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Wenn EINE eine Reise tut … dann ist sie ganz schön uffgerescht!

Es ist ja nicht so, als wäre ich nicht schon viel in der Weltgeschichte rumgegondelt … aber das hier, das war auch für mich ein absolutes Novum! Nicht nur, dass ich mit dem eigenen Motorrad on tour war … nein … ich war auch noch zum ersten Mal ALLEINE unterwegs. susi beladenDas Ziel war schnell ausgesucht, es sollte dorthin gehen, wo ich vor ca 30 Jahren mal gearbeitet habe. Nach Mölln im schönen Schleswig-Holstein. Auch ein Hotel fand sich via Internet recht schnell, mit der Option die Buchung für drei Nächte noch am Abreisetag zu stornieren … Frau weiß ja nie! Nun ging es daran, die Routen zu planen. Auch die Hinfahrt sollte sich nicht nur aus Autobahnen zusammensetzen und dann galt es ja noch zwei Tagesfahrten zusammen zu stellen. Ziele gab es ausreichend, Kartenmaterial und Googlemaps sei dank auch detaillierte Auskünfte. Also nur noch das Navi programmieren … hahaha … der war gut! Die Info-CD erhellte mein Nichtwissen absolut nicht. Deshalb blieb mir nichts anderes übrig als learning by doing, nachdem selbst mein sonst so hilfsbereiter Nachbar ob meiner Ungeduld und Fluchtiraden das Handtuch warf. Nun ja, es hat mich einen kompletten Samstagabend gekostet, aber oh Wunder, schließlich waren alle eingetippt, kontrolliert und für gut befunden. Der Tag der Abfahrt rückte näher, Kinder waren versorgt, hilfreiche Menschen damit beauftragt, nach Post und Blumen zu schauen … allein Petrus haderte mit meinen Reiseplänen. Mehrfach täglich der ängstliche Blick auf die Wetterapp, die da sagte: im Norden ok, aber der Weg … oh je … ziemlich feucht! Als dann morgens der Wecker schellte hörte ich schon den Regen gegen die Jalousien klopfen. Na ok, erst mal fertig machen, die Reste einpacken, noch nen Kaffee, noch ein Blick auf die magische Wetterapp und dann die Überzeugung: Nur die harten kommen in den Garten und ich bin ja net aus Zuggaaaa! Als es erst hinter Kassel trocken wurde, war ich mir nicht mehr so ganz sicher, ob meine Entscheidung die richtige war. Doch bis auf die Handschuhe hatte mich der Fahrtwind am Ziel wieder trocken gepustet und der Anblick auf den See entschädigte für den Tauchgang über Wasser.

Ein wirklich fabelhaftes Essen mit erlesenem Wein in meiner Unterkunft Hotel Zum Weißen Ross reanimierte die Lebensgeister und ließ mich auf die nächsten Tage voller Zuversicht blicken. Und tatsächlich strahlte der Himmel am nächsten Morgen in hellem Blau mit nur vereinzelten weißen Tupfern. Nach einem kurzen Rundgang durch die Till Eulenspiegel Stadt Mölln ging es wieder auf zwei Rädern gen Nordosten.

Es ging über Ludwigslust und Parchim an den Plauer See, dann nach Westen um den nördlichen Zipfel des Schweriner Sees über Gadebusch und Ratzeburg zurück nach Mölln.

Und wieder schloss der Tag mit einem herrlichen Mahl und die Aussicht auf mehr Kilometer am nächsten Tag. Über Wismar führte mich die Route bis hoch an die Ostseeküste in Kühlungsborn und von dort aus immer an der Küste entlang bis nach Lübeck.

Das Wetter meinte es diesmal nicht ganz so gut mir mir, der Wind frischte erheblich auf und es wurde zum Balanceakt, die Maschine auf der Straße zu halten. Außerdem schien man hier im Norden eine etwas eigenartige Definition von Straßen zu haben. Wohlgemerkt ich hatte in Navi KEINEN Haken bei unbefestigten Straßen gesetzt! Kopfsteinpflaster gehörte für viele Kilometer zum Standard. Es veranlasste mich dazu, die Zähne fest aufeinander zu pressen, damit bei dem Gehoppel nicht versehentlich die Zunge dazwischen geriet. Besonders interessant waren auch die Sorte Straßen, die nur aus zwei Spuren betonierter Fahrbahn bestanden, mit etwas Glück gab es dazwischen diese Hohlblocksteine, in deren Löcher man für gewöhnlich Gras in der eigenen Einfahrt pflanzte. Aber die Susi und ich … wir haben es gemeinsam geschafft! Für wahrscheinlich monatelangen Gesprächsstoff in einem kleinen Dorf an der Küste haben wir zwei wohl gesorgt, als wir uns gemeinsam während eines heftigen Regenschauers in eine überdachte Bushaltestelle flüchteten.

