führt, in die Weingärten. Wir haben ein nettes österreichisches Pärchen mitgenommen und so kann Toni wieder referieren was das Zeug hält. Meine Mädels verstehen kaum ein Wort, doch das stört sie nicht, denn sie sind abwechselnd mit Kutsche lenken beschäftigt. Der Seewinkel ist bekannt für seine hervorragenden Sandweine. Unter der oft viele Meter starken Sandschicht bildet eine Lehmsohle den Abschluss, so dass das Grundwasser hier gestaut wird und den Reben auch in trockenen Sommern zur Verfügung steht. Im Gegensatz dazu stehen die Weingärten, die auf zwar sehr humusreichen Grund gut gedeihen, der aber wiederum Schotter als Grundlage hat, durch den das Regenwasser abfließen kann und somit für volle Ernte eine Bewässerung nötig macht. Auch die Tierwelt scheint sich über diesen reichlichen Regen gefreut zu haben und da die Sonne nicht prall am Himmel steht, suchen sie nicht im Gebüsch Schatten, sondern präsentieren sich in ihrer ganzen Vielfalt. Reiher, Kiebitze, Uferschnepfen, Strandläufer, Graugänse, Störche, Hasen, Fasane, Rehe, Kampfläufer und vieles mehr zeigt sich uns. Am Wegesrand zieht eine große Rinderherde vorbei, begleitet von einem Hirten samt zwei Hütehunden. Wir nähern uns dem Sandeck und schon von weitem hebt sich der Aussichtsturm gegen den Horizont ab. Ursprünglich handelte es sich dabei um einen Grenzturm, der zur Überwachung der ungarisch-österreichischen Grenze zu Zeiten des Eisernen Vorhanges diente. Als dieser fiel, wurden die Türme überflüssig und so manch einer kam als Aussichtsturm weiterhin in Lohn und Brot. Unterhalb des Exgrenzturmes haben die weißen Esel ihr Quartier. Dabei handelt es sich nicht um Albinos, sondern durch jahrhundertelange Auslese und Zucht wurde den Tieren die weiße Farbe angezüchtet. Früher waren sie ein Zeichen von Wohlstand, heute sind sie vom Aussterben bedroht und werden vornehmlich in Zoos gehalten. Im Nationalpark soll die Nachzucht unter Freilandbedingungen erfolgen, doch klappt es nicht so wirklich, Jungtiere sind selten. IMGP8643Tatsächlich sind auch die Wasserbüffel direkt am Schilfrand in der Nähe des Zauns zu sehen. Sie vermehren sich prächtig und zusammen mit den Eseln und den ungarischen Graurindern sorgen sie durch die stetige Beweidung dafür, dass das Schilf nicht alles überwuchert. IMGP8625Übrigens ist der komplette österreichische Teil des Neusiedler Sees weiterhin im Privatbesitz der Fürstin Melinda Esterhazy, die in der Schweiz lebt. Die zwei Stunden sind viel zu schnell vorbei, wir nehmen für dieses Jahr Abschied von Toni und seiner Schwägerin, der Frau Gangl, nicht ohne vorher noch ein Glas Wein zu bekommen. Um die Uhrzeit beschwingt mich das ungemein und die Heimfahrt mit dem Radl hat was ganz Spezielles!

http://www.vinzenzhof-gangl.at/kutsche.htm

Da der Himmel immer mehr aufreißt, fahren wir noch mal kurz zum See. Mir reicht die Temperatur zum Baden nicht, dem Rest der Familie aber schon.

