Archiv der Kategorie: LOKALES

CHRISTOPHER STREET DAY – born in the USA – beaten by TRUMP

Es begann in den frühen Morgenstunden des 28. Juni 1969 im Stonewall Inn in der Christopher Street im New Yorker Stadtteil Greenwich Village. Homosexuelle, Transvestiten, Transgender und andere sexuell Unterdrückte stemmten sich zum ersten Mal gegen die Polizeiwillkür. Ein Jahr später gab es eine Gedenkveranstaltung mit Straßenumzug, die den Namen Christopher Street Liberation Day trug. Da war er geboren, der heute unter verschiedenen Namen bekannte CSD, der Tag an dem Homosexuelle, Transgender, Bisexuelle, Transvestiten und viele andere für mehr sexuelle Selbstbestimmung und Rechte eintreten. Heute müssen die (Nachkommen der) Vorkämpfer wieder um ihre erlangten Freiheiten fürchten, denn Trump geht auf Kuschelkurs mit „Rechtsaußen“, verlangt, dass Transgender aus der Armee ausgeschlossen werden, wogegen sich sogar die wirklich wenig freiheitlich denkenden Armee ausspricht. Back to the bad roots .. kann man da nur sagen!

Darmstadt Fußgängerzone

Darmstadt feierte am 19.08.2017 seinen 7. CSD, etwa 2000 (bunte) Menschen machten sich quer durch die Innenstadt auf den Weg. Eine Regenbogenschlange durch die Fußgängerzone, organisiert vom Verein Vielbunt , der einen großen Teil von Darmstadts queeren Community ausmacht.

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Laut den Organisatoren waren es mehr Teilnehmer als bei den vergangenen sechs Umzügen. Für mich besonders auffällig war die große Zahl an (sehr) jungen Teilnehmern. Für seine sexuelle Selbstbestimmung kann man nicht früh genug eintreten, ist es doch nicht selten ein Kampf gegen Windmühlenräder. Eltern, Schule, Umfeld, Freunde … nicht jeder akzeptiert den Abzweig vom sexuellen Mainstream. Den gilt es auszubauen … weg vom grauen Asphalt der öden Schnellstraße hin zu bunten Nebenstraßen, die oftmals schneller und entspannter ans Ziel führen. Nämlich hin zur eigenen Identität, zu Selbstvertrauen, Gleichberechtigung und Anerkennung.

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Dazu gehört weit mehr, als die Ehe für alle. Ein erster, wichtiger Schritt, natürlich! Aber die Akzeptanz, die bunte Erweiterung der Normalität, das gilt es zu forcieren. Denn Homosexualität oder Transgender, das ist keine Krankheit, das muss nicht geheilt werden, man kann es nicht austreiben, wegerziehen oder durch Bestrafung ungeschehen machen. Es gibt nichts zu bereuen oder zu entschuldigen, keine andere Person darf das Recht haben, es für richtig oder falsch zu erklären. Aufklärung tut Not! Gesetzte müssen geändert werden, die weltweite Strafverfolgung unterbunden werden. Gefängnisstrafen oder gar die Todesstrafe nur weil man „bunt“ ist!?

Sonst kein großer Fan von Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch, fand ich doch seine Ansprache auf der Bühne des Riegerplatzes sehr mitreissend. Er forderte die Erweiterung des Personenstandes, denn es gibt mehr als nur Männlein oder Weiblein. Da hinein greift das Verbot von geschlechtszuweisenden Operationen bei Babys, die intersexuell geboren wurden. Wie kann man (Eltern, Mediziner, Rechtswissenschaflter) sich hier eine Entscheidung von solch immenser Tragweite anmaßen.

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Ist es nicht mehr mein Kind, nur weil es meiner sexuelle Einfalt nicht entspricht? Ich vielleicht keine Enkelkinder bekommen werde? Diese Fragen sollten sich Eltern von Betroffenen eigentlich stellen. Doch hadern sie mit ihrem Schicksal, gibt es – wie mit dem Verein Vielbunt – viele Anlaufstationen, um sich Aufklärung zu beschaffen, sich zu informieren und mit Anderen auszutauschen.