Der letzte Abend brachte ein wenig Wehmut und Abschiedsstimmung mit sich. Natürlich freute ich mich wieder auf Daheim, doch muss ich den „Nordlichtern“ mal ein Kompliment machen: ich habe selten einen freundlicheren, aufgeschlosseneren und hilfsbereiteren Menschenschlag getroffen als hier. Schnell kam man ins Gespräch, erhielt ungefragt Hilfe und fühlte sich einfach willkommen. Da  spritze mich zum Beispiel ein Autofahrer auf einer der legendären Schlaglochpisten mit Schlammwasser dermaßen voll, dass ich anhalten musste, um mir wieder freie Sicht zu verschaffen. Ich war noch auf der Suche nach irgendwas zum Wischen, als der Fahrer bereits neben mir stand und mit einem Handtuch den Dreck vom Visier putzte. Bevor ich die Heimreise antrat, wollte ich die Kette fetten. Ziemlich langwieriges, umständliches Unterfangen, wenn man alleine ist. Nach dem zweiten Mal absteigen um die Maschine ein paar Zentimeter weiter zu schieben, stand der Nachbar neben mir, nahm mir die Dose aus der Hand und sagte: Mach ma Deern, ich helfe dir!

Und so viel es mir recht schwer, dem Norden den Rücken zuzukehren. Aber auch hier ist es schön … und wer sagt denn, dass ich nicht wieder komme … Die 600 Kilometer Autobahn nahmen irgendwie kein Ende, nur die Aussicht auf eine heiße Wanne und einen nicht minder wärmenden Kaffee trieb mich voran. Als ich dann in der Wohnung stand und feststellen musste, dass die Heizung nicht lief, da überlegte ich einen kurzen, aber wirklich nur einen kurzen Moment, wieder aufzusteigen und umzudrehen. Aber wer sein Navi programmieren kann, der bringt auch Heizungen wieder zu laufen! Und endlich ab in die Wanne ….

MILTENBERG – ÜBER DEN ODENWALD GEHÜPFT, AM MAIN GELANDET

Ein bisschen Kultur sollte frau ja den lieben Kleinen auch in den Sommerferien bieten. Der Hitze schuldig trieb es uns also über den Odenwald bis an den Main nach Miltenberg. Hier konnten wir frische Luft, Wassernähe, ein bisschen Bummeln und den Touch von kulturellem Hintergrund vereinen. Nach knapp 70 Kilometern und eine Stunde später erreichten wir unser Ziel. Die Begrüßung war wenig schmeichelhaft, denn die Hauptstraße in die Stadt hinein war komplett gesperrt, natürlich ohne ausgeschilderte Umleitung. So suchten wir unweit des Sachsendenkmals – eine Erinnerung an 62 Soldaten, die vor einigen Jahrhunderten  beim Übersetzten mit einer Fähre ertranken, als diese kenterte und mit Mann und Maus unterging – ein schattiges Plätzchen zum Parken und machten uns zu Fuß auf die letzten paar Hundert Meter.

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Zum Glück zieht sich die sehr charmante Altstadt parallel zum Fluss etwas oberhalb der gesperrten Hauptstraße entlang. Schöne Ecken wohin das Auge schweift.

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Ich bin bis dato immer davon ausgegangen, dass das Frankenland eine Weingegend ist, auf den ersten Metern wurde der Eindruck auch bestätigt.

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Doch schon die früheren Hochwohlgeborenen hatten erkannt, dass es neben Wein auch „anderes Gesöff“ gäbe und so wunderte es nicht weiter, dass wir ein Brauhaus nach dem anderen passierten.

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Inzwischen selbst recht durstig geworden, erreichten wir genau zur rechten Zeit den sehr schön anzusehenden Marktplatz, weitläufig und doch gemütlich, mit ausreichend Gelegenheiten, Durst und Hunger zu stillen. Hier und in der gesamten Fußgängerzone reiht sich ein denkmalgeschützes Haus neben das Andere. Fachwerkhäuser mit Hingabe zum Detail, aber auch prunkvolle Steinbauten, in denen zu frühern Zeiten meist Ämter, Regierende oder militärische Einrichtungen untergebracht waren.

