Archiv der Kategorie: LOKALES

GEMARKUNGSGANG WEITERSTADT – INFOS AM LAUFENDEN KILOMETER

Seit vielen Jahren initiiert die Stadt Weiterstadt im Januar einen Rundgang durch die Gemarkung. Vor einigen Jahren wurde ein Weiterstädter Rundwanderweg ausgezeichnet, der nun als Grundlage für den meist zehn Kilometer langen Gemarkungsgang dient.

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In diesem Jahr waren Start und auch Ziel in Weiterstadts Ortskern am Marktplatz. Bürgermeister Ralf Möller begrüßte rund 250 Bürgerinnen und Bürger, namentlich einige Kommunalpolitiker, bevor sich die Menge in Bewegung setzte, begleitet von der Stadtpolizei und dem Roten Kreuz. Von der Darmstädter Straße ging es rechts ab Richtung B42, die überquert wurde und entlang des Steinbrücker Hofes führte die Strecke zum Gewerbegebiet West.

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Nach etwa einem Drittel der Strecke gab es die erste informative Pause am Regenrückhaltebecken. Darin wurde, um den Platz sinnvoll zu nutzen, eine von acht Solaranlagen errichtet. Von dort aus wird auch mittels Pumpanlagen der Grundwasserspiegel reguliert, also aktives Grundwassermanagement betrieben. Eine ehemalige Pumpanlage der Firma Merck dient heute als Druckerhöhungsanlage, die bei zu hoher Wasserentnahme den Druck in den Leitungen erhöhen kann. Überschüssiges Grundwasser wird generell mittels mehrerer Pumpanlagen entweder in den Westwald gepumpt oder in Gräben im Waldgebiet Triesch, wo es dann versickert. Seit die Firma Merck aufgrund einer Produktionsanlagenumstellung nicht mehr so viel Grundwasser benötigt, stieg der Spiegel in regenreichen Zeiten so sehr an, dass Keller in Teilen von Braunshardt und Weiterstadt nass wurden. Auch hiergegen steuert das Grundwassermanagement aktiv an. Es ist kaum vorstellbar, aber unter dem unscheinbaren Becken befinden sich Anlagen von der Höhe eines Zweifamilienhauses!

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Möller erläuterter bei dieser Pause auch, dass sich hier im Gewerbegebiet West das Letzte der noch freien Gewerbegrundstücke befände. Wenn auch dieses verkauft sei, müsse man überlegen, wo weitere Gewerbegebiete ausgeschrieben werden könnten.

Von besonderem Interesse für die Weiterstädter waren auch seine Erklärungen zur geplanten ICE Neubaustrecke bzw. zu den möglichen Streckenführungen der Verbindungsrouten mit der Bestandsstrecke, die ziemlich genau an der Raststelle des Gemarkungsganges vorbeiführen würde. Scherzhaft meinte Möller, dass ein möglicher Neubau des Stadions des SV 98 Darmstadt, der vor einigen Monaten an dieser Stelle im Gespräch war, die Bahnstreckenführung wohl verhindern könne.

Anschließend machte sich die Wandergruppe weiter auf den Weg in Richtung Darmbach, an dem entlang es dann in Richtung Gehaborner Hof ging.

Hier sorgte die Freiwillige Feuerwehr Weiterstadt für einen kleinen Imbiss. Markus Mager, dessen Familie den Gehaborner Hof von der Stadt Darmstadt erworben hatte, in deren Besitz er ca. 120 Jahre war, gab einen kurzen Abriss über die Geschichte des Hofes, der namentlich erstmalig 1163 als Gut Gebenbrunnen erwähnt wurde. Johann Wolfgang Goethe und Johann Heinrich Merck, dessen Nachkommen den Weltkonzern Merck gründeten, waren wohl die berühmtesten Besucher der großen Hofreite, die im Besitz der Stadt Darmstadt zunehmend verfiel. Der Familie Mager dient sie erst einmal als Außenlager. Für Leben auf dem alten Gehöft sorgen ein Reitverein und ein paar Alpakas, die als Streicheltiere gehalten werden.

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Frisch gestärkt setzte sich der Tross dann quer durch das Waldgebiet Triesch, entlang des gleichnamigen Rückhaltebeckens, Richtung Naturschutzgebiet Löser und Justizvollzugsanstalt (JVA) in Bewegung. Vor den Toren der JVA wurde abermals Halt gemacht. Die JVA erlangte 1993 Berühmtheit, als die 3. Generation der RAF den fast fertiggestellten Neubau durch einen Sprengstoffanschlag so stark beschädigte, dass das damals als Untersuchungshaftanstalt geplante Gefängnis erst vier Jahre später in Betrieb gehen konnte.