Donnerstag ist Ruhetag im Gasthof Zentral, wir müssen wohl oder übel eine Ausweichfutterstelle suchen. Unsere Wirtin hat uns vor einigen Jahren einmal den Illmitzer empfohlen, doch dort waren wir nicht sehr glücklich. Wir gehen jetzt immer ins Bartholomäus Stüberl, benannt nach der benachbarten Bartholomäus Quelle.

http://www.bartholomaeusstueberl.at/

1930/31 wurde dort die Erstbohrung vorgenommen, um Illmitz mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. Zwar hatte fast Jeder einen Brunnen auf dem Hof, doch bedingt durch den flachen Grundwasserspiegel und die intensive landwirtschaftliche Nutzung und damit Düngung mit Mist und Gülle, war das Grundwasser durch das abfließende Oberflächenwasser stark nitratbelastet und wenig gesund. Man bohrte also in tiefere Regionen und bei 188 Meter wurde man fündig. Das Quellwasser schafft es aus eigener Kraft an die Oberfläche. Es ist schwefelhaltig und eisenreich, man riecht und schmeckt es. Das tut der Beliebtheit jedoch keinen Abbruch, von weit her kommen die Menschen und füllen es ab. Inzwischen erhält der Seewinkel und damit auch Illmitz sauberes Trinkwasser aus einem Höhenzug am anderen Seeufer. Per Pipeline quer durch den See findet es seinen Weg in Illmitzer Wasserhähne.Bartholomäus Quelle

REISEJOURNAL ILLMITZ – 4. Tag Einmal Hölle und zurück

Ich brauche einen Frosch … jetzt und hier … sofort! Bitte!!! Nicht zum Küssen, meinen Prinzen habe ich längst gefunden, nein … aber eine einzige Stubenfliege hat mit ihrem permanenten Gekrabbel auf mir dafür gesorgt, dass die Nacht um 5.20 Uhr ein Ende hat. Ok, dann also Beine aus dem Bett schwingen und das übliche morgendliche Ritual starten. Kaffee, Balkon, Zigarette, Wetter betrachten. Sieht gut aus, große blaue Löcher in hellem Grau. Rauf auf den Drahtesel, ab zum See, Einsamkeit genießen, Melancholie spüren. Wieder zurück sorgt ein Frühstück für die körperliche Kraft, die der Geist am See getankt hat. Es folgt ein kurzer Einkaufstripp zum ortsinternen BILLA-Markt, der 3. Versuch in Illmitz ein kleines, scharfes Messer zu kaufen. Auch dieser scheitert. Also werden Paprika, Nektarinen, Pflaumen und Aprikosen weiterhin mit dem vorhandenen Brotmesser massakriert … no risc no vitamines! Auf dem Radelplan steht heute eine Tour nach Podersdorf, Rückweg über die Hölle, einem sehr weit außerhalb gelegenen Ortsteil von Illmitz. Da die drei Damen der kleinen Reisegruppe nicht genau nachvollziehen könne, was .. owwe oder unne rum … bedeutet, lassen wir den Herrn vorfahren. Mit seinen leuchtend roten, leicht angebrannten Waden weist er uns den Weg in das nächste, nördlich gelegene Dorf. Podersdorf ist der einzige Ort am See ohne Schilfgürtel und mit Sandstrand. Für meinen Geschmack zu sehr auf Schickimicki-Touristen eingestellt. Das einzig sehenswerte scheint mir der Leuchtturm draußen am Ende des Kais, wenigstens ein bisschen Romantik … IMGP8603Inzwischen wird es immer grauer um uns herum, um nicht zu sagen rabennachtschwarz. In der Ferne grollt es leicht, klingt wie die Aufforderung, uns in Richtung Hölle auf den Weg zu machen. Entlang des gut befahrenen Radwegs B10/B20 in Seenähe passieren wir einen imposanten Aussichtsturm, der einen ungehinderten Blick über den See und die davor gelegene Bewahrungszone bietet. Hier grasen Pferde-und Angusrinderherden, um den Schilfbewuchs Richtung Landesinnerem zu begrenzen, denn diese Pflanzen sind sehr trittanfällig und werden durch regelmäßige Beweidung in Zaum gehalten. Für Vogelfreunde ist hier das Paradies auf Erden, denn auch ohne Fernglas erkennt man unzählige Wasser – und Watvögel, so wie verschiedene Reiherarten. IMGP8600IMGP8608Vorbei an einem riesigen Gehege für Mangalizaschweine, einer alte Hausschweinrasse, die vor ein paar Jahren wieder entdeckt wurde und in guten Restaurants wie dem Zentral inzwischen einen Stammplatz auf der Speisekarte eingenommen hat, geht es weiter gen Luzifers Reich. Das Grollen hat sich zu einem ordentlichen Gedonner entwickelt, begleitet von spektakulären Blitzen … wir werden wohl schon erwartet! Gerade angekommen, öffnen sich die himmlischen Schleusen, doch zu spät, wir halten Einzug in den Schankraum, dessen Ambiente uns locker 30 bis 40 Jahre zurückversetzt. Die gemütlichen dunkel gebeizten Holzgarnituren laden zum Verweilen ein, in der Ecke eine Kachelofen, die Speisekarte klein aber ansprechend, der Ober bereits seit 30 Jahren im Dienst. Bei schönem Wetter ist der große Biergarten eine willkommene Zuflucht im Schatten. IMGP8606Kaum ist unser Höllenimbiss beendet, scheint auch Petrus genug zu haben und lässt den Regen versiegen. Wir machen uns wieder auf den Weg.  Nicht weit entfernt, direkt am Wasserwerk, wo durstige Radler ihre Trinkflaschen kostenlos auffüllen können, halten wir wieder. Nicht aus der Not heraus, sondern weil zu unserem großen Erstaunen in der Ferne eine Herde ganz besonderer Pferde zu erkennen ist. Es sind Przewalskypferde, das unzähmbare Bindeglied zwischen dem Urpferdchen und den heutigen Hauspferden. Ursprünglich in der Mongolei und Umgebung beheimatet, wurde dort das letzte Tier in den 70er Jahren erlegt. Inzwischen ist man in vielen Zoos bemüht, eine neue Population aufzubauen. Die hier beheimateten entstammen dem Tierpark Schönbrunn in Wien und werden auf die Rücksiedlung in die Mongolei vorbereitet. IMGP8610Da die Farbe des Himmels und die Lautstärke des Donners, sowie die Blitze immer bedrohlicher werden und anscheinend dabei sind, uns den Heimweg abzuschneiden, halten wir uns nicht lange auf, sondern starten Tour de France gleich durch … gen Unterkunft. Und wieder erreichen wir zeitgleich mit gewaltigen Regentropfen die trockenen Sicherheit. Zur üblichen Essenszeit hat Petrus wohl Mitleid mit den knurrenden Mägen seiner Erdbewohner und lässt kurzfristig die himmlischen Ventile schließen. Leider sind wir gezwungen, unser Abendbrot drinnen einzunehmen, denn Kellner und Speisen würden uns im Gastgarten nur sehr verwässert erreichen. Der Nachtisch ist verzehrt und wir machen uns zwischen den Regentropfen auf den Heimweg. Keine 20 Meter später sehe ich ihn … den Frosch … fröhlich über den Gehweg hüpfen … und wohl im Moment die einzige Kreatur in weitem Umkreis, die sich über die viele Feuchtigkeit freut!