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Die kleine grüne Oase in der Mitte des Platzes bot genau die richtigen Voraussetzungen, um sich für eine Schifffahrt auf dem Main zu stärken und vorzubereiten.

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Weiter durch die Fußgängerzone mit den hübschen Fachwerkhäusern fanden wir den Weg zum Rathaus. Von dort den Hang hinauf geblickt, sahen wir die letzten Ausläufer der Altstadt, bevor wir uns bergab dem Mainufer zuwanden.

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Hier wurden wir begrüßt von einem mächtigen Brückentor, das über einer rote Sandsteinbrücke thronte.

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Die Stunde Zeit, die wir hatten, bis das nächste Schiff zur Rundfahrt aufbrach, verbrachten wir am Mainkai im Schatten, umgeben von jeder Menge Enten, Gänsen und Schwänen, letztere fauchten vorbeischlendernde Hunde mit großem Vergnügen an, waren aber ansonsten allesamt eher auf einen Leckerbissen scharf, denn auf Ärger aus.

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Wer sich nicht an dem schönen Anblick, der Ruhe und dem Beobachten der Schifffahrt erfreuen möchte, kann in unmittelbarer Nähe der Anlegestation auch eine Runde Minigolf spielen.

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In unserem Rücken erhob sich das imposante Hauptgebäude des ehemaligen Bahnhofs.

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Die Rundfahrt dauerte etwa eine Stunde. Es müssen mindestens acht Teilnehmer zusammen kommen. Die Preise sind erschwinglich, Kinder 6,00 Euro, Erwachsene 9,50 Euro. Der Kapitän erzählt einiges über die Stadt und das Umland, wobei ich mehr Gefallen an seinem ungarischen Akzent hatte, als an den Informationen.

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Zuerst ging es Richtung Kleinheubach bis zur Mainschleuse. Kurz bevor die Kinder die Köpfe einzogen, weil sie Angst hatten, wir passten nicht unter der Brücke durch, wendete das Schiff.

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Wir passierten also zwei Mal die „Ufermeile“ Miltenbergs, mit schöner Sicht auf den ältesten Teil der Stadt, wo die Häuser teilweise noch auf den Resten der Stadtmauer erbaut sind. Etwas getrübt durch reichlich Bagger, Laster und Kräne. Dann ging es weiter Richtung Bürgstadt.

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In den seichten, teilweise von kleinen Dämmen umgebenen Randzonen des Mains wurde überall gebadet, Picknickdecken bildeten bunte Punkte auf den grünen Wiesen, kleiner Boote aus dem benachbarten Jachthafen zogen mehr oder weniger schnell am Ufer entlang.

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Linker Hand die Hügel des Spessarts, rechter Hand die Ausläufer des Odenwaldes. Der Main bildet hier die natürliche Grenze zwischen den beiden Hügelketten, so wie er früher die Grenze zwischen dem Römischen Reich und Germanien kennzeichnete. Und endlich kam ich auch in den Genuss vereinzelter Weinberge.

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Auf den letzten hundert Metern bis zur Anlegestelle hatten wir noch einmal einen grandiosen Blick auf Miltenberg, den Hang hoch erkannten wir die Burg Miltenberg, die imposanten Herrenhäuser und Gotteshäuser. Durch die Hitze doch recht geschafft, machten wir uns auf kürzestem Weg zum Auto zurück, auch wenn das hieß, durch den Staub und Teergestank der Baustelle zu gehen. Auf dem Rückweg hätten wir noch einen Abstecher nach Bad König oder der Burg Breuberg machen können, aber weder der schöne Kurpark, noch die Aussicht auf einen kleinen Anstieg bis zur Burg stießen bei den Kindern auf Gegenliebe. …. Irgendwie verständlich. Also ging es durch den Odenwald zurück nach Darmstadt, wo der über der Dieburger Straße thronende und sehr schattige Darmstädter Biergarten mir die Möglichkeit gab, an diesem Abend nicht mehr kochen zu müssen … PROST UND GUTEN HUNGER!