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Inzwischen hat sich die JVA zu einem der größten Arbeitgeber in Weiterstadt entwickelt, hier finden 300 Menschen Beschäftigung. Seit 2011 ist es eine Justizvollzugsanstalt für den Vollzug von Freiheitsstrafen ab 24 Monaten für männliche Gefangene. Jüngst kam sie wieder in die Schlagzeilen, als es darum ging, dass hier auch die sogenannte anschließende Sicherheitsverwahrung von Straftätern etabliert werden sollte. Inzwischen ist die JVA ein Gefängnis mit der höchsten Sicherheitsstufe, ein Hochsicherheitsgefängnis. Seit Januar diesen Jahres ist hier auch die gemeinsame Überwachungsstelle der Länder für Träger von sogenannten elektronischen Fußfesseln untergebracht. Deutschlandweit gibt 95 solcher Straftäter, meist schwere Gewalt-oder Sexualstraftäter. In Hessen sind es derzeit zwölf.

Möller machte hier noch einen kleinen Exkurs zu den in Weiterstadt geplanten drei Hundewiesen. Denn zwischen JVA und Kompostierungsanlage wird eine entstehen. Die anderen werden in Braunshardt am Feldweg in Verlängerung der Georgenstraße sowie in Gräfenhausen am Ortseingang in Richtung Wixhausen sein. Sie erhalten eine komplette Umzäunung, so dass Hunde frei laufen gelassen werden können. Für das Sauberhalten sind die Hundehalter selbst verantwortlich. Das Dutzend mitlaufende Vierbeiner schien die Ankündigung schwanzwedelnd zu begrüßen!

Weiter ging es erneut über die B42 Richtung Braunshardter Tännchen und den Sportanlagen des SV 1910 Weiterstadt. Wie versprochen ging der Bürgermeister auch hier noch einmal auf die mögliche Streckenführung der Verbindungsschleife von der Bestandsstrecke zur Neubaustrecke ein. Sehr anschaulich schilderte er die Tatsache, dass es bei einer der Streckenführungen sein könnte, dass diese direkt durch das beliebte Naherholungsgebiet führe und auch den Sportplatz betreffen könne. Da die Strecke ohne Weichen geplant werden müsste, hieße das im Klartext, dass die Gleise für beide Richtungen mittels riesiger Bauwerke in einer Höhe von ca. 15 Metern in die Landschaft eingepasst würden. Er erinnerte an die IG Neubaustrecke, die sich im letzten Jahr gründete und die sich an entsprechender Stelle dafür stark macht, dass Weiterstadt von solchen Maßnahmen verschont bleibt. Möller forderte alle Anwesenden auf, doch Mitglied zu werden. Die Mitgliedschaft ist kostenfrei! Hier geht es zum Mitgliedsantrag

Möller ging an dieser Stelle noch einmal auf die Campus Idee rund um die Albrecht-Dürer-Schule (ADS) ein. Hier könnten die ADS, die Sportanlagen, die Jugendförderung und eine auf dem Gelände der ADS vom Kreis geplante fünfte Grundschule für Weiterstadt ein weitläufiges Zentrum für Kinder und Jugendliche bilden. Geplant ist auch eine zentrale Küche für die Mittagsversorgung aller Weiterstädter Schulen. Der Klein-Gerauer-Weg soll dann zur Sicherheit der Schulkinder zur verkehrsberuhigten Fahrradstraße werden.

Mit all diesen Informationen im Gepäck startete der müde Lindwurm schließlich zur Schlussetappe, die ihr Ziel im Weiterstädter Bürgerzentrum fand. Hier wartete die Feuerwehr mit vielen fleißigen Helfern bereits mit Gulaschsuppe, Nudeln mit Tomatensauce und Getränken auf die Heimkehrer.

Während fleißig gelöffelt wurde, nahm der Bürgermeister die Gelegenheit wahr, um sich bei allen zu bedanken. Außerdem wies er darauf hin, dass in diesem Jahr die  „Tour der Hoffnung“  in Weiterstadt Halt machen würde. Seit mehr als 30 Jahren sammeln hier radelnde Freiwillige, darunter viel Prominenz, Geld für die Unterstützung krebskranker Kinder und deren Eltern.