Menschheit, denkt BUNT, denkt QUEER! HAPPY PRIDE!!

buntes einhorn

RETTUNGSGASSE … EIGENTLICH KEIN HEXENWERK!?

Aus gegebenen Anlass – gestern ist ein Arbeiter von einer Autobahnbrücke gestürzt und die Rettung kam nicht durch – und eigentlich leider in einer Dauerschleife, möchte ich noch einmal alle Autofahrer daran erinnern, dass eine RETTUNGSGASSE Leben retten kann! Ich weiß, dass Gesetze gerne überschritten werden und die Straßenverkehrsordnung immer öfter in Vergessenheit gerät. Trotzdem … hier kann es auch ganz schnell mal um EUER Leben gehen und dann ist das Geschrei groß!

Rettungsgasse_Logo

Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußersten linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrsteifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden.“ (§ 11, Absatz 2, Straßenverkehrsordnung)

Dieser Paragraph der StVO gilt seit dem 14.12.2016 und ist ja nicht vom Himmel gefallen. Gesetztlich verpflichtend ist diese lebensrettende Maßnahme schon seit 1982 und so könnte man meinen, es hätte sich langsam in den Köpfen der Kraftfahrergenerationen etabliert. Zumal in der neuen Version detailliert beschrieben wird, wie eine solche Gasse zu bilden ist.

In Anbetracht der Tatsache, dass es hier tatsächlich um Menschenleben gehen kann, halte ich ein Bußgeld bzw. ein Verwarngeld in Höhe von 20 Euro für viel zu gering. Selbst wenn größere Behinderungen im Nachgang strafrechtlich verfolgt werden, dazu muss man die Übeltäter erst mal erwischen. Warum nicht gleich eine höhere Strafe verhängen, reichlich Punkte in Flensburg inbegriffen. Ich persönlich wäre einem Fahrverbot und/oder einer Nachschulung auch nicht abgeneigt. Das ist einfach KEIN KAVALIERSDELIKT!!

An diejenigen unter den Kraftfahrern, die der Meinung sind, man könne die Zufahrt von Rettung, Feuerwehr, Polizei und Abschleppwagen doch über den Standstreifen regeln … liebe Leute … der ist erstens nicht durchgängig verfügbar und zweitens kann da auch schnell mal jemand mit Panne neben dem Stau stehen … und dann … drüber hüpfen … Telekinese??? Aufwachen … BITTE!!!!

Nicht schrÑg_An den Rand

Aber so richtig in Rage versetzen mich jene Mitmenschen, die nichts anderes zu tun haben, als noch mehr Staus und Stockungen zu verursachen, weil sie ihre Schaulust befriedigen müssen: GAFFER!! Als gäbe es nicht jeden Tag im Fernsehen genug Blut und Katastrophen zu sehen, müssen sie sich am Elend der frisch Verunglückten weiden, immer auf der Jagd nach einem tollen Video, das man bei Youtube, Facebook und Co posten kann. Ich habe es vor zwei Jahren auf dem Rückweg aus dem Sommerurlaub selbst erlebt: Da sind Familienväter mit ihren Kindern auf dem Arm aus dem Auto gestiegen, über die Leitplanke geklettert, um einen Blick auf die Überreste eines Geisterfahrerunfalls zu erhaschen. Da reicht schon kein Fremdschämen mehr, da geht mir jeglicher Glaube an die Menschheit flöten!

MORGEN KANN ES EUCH TREFFEN, IMMER DARAN DENKEN!!

Mehr Infos zu diesem Thema findet ihr hier.

Photocredit: http://www.rettungsgasse-rettet-leben.de

SCHULSEKRETÄRIN … BERUFSBILD: PERLE!