Jpeg

 

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STAU – IN DER AUTOBAHNRASTSTÄTTE

Sommerzeit – Ferienzeit – Reisezeit – Stauzeit … wer kennt das nicht. Sobald die Sommerferien beginnen, füllen sich die Autobahnen, verstopfen, nicht nur dank des erhöhten Verkehrsaufkommens, sondern auch dank der termingerechten Einrichtung neuer Baustellen auf den Hauptverbindungsstrecken. Nach stundenlanger Sitzerei im Auto – die gefahrene Kilometerzahl muss dabei nicht unbedingt beeindruckend sein – soll es vorkommen, dass nicht nur das Automobil Durst hat, sondern auch dessen Insassen. Neben dem dringenden Bedürfnis, bereits verwertete Flüssigkeit entsprechend zu entsorgen. Über den Zustand und die Sauberkeit deutscher Autobahnraststätten und – parkplätze hatte ich mich ja an anderer Stelle schon einmal ausgelassen, wobei die für diese kleine Geschichte Verantwortliche in Bezug auf ihre Sauberkeit eine rühmliche Ausnahme darstellte … dies soll aber auch der einzige positive Punkt bleiben. Ich hatte irgendwo mal aufgeschnappt, dass die Fastfoodkette mit dem großen roten M jetzt zunehmend die Pausenperlen auf den Beton-und Asphaltschnüren durch die Republik bewirtschaften wollen, nun, ich landete einen Treffer! Neben dem sehr begrenzten Speisenangebot bin ich keine Freund von langen Diskussionen ob große oder kleine Pommes, mit Mayo oder Ketchup, small, medium oder large Getränk, welche Sauce soll es denn sein, zum hier essen oder mitnehmen … Himmel reine Zeitverschwendung … Durst! Hunger! Natürlich zog ich den Hauptgewinn! Allein schon mein Wunsch nach Kaffee und Cola light hätte mich eigentlich dazu gezwungen, in zwei Schlangen anzustehen, so ich wert auf eine Tasse für das Heißgetränk gelegt hätte … solche Extrawürste legte ich sofort wieder ad acta. Von vorhandenen sechs Kassen waren lediglich drei besetzt, entsprechend lang die Schlangen an jeder. Und nicht etwa einsame Teenager, die schnell mal nen Burger reinschieben wollten, sondern ganze Familienclans. Einschließlich Oma im Rollstuhl, die auf dem Weg zu Toilette die fein säuberlich aufgereihten Menschenketten vor den Kassen aufgrund der Enge der Location komplett ins Chaos stürzte. Hinte mir eine Mutter mit drei Mädels, anscheinend Fastfood-Profis, denn hier wurde lobenswerter Weise die Wartezeit dafür genutzt, die Bestellung bis ins Detail auszuarbeiten und á la Mantra zu verinnerlichen, bis man/frau an der Reihe war. Vor mir hingegen ein Vater, eher unerfahren was die Essgewohnheiten seiner zwei Sprösslinge betraf, aber gesegnet mit einer Engelsgeduld und absolut willens hier ein Paradebeispiel seiner Erziehungskunst abzuliefern. … Sohn, was möchtest du essen? Nen Burger. Sag das doch bitte der netten Dame. Nen Burger. Junger Mann du willst einen Burger? Ja! Tochter und du? Pommes. Sag das doch bitte auch der Dame. Pommes. Also, du willst Pommes? Ja! Eine große oder eine kleine Portion? Klein! So, also eine kleine. Mit Ketchup oder Mayonnaise? Nix! Aha, du bekommst also nichts zu deiner kleinen Portion Pommes? Nö! … Ich könnte jetzt das gesamte Familienmenu durcharbeiten, möchte jedoch die Geduld der Leser nicht so strapazieren, wie es jener Vater mit den Wartenden hinter ihm tat. In der Nachbarschlange spielte sich derweil ein Drama ab. Ein ältere Dame wollte ihre drei Toilettenbons gegen ein Kaltgetränk einlösen, jedoch waren der Bonwert und der Preis des Getränks nicht identisch … katastrophal! Derart abgelenkt, verpasste ich es fasst, meine Bestellung abzugeben. … Eine mittlere Cola light und einen doppelten Espresso bitte. Small, medium oder large die Cola? MITTEL!!! Also medium? JA! Und einen doppelten Espresso. Den kann ich Ihnen hier nicht machen. Hinter Ihnen steht aber eine Kaffeemaschine. Ja, aber da ist Espresso nicht einprogrammiert. Den müssten Sie sich nebenan holen … Ein Blick auf die Schlange am Cafécounter ließ mich in Sekundenschnelle die Entscheidung treffen, auf mein Heißgetränk zu verzichten. Nach etwa 25 Minuten Wartezeit erhielt ich einen leeren Pappbecher mit der Bemerkung: Getränke sind in Selbstbedienung hinter Ihnen. Kurz überlegte ich, ob ich nicht den Verbessserungsvorschlag machen sollte, für Kunden, die lediglich einen Getränkewunsch haben, einen mit Kleingeld zu bestückenden Automaten zu installieren. Aber mein Mitleid mit den Wartenden hinter mir hielt mich davon ab. … Wer einmal eine Reise tut, der kann auch so was erleben … Konsequenz: Thermoskanne und gut bestückte Kühltasche sind ein MUSS!