CHRISTOPHER STREET DAY – born in the USA – beaten by TRUMP

Es begann in den frühen Morgenstunden des 28. Juni 1969 im Stonewall Inn in der Christopher Street im New Yorker Stadtteil Greenwich Village. Homosexuelle, Transvestiten, Transgender und andere sexuell Unterdrückte stemmten sich zum ersten Mal gegen die Polizeiwillkür. Ein Jahr später gab es eine Gedenkveranstaltung mit Straßenumzug, die den Namen Christopher Street Liberation Day trug. Da war er geboren, der heute unter verschiedenen Namen bekannte CSD, der Tag an dem Homosexuelle, Transgender, Bisexuelle, Transvestiten und viele andere für mehr sexuelle Selbstbestimmung und Rechte eintreten. Heute müssen die (Nachkommen der) Vorkämpfer wieder um ihre erlangten Freiheiten fürchten, denn Trump geht auf Kuschelkurs mit „Rechtsaußen“, verlangt, dass Transgender aus der Armee ausgeschlossen werden, wogegen sich sogar die wirklich wenig freiheitlich denkenden Armee ausspricht. Back to the bad roots .. kann man da nur sagen!

Darmstadt Fußgängerzone

Darmstadt feierte am 19.08.2017 seinen 7. CSD, etwa 2000 (bunte) Menschen machten sich quer durch die Innenstadt auf den Weg. Eine Regenbogenschlange durch die Fußgängerzone, organisiert vom Verein Vielbunt , der einen großen Teil von Darmstadts queeren Community ausmacht.

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Laut den Organisatoren waren es mehr Teilnehmer als bei den vergangenen sechs Umzügen. Für mich besonders auffällig war die große Zahl an (sehr) jungen Teilnehmern. Für seine sexuelle Selbstbestimmung kann man nicht früh genug eintreten, ist es doch nicht selten ein Kampf gegen Windmühlenräder. Eltern, Schule, Umfeld, Freunde … nicht jeder akzeptiert den Abzweig vom sexuellen Mainstream. Den gilt es auszubauen … weg vom grauen Asphalt der öden Schnellstraße hin zu bunten Nebenstraßen, die oftmals schneller und entspannter ans Ziel führen. Nämlich hin zur eigenen Identität, zu Selbstvertrauen, Gleichberechtigung und Anerkennung.

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Dazu gehört weit mehr, als die Ehe für alle. Ein erster, wichtiger Schritt, natürlich! Aber die Akzeptanz, die bunte Erweiterung der Normalität, das gilt es zu forcieren. Denn Homosexualität oder Transgender, das ist keine Krankheit, das muss nicht geheilt werden, man kann es nicht austreiben, wegerziehen oder durch Bestrafung ungeschehen machen. Es gibt nichts zu bereuen oder zu entschuldigen, keine andere Person darf das Recht haben, es für richtig oder falsch zu erklären. Aufklärung tut Not! Gesetzte müssen geändert werden, die weltweite Strafverfolgung unterbunden werden. Gefängnisstrafen oder gar die Todesstrafe nur weil man „bunt“ ist!?

Sonst kein großer Fan von Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch, fand ich doch seine Ansprache auf der Bühne des Riegerplatzes sehr mitreissend. Er forderte die Erweiterung des Personenstandes, denn es gibt mehr als nur Männlein oder Weiblein. Da hinein greift das Verbot von geschlechtszuweisenden Operationen bei Babys, die intersexuell geboren wurden. Wie kann man (Eltern, Mediziner, Rechtswissenschaflter) sich hier eine Entscheidung von solch immenser Tragweite anmaßen.

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Ist es nicht mehr mein Kind, nur weil es meiner sexuelle Einfalt nicht entspricht? Ich vielleicht keine Enkelkinder bekommen werde? Diese Fragen sollten sich Eltern von Betroffenen eigentlich stellen. Doch hadern sie mit ihrem Schicksal, gibt es – wie mit dem Verein Vielbunt – viele Anlaufstationen, um sich Aufklärung zu beschaffen, sich zu informieren und mit Anderen auszutauschen.

Menschheit, denkt BUNT, denkt QUEER! HAPPY PRIDE!!

buntes einhorn

RETTUNGSGASSE … EIGENTLICH KEIN HEXENWERK!?

Aus gegebenen Anlass – gestern ist ein Arbeiter von einer Autobahnbrücke gestürzt und die Rettung kam nicht durch – und eigentlich leider in einer Dauerschleife, möchte ich noch einmal alle Autofahrer daran erinnern, dass eine RETTUNGSGASSE Leben retten kann! Ich weiß, dass Gesetze gerne überschritten werden und die Straßenverkehrsordnung immer öfter in Vergessenheit gerät. Trotzdem … hier kann es auch ganz schnell mal um EUER Leben gehen und dann ist das Geschrei groß!