Von Geselchten, Fisolen, Marillen und co.

Ich habe bereits viel Zeit in Österreich verbracht, denn meine Mutter und ihre Verwandtschaft kommen aus diesem schönen Land. Was mich immer wieder fasziniert, sind die speziellen Ausdrücke, die man hier zu Lande vor allem für (verarbeitete) Lebensmittel hat. Stellen wir doch mal ein Menü zusammen: Frittatensuppe als Vorspeise, zum Hauptgang haben wir die Wahl zwischen  Geselchten oder Stelzen mit Krenobers, dazu Erdäpfelschmarrn sowie ein Salat aus Paradeisern, Karfiol und Fisolen und als Nachtisch müssen wir uns entscheiden zwischen Powidldatschern mit Marillenbrand oder Topfenpalatschinken mit Ribiselkompott. Ob da jeder Nichtösterreicher auf Anhieb weiß, was er  bestellt hat?

Eine Rätsel mit mehr als sieben Siegeln ist bestimmt auch die Kaffeeauswahl. Vom kleinen und großen Braunen, über den Verlängerten, die Melange, die Kaisermelange, dem Kurzen,  dem Einspänner, bis hin zum Fiaker, Franziskaner oder Kapuziner, dem gespritzten Kaffee oder dem Häferlkaffee … da ist guter Rat nötig!