REISEJOURNAL ILLMITZ – Way home and day after

Da ist er also, der letzte Tag des diesjährigen Sommerurlaubs in Illmitz. Strahlend blauer Himmel morgens um sechs Uhr, der Blick über das Naturschutzgebiet ungetrübt. Eine halbe Tasse Kaffee später formieren sich sieben Störche zum Abschiedsgeleit am Himmel, so viele habe ich die ganzen zwei Wochen nicht auf einmal hier gesehen. Auch die Hasen und die Ricke mit Kitz aus dem benachbarten Gebüsch zeigen sich noch einmal. Fehlt nur noch, dass sie mit dem Taschentuch winken. Frühstück pünktlich um acht Uhr, die letzten Sachen verräumen, alles ins Auto gepackt, einschließlich der gesammelten Familienmitglieder und kurz vor halb zehn startet die Reise. Ein letztes Mal tief Luft holen auf der Höhe von Neusiedl, den schweflig-modrigen See-Schilf-Geruch in die Lungen pumpen. Dann ab auf die Autobahn, immer schön auf die Blitzer achten, davon gibt es reichlich auf österreichischen Autobahnen. Ist dann aber auch nicht lange nötig, denn schon um Wien herum stehen wir das erste Mal, gerade mal 70 Kilometer später. Und es soll leider nicht das letzte Mal sein. Immer wenn ich mal wieder denke, so jetzt gehts weiter, kann ich Gaspedal gegen Bremse tauschen. Vor Passau dann vorerst der totale Stillstand für viel zu lange. Merkwürdiger Weise kommt uns auch keine Auto entgegen. Schlechtes Zeichen! Dann die Schreckensbotschaft aus dem Autoradio: Falschfahrer auf der Gegenspur, Unfall, zwei Tote, vier Schwerstverletzte, Vollsperrung auf beiden Seiten wegen Landung der Rettungshubschrauber. Und wir sind erst etwa acht Kilometer vom Unfallort entfernt und stehen schon. Irgendwann wird unsere Spur wieder freigegeben und wir schleichen am Ort des Grauens vorbei. Am Rande sitzen Rettungskräfte, am Ende ihrer Kräfte, die Hände vors Gesicht geschlagen. Immer wieder  kommt der Verkehr zum Erliegen. Viele wechseln auf die linke Spur um so nah wie möglich am Unglück der anderen vorbei zu kommen. Man könnte ja einen Blick auf einen blutverschmierten Toten werfen, dann hätte man was zu erzählen, aus dem Urlaub! GAFFER!!! … einer der übelsten Sorten Mensch! Einem Polizisten an der Mittelleitplanke reißen die Nerven, er brüllt in die geöffneten Fenster: Fahrt weiter, schert euch weg! Nur allzu verständlich! Um es kurz zu machen, die Heimfahrt war ein arges Wechselspiel der Geschwindigkeiten ….StaubildWir nehmen alles mit, was die Autobahn so zu bieten hat. Von Unwetter mit Starkregen und Sicht gen Null, bis hin zu Sturmschäden, sprich der halbe Wald liegt auf der Fahrbahn verteilt, ganz zu schweigen von den unterschiedlichsten Formen des Vorwärtskommens oder eben auch nicht. Nach 13 Stunden hat die Fahrt ein Ende, 850 Kilometer später. Ich glaube ich war noch nie so froh, in unseren Hof fahren zu können. Die Räder bleiben auf dem Dach, nur das Gepäck rausgeschleppt und schnell die paar Lebensmittel in den Kühlschrank verräumt, alles andere kann warten und tut es ja leider auch, da Heinzelmännchen anderweitig beschäftigt sind.

The day after … sieht es bei uns im Wohnzimmer dann aus wie in einer Altkleidersammelstelle …JpegAber dank des guten Wetters und dem unbändigen Willen der Waschkraftkombination von Hausfrau und Maschine ist der Berg gebändigt, alles verräumt und der Urzustand wieder hergestellt. Auch der Kater hat sich wieder beruhigt und traut sich in den Garten ohne Angst im Nacken, wir könnten fort sein, wenn er zurück kommt. Normalzustand erreicht …. over and out!