Mein ganzer Respekt gilt jenen Damen – ich habe noch nie erlebt, dass ein Herr diese Herausforderung angenommen hat – die das Sekretariat einer Schule ihr Arbeitsreich nennen! Sekretärinnen im Allgemeinen sind ja schon kaum zu ersetzen, aber wer neben dem Kollegium im Erwachsenenalter auch noch mehrere Hundert Schulkinder zu betreuen hat … da kann nur Zauberei im Spiel sein und ist eigentlich mit Geld nicht zu bezahlen.

Ich muss jetzt einfach mal eine Lanze für diese Perlen des alltäglichen Wahnsinns brechen, denn wir Mütter wären ohne sie aufgeschmissen. Abgesehen von den notwendigen administrativen Tätigkeiten sind sie doch für unsere Kinder oftmals Mama, Oma, Krankenschwester, Kummerkasten, Streitschlichter, Telefonzentrale und mindestens noch Tröster in Personalunion. Und für uns Eltern manchmal der letzte rettende Anker vor dem Abrutschen in die totale Verzweiflung über die Schulamtsbürokratie, Beschwerdestelle für Ungerechtigkeiten aller Art, Ersthelfer und Seelsorger der lieben Kleinen oder lebendiger Terminplaner. Und dann schämen sie sich auch noch, wenn sie mal eine Tafel Schokolade bekommen!

Was würden all die vielen Grundschulkinder mit großen oder kleinen Wehwehchen nur machen, wenn da nicht der rettenden Engel im Sekretariat säße und zumindest das bunte Pflaster anreichen kann oder mal ein Coolpack auf eine Beule hält. Da mutiert die Dame hinter dem Schreibtisch schnell mal zu Kuscheltier, das alle Sorgen vergessen lässt und die Welt zum bunten Strahlen bringt. Die älteren Schüler können sich auf ihr Knowhow in Sachen stimmungs-und hormonbedingte Pubertätsstörungen verlassen. Genauso wie auf ihr Anti-Mobbingmanagement, die sichere Handyverwahrungsstelle und die Verwaltung der Verloren-Gesucht-Gefunden Abteilung. Wenn Vertrauenslehrer oder schulinteren Sozialarbeiter mal keine Termine frei haben, dann weiß auch das Multitalent aus dem Sekretariat einen passablen, oft besser umzusetzenden Rat.

Und wir Eltern, ja wir finden in ihnen unser ganz persönliches Wikipedia in allen schulischen Angelegenheiten. Vom Flyer für Hilfeangebote und Kontaktstellen bei Problemen, bis hin zum Telefonverzeichnes maßgeblicher Stellen in der übergeordneten Behörde. Geht nicht … gibt´s da so gut wie nie!

Und so ganz nebenbei müssen sie ja auch noch ihren eigentlichen Job als Verwaltungsangestellte erledigen, für ständig im Stress befindliche, nie zu erreichende Schulleiter im Zweifelsfall ein vergessenes Geschenk zum Hochzeitstag organisieren und eine Schar manchmal wenig diplomatisch veranlagter, überforderter und gehetzter Lehrer in den Griff bekommen!

Also, wie gesagt: Mein Kompliment an diese ALLROUNDER im Alltag und in Krisensituationen und ein großes DANKE, das von Herzen kommt.