Rettungsgasse_Logo

Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußersten linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrsteifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden.“ (§ 11, Absatz 2, Straßenverkehrsordnung)

Dieser Paragraph der StVO gilt seit dem 14.12.2016 und ist ja nicht vom Himmel gefallen. Gesetztlich verpflichtend ist diese lebensrettende Maßnahme schon seit 1982 und so könnte man meinen, es hätte sich langsam in den Köpfen der Kraftfahrergenerationen etabliert. Zumal in der neuen Version detailliert beschrieben wird, wie eine solche Gasse zu bilden ist.

In Anbetracht der Tatsache, dass es hier tatsächlich um Menschenleben gehen kann, halte ich ein Bußgeld bzw. ein Verwarngeld in Höhe von 20 Euro für viel zu gering. Selbst wenn größere Behinderungen im Nachgang strafrechtlich verfolgt werden, dazu muss man die Übeltäter erst mal erwischen. Warum nicht gleich eine höhere Strafe verhängen, reichlich Punkte in Flensburg inbegriffen. Ich persönlich wäre einem Fahrverbot und/oder einer Nachschulung auch nicht abgeneigt. Das ist einfach KEIN KAVALIERSDELIKT!!

An diejenigen unter den Kraftfahrern, die der Meinung sind, man könne die Zufahrt von Rettung, Feuerwehr, Polizei und Abschleppwagen doch über den Standstreifen regeln … liebe Leute … der ist erstens nicht durchgängig verfügbar und zweitens kann da auch schnell mal jemand mit Panne neben dem Stau stehen … und dann … drüber hüpfen … Telekinese??? Aufwachen … BITTE!!!!

Nicht schrÑg_An den Rand

Aber so richtig in Rage versetzen mich jene Mitmenschen, die nichts anderes zu tun haben, als noch mehr Staus und Stockungen zu verursachen, weil sie ihre Schaulust befriedigen müssen: GAFFER!! Als gäbe es nicht jeden Tag im Fernsehen genug Blut und Katastrophen zu sehen, müssen sie sich am Elend der frisch Verunglückten weiden, immer auf der Jagd nach einem tollen Video, das man bei Youtube, Facebook und Co posten kann. Ich habe es vor zwei Jahren auf dem Rückweg aus dem Sommerurlaub selbst erlebt: Da sind Familienväter mit ihren Kindern auf dem Arm aus dem Auto gestiegen, über die Leitplanke geklettert, um einen Blick auf die Überreste eines Geisterfahrerunfalls zu erhaschen. Da reicht schon kein Fremdschämen mehr, da geht mir jeglicher Glaube an die Menschheit flöten!

MORGEN KANN ES EUCH TREFFEN, IMMER DARAN DENKEN!!

Mehr Infos zu diesem Thema findet ihr hier.

Photocredit: http://www.rettungsgasse-rettet-leben.de

SCHULSEKRETÄRIN … BERUFSBILD: PERLE!

Mein ganzer Respekt gilt jenen Damen – ich habe noch nie erlebt, dass ein Herr diese Herausforderung angenommen hat – die das Sekretariat einer Schule ihr Arbeitsreich nennen! Sekretärinnen im Allgemeinen sind ja schon kaum zu ersetzen, aber wer neben dem Kollegium im Erwachsenenalter auch noch mehrere Hundert Schulkinder zu betreuen hat … da kann nur Zauberei im Spiel sein und ist eigentlich mit Geld nicht zu bezahlen.

Ich muss jetzt einfach mal eine Lanze für diese Perlen des alltäglichen Wahnsinns brechen, denn wir Mütter wären ohne sie aufgeschmissen. Abgesehen von den notwendigen administrativen Tätigkeiten sind sie doch für unsere Kinder oftmals Mama, Oma, Krankenschwester, Kummerkasten, Streitschlichter, Telefonzentrale und mindestens noch Tröster in Personalunion. Und für uns Eltern manchmal der letzte rettende Anker vor dem Abrutschen in die totale Verzweiflung über die Schulamtsbürokratie, Beschwerdestelle für Ungerechtigkeiten aller Art, Ersthelfer und Seelsorger der lieben Kleinen oder lebendiger Terminplaner. Und dann schämen sie sich auch noch, wenn sie mal eine Tafel Schokolade bekommen!