REISEJOURNAL ILLMITZ – 14. Tag Time to say good bye

Das letzte Mal für dieses Jahr, dass mein gelbes Fahrrad und ich zum See flitzen. Eigentlich sollte ja so etwa wie Melancholie, Abschiedsschmerz oder so aufkommen. Ist aber nicht! Denn heute herrscht ein reger Verkehr auf dem Damm zum See, sehr störend für jede Art von Romantik. Außerdem komme ich mir vor wie in einem Manöver, denn um mich rum knallen die Schreckschussanlagen, heulen die Alarmanlagen und zischen die Raketen. Alles im Kampf gegen die Stare, denn die Trauben werden zusehends reif und sind ein gefundenes Fressen für die gefiederten Freunde. JpegFür Alfred Hitchcock wären die als schwarze Wolke aufsteigenden Vögel, die sich kurz wabbernd in der Luft hält, um dann unverzüglich wieder zu landen -allen Abwehrmaßnahmen zum Trotz- eine tolle Vorlage für einen Thriller. Inzwischen sind auch viele Rebenreihen in den Weingärten mit Netzen zugehangen, es flimmert in schwarz, weiß, gelb, blau und grün. IMG_20140809_065844_778-1Auf dem unteren Teil der Straße zum See sehe ich dann auch, was diese Verkehrsmassen verursacht hat. Jede Lücke im Schilf ist mit mindestens einem Angler besetzt. Na klar! Die hungrigen Wochenendtouristen müssen ja mit frischem Seefisch versorgt werden. Kurz vor dem Eingang zum Seebad erspähe ich am letzten Tag endlich meinen ersten Löffler. Majestätisch überschwebt er mich, so nah, dass ich ihm eine Schwanzfeder ausreißen könnte, wenn ich fies wäre. Kurzes Stoßgebet zum Himmel: jetzt bitte nur nicht schei…. Auf den Holzpfählen und Bojen im See sitzen die jungen Möwen, so groß wie die Elterntiere, längst flügge und nur durch ihr eher bräunliches Gefieder von den adulten Tieren zu unterscheiden. Sie schreien aus vollem Hals, warten darauf, dass Mama oder Papa den Frühstücksfisch vorbeibringen. Die potentielle Mahlzeit hingegen hüpft derweil fröhlich aus dem See, nicht ahnend, dass es der letzte Sprung sein könnte. Aber wie heißt es so schön: Life is too short to complain, just live it!WasserbüffelDie Kinder haben sich für den halben Tag, den wir noch zur Verfügung haben, gewünscht, noch einmal in den Steppentierpark zu fahren. So soll es denn sein. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Tiere sich dort alle persönlich von uns verabschieden wollen. Selbst solche, die man sonst so gut wie nie zu Gesicht bekommt, liegen in ihren Gehegen wie auf dem Präsentierteller. Die Kolkraben sind ungewöhnlich gesprächig und wir „unterhalten“ uns eine ganze Weile mit ihnen. Ich kann es mir beim Rausgehen nicht verkneifen, einen kleinen weißen Plüschesel zu kaufen. Eine Erinnerungsstütze!StorckNachdem auch Freund Adebar auf Wiedersehen geklappert hat, fahren wir zurück nach Illmitz. Jetzt beginnt der unangenehme Teil des Urlaubs! Taschen packen und Fahrräder auf das Autodach befördern. Doch was uns am Tag vor der Abreise fast um den Verstand gebracht hat, läuft heute tadellos. Innerhalb von  wenigen Minuten sind die vier Räder auf dem Dach …. so soll es sein. Die Klamotten sind schnell in den Taschen verteilt, muss ja eh alles gewaschen werden. Inzwischen hat der Himmel sich zugezogen, es grollt und blitzt bereits Richtung Seebad. Wir eilen zur Henkersmahlzeit ins Zentral, kaum sitzen wir, beginnt der Wolkenbruch. Egal, unter der Weinlaube spüren wir es kaum, nur die armen Kellner werden relativ nass, wenn sie Essen und Getränke servieren. Ist ja schon irgendwie schmeichelhaft, wenn der Himmel weint, weil wir nach Hause fahren müssen! Mit dem Nachtisch schlägt unsere eher trübe Stimmung um,  wir werden furchtbar albern und der Heimweg, oh jesses … bewaffnet mit einer Flasche Abschiedswein der Familie Kroiss vom Zentral schlingern wir gickelnd durch den Ort … nüchtern, aber fröhlich! Auf dem Balkon bieten wir jetzt den Gelsen noch ein Abschiedsmahl, ab morgen ist Schluss mit lustig … da geht es auf die Piste, 850 Kilometer Richtung Heimat!