GELBER SACK .. NIMM EINS, BRAUCH 2-3

Und da war es heute Morgen wieder soweit! Obwohl ich mir die allergrößte Mühe gegeben habe, gelang es mir mal wieder nicht, den gelben Sack zuzuknoten, ohne dass eine leere Tetrapackverpackung einen langen Riss verursachte und der Kordelzuzug oben so aufriss, dass Klebeband für einen sicheren Transport in den Keller herhalten musste. Aber nicht genug damit, es musste ja auch ein neuer von der Rolle gezoppelt werden und seinen Platz im Aufsteller einnehmen. Die Samthandschuhe hochgezogen und ran an die Rolle hauchdünnen Plastiks. Ich kann mit an Zeiten erinnern, da waren einzelnen Säcke zu einer Rolle gewickelt, doch das scheint man im Herkunfstland der gelben Mülltrenner nicht mehr leisten zu wollen oder können. Nun muss man/frau mit Engelsgeduld und multo Gefühl in den Fingern einen Perforationszahn nach dem anderen lösen. Und das sind viele! Trotz allem passiert es immer wieder – meistens kurz vor Erreichen des ersehnten Ziels – dass der Sack einen Cut bekommt. Hält der sich ausmachtechnisch in Grenzen, liegt bereits die Rolle Paketklebeband griffbereit, dann wird geflickt. Kommt aber eher selten vor, meistens sind sie hinüber und die Müllsammler kommen selbst in den Müll … Kannibalismus unter gelben Säcken.

Zum Glück gibt es diese durchsichtigen Dinger zumindest bei uns kostenlos. Denn wenn ich einmal im Monat die 4-5 gefüllten Müllbomben zur Abholung vor die Tür schaffe, habe ich mit Sicherheit insgesamt 8-12 verbraucht. Da überlege ich tatsächlich manchmal, ob so eine gelbe Tonne nicht doch eine Alternative wäre.

1991 trat die neue Verpackungsverordnung in Kraft, im Vorfeld gründete sich 1990 das Duale System und erschuf den grünen Punkt als Kennzeichnung für recyclebaren Müll. Irgendwie hinkte unsere Heimatstadt damals etwas nach mit der Einführung der Mülltrennung. Ich weiß noch genau, dass wir am Anfang regen Mülltourismus über die nahe Grenze nach Hessen betrieben haben. Leere Säcke nach NRW, volle Säcke nach Hessen. Und meine Mutter nahm die Anweisung, dass nur gereignigte Verpackung in die Säcke sollte, sehr wörtlich. Da wurde gespült bis der Joghurtbecher glänzte, Tetrapacks aufgeschnitten und nahezu steril gewienert. Wirklich sehr umweltschonend, betrachtet man das Aufgebot an Wasser und Spülmittel, was hier verbraucht wurde. Aber schee war´s und korrekt sortiert.

Wenn ich dann lese, dass ungefähr die Hälfte der etwa 8 Millionen Tonnen Müll in gelben Säcken trotz vorheriger Auseinandersortierung im Privathaushalt in der Müllverbrennung landet … ja dann frage ich mich, warum mach ich das eigentlich?! Warum stapel ich Müll in meinem Keller, den ich einmal im Monat, unter Aufbringung aller gebotenen Vorsicht aufgrund sehr labiler Verpackung, an die Straße schleppe. Dort steht er oft tagelang, weil die privaten Firmen das mit der pünktlichen Abholung nicht so drauf haben. Kann dann im Sommer schon mal richtig gut duften. Spätestens wenn dann die Müllwerker ihre Glacéhandschuhe vergessen haben, reißen die Tüten auf und der vorher so sorgsam gesammelte und gehütet Inhalt ergießt sich auf die Straße. Wenn das nicht aufgrund von schlechtem Wetter zum Beispiel vorher passiert ist. Leider ist der Müll nicht namentlich gekennzeichnet, so dass sich kein Nachbar wirklich verantwortlich fühlt, den Mist wieder weg zu kehren. Na  … irgendeinen Dummen wird man schon finden … hüstel …

So, mal sehen wie viele Säcke ich beim nächsten Beutelwechsel brauche ..