Übrigens … hier ist es auch keine Schande, ein Zigeunerschnitzel oder einen Mohr im Hemd zu bestellen …

VEGANES MINERALWASSER – ein Wunder der Natur!

Vegetarische oder vegane Ernährung liegt im Trend. Das habe ich ja schon bemerkt. Für alle, die sich auf eben diese Art und Weise ernähren wollen, ist es mit Sicherheit auch hilfreich, wenn die Zusammensetzung der gekauften Lebensmittel so präzise wie möglich angegeben wird. Aber was mich da heute auf der Mineralwasserflasche mit Geschmack angesprungen hat, fand ich schon sehr seltsam! Da steht doch glatt, dass es sich bei diesem Getränk um ein 100% veganes handelt. Entschuldigung … ist da irgendeine Entwicklung in grauer Vorzeit an mir vorbei gegangen? Hätte ich damit rechnen sollen, dass mein ach so gesundes Mineralwasser – ob jetzt mit oder ohne Kohlensäure, mit oder ohne Geschmacksrichtung – Jahrzehnte lang von tierischen Ingredienzien verunreinigt wurde? Wie das? Hat das Rindvieh hinein gestrullert, das Borstentier darauf gespuckt, oder das Federvieh darin gebadet? Oder wurde es gar in Tankzügen transportiert, in denen vorher die Grundstoffe für eine zünftige Blutwurst befördert wurden, aus Lederflaschen oder Holzfässern mit Holzwurmbefall abgefüllt?

Oder ist es schlichterdings ein raffinierter Werbeschachzug der Firma, um auf einen fahrenden Trendzug aufzuspringen?

REISEJOURNAL ILLMITZ – 3. Tag Steppentierpark Pamhagen

Morgens, 6:00 Uhr in Illmitz … neuer Morgen, neue Geräusche … Zum Glück weder Regen noch Weckergebabbel, sondern etwas, dass ich erst dann wahrnehme, wenn ich wirklich im Urlaub angekommen bin: Kirchenglocken! Im katholischen Österreich läutet es nach wie vor um 6:00 Uhr, da gibt es keine Gnade für Langschläfer! Ein Blick aus dem Fenster zeigt auch gleich, dass mit Regen in der nächsten Stunde nicht zu rechnen ist, also schwinge ich mich nach einer Schwung bringenden Tasse Kaffee beherzt auf meinen Drahtesel und sause gen See … so wie es eigentlich schon für gestern geplant war. Auf dem Radweg herrscht reger Verkehr, allerdings nicht auf zwei Rädern, sondern auf zwei oder vier Beinen. Hasen, Graugänse, Fasane, Mäuse queren den Teerstreifen, wahrscheinlich auf der Flucht vor den bereits sehr aktiven Weinbauern, die mit Traktoren unterschiedlichster Art und Alter durch die Rebenfluchten fegen. Nach gut 10 Minuten erreiche ich den Eingang zum Strandbad. Bis dahin bin ich an unzähligen Anglern vorbeigefahren, die in den Schilfkanälen neben dem aufgeschütteten Straßendamm ihr Glück versuchen. Ihre professionellen Kollegen sind mit flachen Booten, die nur gestakt werden, weiter drin im Schilfgürtel oder am Rand zum offenen See unterwegs. Am See ist es menschenleer … graues Wasser, noch grauer Himmel, kaum Wind.

See 3. TAgIn der Ferne kann ich zwei Köpfe erkennen, wie sich herausstellt sind das unsere Nachbarn aus der Pension … ein sehr nettes Tiroler Ehepaar mit zwei Kindern. Ich wage mich noch nicht ins Wasser, aber morgen … bestimmt! Auf dem Rückweg komme ich mir auf einmal vor, als wäre ich in eine Silvesterparty geraten, oder passend zum neu errungen Titel, Feierlichkeiten zur Fußballweltmeisterschaft. Es heult, knallt und zischt um mich rum. Wer das nicht kennt, fällt wahrscheinlich gleich vom Rad, doch eigentlich ist das die Art und Weise, wie die Burgenländer versuchen, die Schwärme von Staren aus ihren Weingärten zu vertreiben. Die allerdings zeigen ihnen, ganz artentreu, schlichterdings nen Vogel, fliegen kurz auf, um dann seelenruhig weiter zu picken.