REISEJOURNAL ILLMITZ – 13. Tag Abschied vom See

Es ist schon erstaunlich, wie diese Ruhe Besitz von mir ergreift, wenn ich morgens alleine zum See radel. Dabei scheint heute der Tag der Schrecksekunden zu sein. Auf dem ersten Parkplatz nach dem Ortsausgangsschild steht ein Kleinwagen, die Fahrertür ist offen, auf dem Beifahrersitz ist ein „Etwas“, zugedeckt mit einem Schlafsack. Ich kann mir nicht verkneifen, das „Etwas“ näher zu betrachten. Zum Glück entpuppt es sich als schlafender Mensch, der relativ laut atmet. Kaum habe ich das Ende der von romantischen Kanälen flankierte Seegasse erreicht und flitze frohen Mutes entlang der Liegewiese, entdeckt mein schweifender Blick die nächste Dubiosität. Tag13aMitten auf der Wiese leuchten mich ein paar weiße Sportschuhsohlen an. NATÜRLICH muss ich auch das in Augenschein nehmen und entdecke zu meiner Beruhigung, dass der Mensch in den Schuhen ebenfalls bei bester Gesundheit scheint und mit samt einem Kompagnon dick vermummt eventuell seinen Rausch hier ausschläft. Ok, Puls normalisiert sich. Da ich meine Wasserflasche vergessen habe, mache ich nicht wie sonst Halt am Ufer, sonder fahre über den kleinen Yachthafen weiter.

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Am Rande des kleinen Hafens, der inzwischen auf der anderen Seite der künstlich aufgeschütteten Zufahrtsstraße zum See erweitert wurde, sind Parkplätze angelegt. Dort steht unter anderem ein Kastenwagen mit einer geöffneten Hintertür. Beim Umrunden sehe ich ZUFÄLLIG, dass aus der offen stehenden Tür zwei Füße herausschauen …. reglos! Oh no … denke ich, no more sex, crime and rock´n roll, please! Aber was soll ich sagen, sie fangen genau zum richtigen Zeitpunkt an zu zappeln. Wäre ich ein Krimiautor, so hätte ich heute morgen genug Anregungen für einen sehr Leichen trächtigen Bestseller erhalten. Oder vielleicht geht ja auch meine Fantasie ein bisschen mit mir durch, weil bald Vollmond ist. Wie willkommen sind mir dann doch die drei Wegelagerer, die ich ein paar hundert Meter weiter auf der Kutschenspur antreffe.Tag13dDa der Himmel stahlblau ist und es wohl unsere letzte Gelegenheit sein wird, einen Tag am See zu verbringen, tun wir genau das. Meine ältere Tochter nimmt sich eine Auszeit, doch die verbliebenen Drei gönnen sich viel Sonne, Wasser und eine Runde mit dem Tretboot. Diesmal ohne Verluste, mussten wir doch im letzten Jahr „Kind über Bord“ schreien, als Maria beim Aussteigen im Hafenbecken verschwand und Sekunden später sehr schlammig aber wohlbehalten wieder auftauchte. Da der See heute komplett glatt vor mir liegt und auch kaum Wind geht, gönne ich mir an meinem letzten Badetag noch einmal eine sehr ausgiebige Schwimmrunde. So schmeckt der gebratene Zander am Abend im Zentral besonders gut!

REISEJOURNAL ILLMITZ – Tag 12 … mal eine Restaurantkritik

Schluss mit dem Faulenzen, heute wird sich wieder ein bisschen bewegt. Zwar habe ich für einen Ausflug zum See vor dem Frühstück zu lange geschlafen, dafür schnappe ich mir aber das Rad zum Einkaufen. Der Rest der Familie macht sich schon mal auf den Weg zum See. Ich gönne mir noch einen Kaffee auf dem heimischen Balkon und lausche gebannt den Gesprächen unserer Nachbarn. Einer der Herren scheint eine Art Käferforscher zu sein. Seine Frau erzählt mir im Vertrauen, dass sie einmal im Urlaub in Spanien auf einer Kuhweide innerhalb einer Stunde mehr als 100 Kuhfladen umgedreht haben, um zu sehen, wer darunter wohnt … na ja … auch eine Art von Urlaubserlebnis … nur nicht meines! Wir verbringen ein paar Stunden am See, die Sonne traut sich nach und nach heraus und auch der Wind lässt nach. Die Hälfte der Sippe geht ins Wasser, die andere lässt sich ein wenig anbrutzeln. Für den Abend ist geplant, nach Fertörákos zum Essen zu fahren, da das Zentral ja Donnerstag geschlossen hat. Diesmal nehmen wir das Auto.