Und nur mal so am Rande: Wenn Kondome qualitativ so minderwertig wären wie dieses Müllverhüterli, bräuchte sich Deutschland nicht mehr um die Bevölkerungszahlen sorgen …

Photocredit: Carsten Raum, pixelio

 

JONATHAN (JOHNNY) HEIMES … WEIT MEHR ALS EIN KAMPF

Vor ziemlich genau einem Jahr musste Johnny Heimes sich im Kampf gegen den Krebs geschlagen geben. Diese teuflische Krankheit hält sich nicht an Fairplay. Die Trauer, die eine Familie verspürt, wenn ein Kind hier verliert, kann wohl nur jemand nachempfinden, der es selbst erleben musste. Aber neben der lebhaften Erinnerung die bleibt, hinterließ Johnny ein Lebenswerk, das ihn bereits zu Lebzeiten weit über die Grenzen Darmstadts   bekannt machte. Seine Initiative „Du musst kämpfen – es ist noch nichts verloren“ macht nicht nur Betroffenen Mut, sondern unterstützt junge Krebspatienten aktiv. In die Öffentlichkeit getragen wurde die Initiative unter anderem durch die Tatsache, dass Johnny als reger Fan des Fußballvereins SV Darmstadt 98 kaum ein Heimspiel ausließ und die Sportler bei so viel Engagement gegen diese tückische Krankheit nur zu gerne bereit waren, als Plattform zur Verbreitung zu dienen. Daneben setzte der Verein sich auch finanziell ein, genauso wie die Vereinssponsoren und viele Gegner auf dem Sportplatz wurden zu Verbündeten gegen den Krebs. Darmstadt und der SV 98 ist Johnny derart verbunden, dass das traditionelle Stadion am Böllenfalltor, inzwischen umbenannt in Merck Stadion am Böllenfalltor, für ein Jahr umgewidmet wurde in Johnny-Heimes-Stadion. Und anlässlich seines Todestages wird die Mannschaft beim nächsten Heimspiel in einem Sondertrikot auflaufen.

johnny und trickot

Als Teenager sucht ihn die tückische Krankheit erstmals heim. Seine sportliche Karriere nimmt ein jähes Ende. Er war gerade hessischer Tennis-Jugendmeister geworden, genauso wie Andrea Petkovic, seine Trainingspartnerin. Über die Jahre hinweg gelingt es ihm mehrfach, dem Krebs ein Schnippchen zu schlagen und somit dem Tod von der Schippe zu springen. Diese Zeit, in der für ihn klar war, dass eigener Sport erstmal ganz hinten anstehen musste, nutzte er, um gemeinsam mit Andrea Petkovic die Grundsteine für seine Initiative zu legen. Sinnbild für sein Durchhaltevermögen, dass er so gerne an all die anderen jugendlichen Betroffenen weitergeben wollte, sind die blau-weißen (in Lilienfarben gehaltenen) Motivationsbänder. Schnell verbreiten sie sich unter den Lilienfans. Inzwischen gibt es sie in vielen Farben, kein Bundesligaverein kommt hier zu kurz. Was aus dieser ersten Idee mit den Bändchen geworden ist, wie viel Herzblut von den Gründern dahinter steckt und wie jeder von uns helfen kann, ist hier nachzulesen.

Seine Eltern lassen das, was er aufbaute, nun weiterleben. Ich durfte sie anlässlich des Rosenmontagsballs des KV Weiterstadts kennenlernen. Sie nahmen eine posthume Auszeichnung für ihren Sohn entgegen. Es war ein sehr ergreifender Moment, nicht wenige Anwesende konnten die Tränen nicht zurückhalten. Dazu gehörte ich auch.

johnny eltern

Seit Monaten trage ich eines dieser blau-weißen Gummibänder. Tag und Nacht, ich lege es nie ab. Und ausgerechnet an diesem Abend hatte ich es zu Hause gelassen. Ich dachte, wenn ich schon mal auf einen Ball gehe, soll es richtig elegant sein. Da stand ich dann da, die Eltern von Johnny auf der Bühne und meine Eitelkeit im Nacken. Es hat mich tief beschämt!