Da auch nach dem Frühstück das Wetter noch nicht absolut seereif ist, beschließen wir, eine kleine Radtour zu machen. Im vergangenen Jahr bei fast 40 Grad sind wir noch mit dem Auto gefahren, diesmal geht es per bike zum Steppentierpark am Rande von Pamhagen, einst zu Zeiten des Eisernen Vorhanges die einzige Möglichkeit in Seenähe über die Grenze nah Ungarn mit dem Auto zu gelangen … jede Menge Transitverkehr, heute verwaiste Grenzpavillons. Der Tierpark liegt in einem kleinen Wald. Auf dem Weg dorthin (Radweg B27)  wurde man im letzten Jahr noch quer durch die Feriensiedlung Vila Vita geleitet. Eine in sich geschlossene Anlage mit eigenem Badesee, Streichelzoo, Restaurants, Kinderbelustigung, Sportanlagen … usw … nix für uns! Jetzt führt der Radweg zum Glück außen vorbei, so dass uns der Anblick dieses Tourighettos erspart bleibt. Im sogenannten Steppentierpark sind Tiere in weiträumigen Freigehegen zu betrachten, die es in der näheren Umgebung, sprich der Puszta gibt, aber auch solche die als Haustiere gehalten werden, oder wieder angesiedelt wurden, um den einzigartigen Charakter der Natur zu erhalten. Würden die Flächen der Bewahrungszone des Naturschutzgebietes nicht beweidet, wären sie über kurz oder lang verbuscht. Neben Graurindern, Mangalizaschweinen, Wasserbüffeln, weißen Eseln gibt es jede Menge gefiederte Freunde. Mein Favorit seit Jahren ist ein Rudel schwarzer Wölfe. Jedes Jahr bekommen sie Junge, die zu dieser Jahreszeit zu Halbstarken herangewachsen sind und fast ausschließlich aus Pfoten und Ohren bestehen … einfach herzallerliebst! Viel der Tiere darf man füttern, doch da ich meinen Geldbeutel in der Ferienwohnung vergessen habe, reicht es nach dem Durchsuchen sämtlicher Hosentaschen gerade für den Eintritt und zwei Tüten Maiskörner … sehr zum Verdruss meiner beiden Kinder!

schwarzer WolfDa auf dem Rückweg der Himmel zunehmend aufreißt, steht einem Besuch des Seebades nach Ankunft in Illmitz nichts mehr im Wege. Doch vorher tut eine kleine Siesta not … kurz Füße hochlegen, Kaffee genießen, dann gemütlich zum Strand radeln. Der Wind hat zugenommen und so liegt der See in sanften Wellen vor uns. Durch die vielen Regenfälle der letzten Tage quatscht die Wiese schon beim darüber Laufen und so lassen wir uns auf der betonierten Ufermauer nieder. 25 Grad Wassertemperatur sagt die Tafel zwischen den Umkleidekabinen und diesmal fühlt es sich tatsächlich so an. Nichts hält mich mehr auf meinem Handtuch, Badeschuhe an, denn der Wassereinsteig ist mit großen Kieselsteinen kein Spaß für nackte Füße und ab in die Fluten. JETZT!!! bin ich im Urlaub angekommen. Die Seewassertaufe treibt das Erholungslevel nach oben! Nach der vielen Radelei und der Schwimmrunde um die Bojen haben wir uns unser Abendbrot redlich verdient. Ja, wo wohl, natürlich im Zentral. Hier sind wir auch schon angekommen, denn Emmerich, der freundliche ungarische Kellner hat unseren Stammplatz reserviert … er weiß eben was seine Lieblingsgäste zur echten Erholung brauchen!

 

 

 

 

 

 

Gedanken einer Ü40 – Jährigen