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Es ist eine ganz ordentliche Strecke zu fahren und wir müssen feststellen, dass der neue Radweg um Welten besser ist, als der Zustand der Straße. Der Grenzübergang Pamhagen-Fertöd liegt leer und verlassen da, die Gebäude verfallen komplett, werden aber nicht vollends entsorgt, nicht sehr schön. Besonders das letzte Stück des Weges von Balf nach Fertörákos ist in einem furchtbaren Zustand. Mit dem Auto fällt es mehr auf, als mit dem Rad. Ich habe das Gefühl, ich werde im Wagen seekrank, so schütteln uns die Schlaglöcher durch. Bei diversen Durchfahrten durch den Ort ist uns immer ein Restaurant besonders aufgefallen, das wir heute ausprobieren wollen. Das Ráspi. Es liegt an der Hauptstraße, von außen wirkt es wie ein alter Bauernhof mit großem Tor, Weinranken, Außensitzplätze und vieles mehr.

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Als wir durch das Tor treten, sind wir vom Ambiente angenehm überrascht. Alles ist ein bisschen auf antik gemacht, massive Holztische mit einem bunten Sammelsurium an Stühlen, sehr schön mit Silber eingedeckt, in der Mitte ein alter Baum, verschiedene Kronleuchter hängen von der gläsernen Decke, Bilder an den Wänden. Es ist Steinpilzzeit, ein gut gefüllter Korb mit den leckeren Hutträgern steht gleich am Eingang.

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Die Speisekarte ist eher überschaubar, enthält aber sehr viele gute Weine. Und die Möglichkeit, von einigen Gerichten Kinderportionen zu erhalten. Die Preise sind für ungarische Verhältnisse enorm hoch, aber wie wir von einer Tafel am Eingang erfahren haben, wurde das Lokal auch 2012 groß ausgezeichnet. Etwas irritierend wirken die beiden sehr jungen Bedienungen, ich hätte sie auch als Strandurlauber durchgehen lassen. Wir bestellen einfache Gerichte, einmal hausgemachte Nudeln mit Steinpilzsauce, dann Salat mit Hühnchenstreifen und zweimal Hühnerbruststücke gebacken mit Bratkartoffeln. Limonade ist auf der Karte nicht zu finden, dafür jede Menge hausgemachte Fruchtsäfte, eh besser und gesünder. Unsere Speisenbestellung ist ja nun nicht sehr kompliziert gewesen, trotzdem schafft die Küche es nicht, die Gerichte zusammen zu fertigen, so dass gerade die Kinder extrem lange warten müssen. Die Nudeln sind tatsächlich selbstgemacht, die Sauce etwas arg rot für Steinpilze und nur sehr sparsam gewürzt. Alles durcheinander gemengt und ohne jede Dekoration. Der Salat … oh jesses … ein Haufen ungeschnittener Eisbergsalatblätter, darunter drei Viertel einer Tomate. Wo wohl das letzte Viertel hin ist? Die Hühnchenstreifen auf den Punkt gebraten und sehr gut gewürzt. Aus dem Bratensud und einem sehr feinen Essig wurde ein leckeres Dressing gezaubert. Natürlich ist es noch warm und leider zu früh über den Salat gegossen, so dass dieser seine Knackigkeit in weiten Teilen verliert. Auch hier fehlt jede Form der Dekoration, lieblos ist noch schamlos untertrieben. Alles in einen tiefen Teller gepfercht und gut ist. Brot muss extra geordert und bezahlt werden.

IMGP8871Aber die Krönung der Lieblosigkeit waren die Hühnerbruststückchen mit Bratkartoffeln. Fleisch paniert und frittiert, die Kartoffeln in großen Brocken ebenfalls in die Friteuse geworfen und schon sind wir fertig. Dann stapeln wir alles in der Mitte einer Art von Tortenplatte auf und legen eine Scheibe Zitrone daneben und schon erhalten wir einen tollen Preis, oder wie darf ich das verstehen? Also alles in allem eine echte Enttäuschung zu unrealistischen Preisen und als Dank ein knurrender Magen. So soll der Tag nicht enden, deshalb beschließen wir, dem Auto die Sporen zu geben, die Gerte zu schwingen und flinken Rades zurück nach Illmitz zu eilen, um uns im DOLCE VITA noch mit einem Eisbecher zu verwöhnen …. gesagt, getan, eine Frau, ein Wort!