KATE GOES … POLITICS

Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mir ein Parteibuch in die Tasche gesteckt habe. Denn eigentlich müsste die Partei, die für mich das Richtige ist, erst  noch erfunden werden. Im Prinzip ist es so, dass ich mit einzelnen Punkten der meisten Parteien in irgendeiner Art und Weise konform gehe. Aber ich gehe davon aus, das geht den meisten Anderen auch so. Bei uns in der Familie gibt es auch keine Traditionspartei. Meine Großeltern wählten zwar Zeit ihres Lebens die SPD, meine Mutter jedoch genauso lange die CDU. Ich persönlich habe mich von dem Moment an, wo ich berechtigt war, meine Kreuzchen zu machen, ein bisschen ausprobiert. Es dauerte eine Weile, bis die Kreuzchen permanent bei der SPD landeten. Und das hat die Partei Helmut Schmidt zu verdanken.

Wie ja schon vielfach hier zu lesen war, habe ich zu einigen Dingen eine Meinung. Mit der habe ich noch nie so wirklich hinterm Berg gehalten. Allerdings gehöre ich auch nicht zu den Leuten, die nur meckern, sondern ich versuche zumindest, auch mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln eine Verbesserung der Lage zu erreichen. Mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg, aber Versuch macht klug, oder wie heißt das so schön. Genau einen solchen startete ich, kurz nach meinem Umzug nach Weiterstadt, als eine für viele Anwohner unseres Wohngebietes unerträgliche Verkehrssituation dazu führte, dass die Menschen etwas ändern wollten. Mit ein paar unverzagten gründete ich eine Bürgerinitiatve, etwas laienhaft noch, aber immerhin mit dem Hintergedanken, uns Gehör und der Riedbahn etwas mehr Ruhe zu verschaffen. Das ich damit ausgerechnet dem SPD-Baron der Riedbahn auf die Füße trat, war mir nicht bewusst. Nach einem kurzen Schlagabtausch musste ich zugeben, dass wir eigentlich das Gleiche wollten. Da unsere Bürgerintiative sich langsam aber sicher zur One-Woman-Show entwickelte, zögerte ich nicht allzu lange und steckte mir das rote Parteibuch in die Tasche um vielleicht auf diesem Wege mehr zu erreichen. Inzwischen hat sich die Situation tatsächlich um Einiges entschärft. Die Stadt hat Regularien gefunden, die überdimensionierten Verkehrsströme an besonders einkaufsstarken Tagen schneller abfließen zu lassen. Und auch ich habe einen Weg gefunden, mir weiterhin Gehör zu verschaffen und meine Ideen einzubringen.

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Seit April letzten Jahres sitze ich für die Weiterstädter SPD im Stadtparlament und zusätzlich im Haupt-und Finanzausschuss. Eine ganz interessante Erfahrung, auch wenn ich vor allem über die kommunale Finanzwelt noch so einiges Lernen muss. Mehr dazu HIER.

Was mich alledings manchmal den Kopf schütteln lässt, ist die Diskussionskultur in diesem Hause. Da gibt es Menschen, die sind prinzipiell erst mal dagegen, egal von welcher Seite der Vorschlag oder Antrag kommt, auch egal, ob sie in der letzten Legislaturperiode genau diesen Antrag einmal selbst gefördert haben und noch egaler, wenn das Thema längst vom Tisch ist, sprich beschlossen oder abgelehnt oder sonstwie reguliert. Kämen da wenigstens Argumente, denen man auch nur im Ansatz folgen könnte, ein Hauch von Akzeptanz oder Verständnis entgegen bringen könnnte. Aber nichts dergleichen. Wie soll man diskutieren, wenn man lediglich die Möglichkeit hat, dem Gegner seine eigene Unzulänglichkeit entgegenzuhalten, weil alles andere nicht fruchtet.

Diskutieren will gelernt sein. Man darf nicht vergessen, dass es sich dabei um ein ständiges Geben und Nehmen handelt, um ein Miteinander, nicht Gegeneinander. Ich mache es für mein Leben gerne. Und habe seit einigen Jahren einen hervorragenden Trainer und Sparingspartner in Form meines Nachbarn gefunden. Natürlich gibt es auch Momente, in denen er mich bis zur Weißglut reizt und ich ihn am liebsten via One-Way-Ticket auf den Mond befördern würde. Aber das storniere ich immer ganz schnell wieder, denn es macht einfach zu viel Spaß, sich über alles … aber auch wirklich ALLES … gepflegt austauschen zu können.

PEST ODER CHOLERA – ICE ODER STADION

Unsere Stadt, die mitten im Rhein-Main-Ballungsraum liegt, entwickelt sich erfreulich gut. Trotz Lärmfinger des Flughafen Frankfurts, der eine Bebauung in großen Teilen einschränkt, trotz Autobahnen rechts und links, trotz (Groß-)Städten wie Frankfurt oder Darmstadt, bleibt immer noch genug Platz für die Landwirtschaft. Hin und wieder fällt auch noch ein Fleckchen für neu zu erschließende Baugebiete ab, wie erst kürzlich der sogenannte Apfelbaumgarten 2.

Wir können auch über die Größe unserer Gewerbegebiete nicht klagen. Die daraus resultierende Umsatzsteuer gibt uns die Möglichkeit, vieles umzusetzen, zu dem andere Kommunen nicht in der Lage sind.

Casus Knaxus ist, wie in vielen Ballungsgebieten und gut frequentierten Mittelzentren, die Überlastung der Verkehrsadern. Das gilt nicht nur für Straßen, sondern auch für das Schienennetz. A5, A67 und auch die B42 sind ständig überlastet, ausgewichen wird dann auf ortsinterne Straßen, sehr zum Ärger der Anwohner. Im Zuge eines Ausbaus des Schienenetzes im Bundesverkehrswegeplan 2030 ist eine transnationale Verbindung zwischen Genua und Rotterdam geplant. Die Bestandsstrecke Mainz-Aschaffenburg soll an diese Neubaustrecke angebunden werden. Dafür gibt es mehrere Varianten. Des weitern schwebt unser kleiner „großer“ Nachbar gerade auf dem Höhenflug und träumt von einem eigenen ICE-Anschluss. Die kritische Anschlussvariante, gepaart mit dem Neubau einer Güterverkehrstrasse zur Entlastung der Bestandsstrecken, würde Weiterstadt hart treffen. Neben dem erheblich erhöhten Lärmpegel und großer Entwichlungseinschränkungen auf noch freien Flächen, würde das sehr beliebte Naherholungsgebiet „Braunshardter Tännchen“ mit ziemlicher Sicherheit durch den Schienenstrang zerschnitten und damit unbrauchbar für die örtliche Freitzeitgestaltung.

Teil zwei des Höhenfluges ist ein neues Stadion für den Traditionsverein SV Darmstadt 98. Wobei hier die Darmstädter an und für sich nicht allzu viel Schuld trifft. Die meisten Heiner würden wohl lieber ihr alteingesessenes Bölle behalten, es sei denn, sie wohnen direkt nebenan. Doch der DFB macht einen Stadionneubau zur Auflage für die Lizenz, egal ob in der 1. oder in der 2. Liga. Seit Monaten gibt es Spekulationen über den geplanten Standort des neuen Stadions für die Lilien. Inzwischen hat die Stadt Darmstadt zusammen mit dem SV98 vier Standorte in und um Darmstadt ausgemacht, die in  Frage kämen. Wie man in gut informierten Kreisen unter der Hand munkelt, gehört der Weiterstädter Standort zu den Favoriten. Welcher grüne Darmstädter Bürgermeister, der in diesem Jahr wieder gewählt werden möchte, würde auch zwei Standorte favorisieren, für die hektarweise Wald abgeholzt werden muss. Fakt ist, dass das Areal, welches für den Stadionneubau auserkoren ist, fast vollständig im Besitz der Stadt Darmstadt ist, sich aber auf Weiterstädter Gemarkung befindet. Heißt im Klartext, dass ohne die Erlaubnis Weiterstadts dort keine Bagger rollen würden. Fakt ist weiterhin, dass weder die Stadt Darmstadt, noch der SV98 eine offizielle Anfrage an den Weiterstädter Bürgermeister gestellt hat. Fakt ist auch, dass unser Bürgermeister prophylaktisch mehrere Bedingungen daran geknüpft hat, auch nur darüber nachzudenken, ob so ein Riesenbau auf diesem Gelände errichtet werden kann. Und letzter Fakt ist, dass dieser Eventuell-Stadionneubau sich nahezu genau dort befindet, wo die neuen Bahntrassen geplanter Weise entlanglaufen sollen.

Wenn ich mich jetzt als Weiterstädterin zwischen Pest oder Cholera entscheiden müsste, also zwischen Bahntrasse und Stadion … ich würde nicht lange überlegen. Als Lilienfan, Selten-Bahnfahrerin und Anwohnerin des am meisten betroffenen Stadtteils Weiterstadt wäre ich definitiv für ein Stadion. Natürlich bringt auch ein Stadion mehr Verkehr und Lärm und vielleicht auch Dreck von durchwandernden Fan. Aber mal ehrlich, Lärm haben wir sowieso schon von der A5, der Verkehr ist an den meisten Samstagen und an Stoßzeiten eh schon heftig … und Straßen können nicht voller als voll sein. Und Dreck, na ja, die Kunden des nahen Einkaufszentrum meiden auch jetzt schon die Benutzung öffentlicher Mülleimer und präferieren die Abfallentsorgung auf Bürgersteigen oder Grünstreifen. Das ganz große ABER sind jedoch die Bedingungen, die der Weiterstädter Bürgermeister gestellt hat: Für etwaige Überlegungen einer eventuellen Genehmigung für den Stadionneubau muss es Garantien geben: Eine separate Autobahnabfahrt für das Stadion gibt (eine Zuführung der Fans über die B42 kommt nicht in Frage). Der Lärmschutz muss von ausgezeichneter Qualität sein. Die Infrastruktur rund um das Stadion wird komplett ausgebaut. Es gibt eine neue Straßenbahnlinie vom Darmstädter Bahnhof zum Stadion. Im Klartext heißt das, dass irgendjemand mindestens 60 Millionen Euro in die Hand nehmen muss, bevor die Stadt Weiterstadt darüber nachdenkt. Klingt nicht sehr wahrscheinlich, oder? Außerdem bezweifel ich, dass die Darmstädter so naiv sein werden, einen solchen Wirtschaftsfaktor auf unserer Gemarkung zu platzieren, dafür eine Menge Geld hinblättern und dann zusehen müssen, wie wir von der Gewerbesteuer profitieren. Hadert man doch bei den Nachbarn schon mit dem Einkaufzentrum in unserem Stadtteil. Sollte, allen Einwänden zum Trotz , Darmstadt doch um die benötigte Genehmigung bei uns ersuchen … seien wir doch mal ehrlich! Profitieren wir nicht auch in hohem Maße von dem Neubau? Die Infrastruktur in ein eventuell noch zu erschließendes Gewerbegebiet würde komplett auf Kosten anderer ausgebaut. Die Straßenbahnanbindung, die von einigen Weiterstädtern schon seit Jahren gewünscht wird, gäbe es umsonst. Die Fans, die alle vierzehn Tage zu den Heimspielen kämen, würden vielleicht auch das vor sich hindümpelnde  Einkaufszentrum mit vielen Leerständen und andere Einzelhandelsbetriebe im Dunstkreis des Stadions einen positiven Kick geben. Es gäbe mit Sicherheit auch das Stadion begleitende Gewerbeansiedlungen.

Also: PEST ODER CHOLERA … was hättet ihr lieber?

Das ich nicht ganz alleine mit meinen Gedanken zum Stadionneubau bin, könnt ihr auch hier nachlesen : boellen-weiterstadt