Was würden all die vielen Grundschulkinder mit großen oder kleinen Wehwehchen nur machen, wenn da nicht der rettenden Engel im Sekretariat säße und zumindest das bunte Pflaster anreichen kann oder mal ein Coolpack auf eine Beule hält. Da mutiert die Dame hinter dem Schreibtisch schnell mal zu Kuscheltier, das alle Sorgen vergessen lässt und die Welt zum bunten Strahlen bringt. Die älteren Schüler können sich auf ihr Knowhow in Sachen stimmungs-und hormonbedingte Pubertätsstörungen verlassen. Genauso wie auf ihr Anti-Mobbingmanagement, die sichere Handyverwahrungsstelle und die Verwaltung der Verloren-Gesucht-Gefunden Abteilung. Wenn Vertrauenslehrer oder schulinteren Sozialarbeiter mal keine Termine frei haben, dann weiß auch das Multitalent aus dem Sekretariat einen passablen, oft besser umzusetzenden Rat.

Und wir Eltern, ja wir finden in ihnen unser ganz persönliches Wikipedia in allen schulischen Angelegenheiten. Vom Flyer für Hilfeangebote und Kontaktstellen bei Problemen, bis hin zum Telefonverzeichnes maßgeblicher Stellen in der übergeordneten Behörde. Geht nicht … gibt´s da so gut wie nie!

Und so ganz nebenbei müssen sie ja auch noch ihren eigentlichen Job als Verwaltungsangestellte erledigen, für ständig im Stress befindliche, nie zu erreichende Schulleiter im Zweifelsfall ein vergessenes Geschenk zum Hochzeitstag organisieren und eine Schar manchmal wenig diplomatisch veranlagter, überforderter und gehetzter Lehrer in den Griff bekommen!

Also, wie gesagt: Mein Kompliment an diese ALLROUNDER im Alltag und in Krisensituationen und ein großes DANKE, das von Herzen kommt.

GELBER SACK .. NIMM EINS, BRAUCH 2-3

Und da war es heute Morgen wieder soweit! Obwohl ich mir die allergrößte Mühe gegeben habe, gelang es mir mal wieder nicht, den gelben Sack zuzuknoten, ohne dass eine leere Tetrapackverpackung einen langen Riss verursachte und der Kordelzuzug oben so aufriss, dass Klebeband für einen sicheren Transport in den Keller herhalten musste. Aber nicht genug damit, es musste ja auch ein neuer von der Rolle gezoppelt werden und seinen Platz im Aufsteller einnehmen. Die Samthandschuhe hochgezogen und ran an die Rolle hauchdünnen Plastiks. Ich kann mit an Zeiten erinnern, da waren einzelnen Säcke zu einer Rolle gewickelt, doch das scheint man im Herkunfstland der gelben Mülltrenner nicht mehr leisten zu wollen oder können. Nun muss man/frau mit Engelsgeduld und multo Gefühl in den Fingern einen Perforationszahn nach dem anderen lösen. Und das sind viele! Trotz allem passiert es immer wieder – meistens kurz vor Erreichen des ersehnten Ziels – dass der Sack einen Cut bekommt. Hält der sich ausmachtechnisch in Grenzen, liegt bereits die Rolle Paketklebeband griffbereit, dann wird geflickt. Kommt aber eher selten vor, meistens sind sie hinüber und die Müllsammler kommen selbst in den Müll … Kannibalismus unter gelben Säcken.

Zum Glück gibt es diese durchsichtigen Dinger zumindest bei uns kostenlos. Denn wenn ich einmal im Monat die 4-5 gefüllten Müllbomben zur Abholung vor die Tür schaffe, habe ich mit Sicherheit insgesamt 8-12 verbraucht. Da überlege ich tatsächlich manchmal, ob so eine gelbe Tonne nicht doch eine Alternative wäre.

1991 trat die neue Verpackungsverordnung in Kraft, im Vorfeld gründete sich 1990 das Duale System und erschuf den grünen Punkt als Kennzeichnung für recyclebaren Müll. Irgendwie hinkte unsere Heimatstadt damals etwas nach mit der Einführung der Mülltrennung. Ich weiß noch genau, dass wir am Anfang regen Mülltourismus über die nahe Grenze nach Hessen betrieben haben. Leere Säcke nach NRW, volle Säcke nach Hessen. Und meine Mutter nahm die Anweisung, dass nur gereignigte Verpackung in die Säcke sollte, sehr wörtlich. Da wurde gespült bis der Joghurtbecher glänzte, Tetrapacks aufgeschnitten und nahezu steril gewienert. Wirklich sehr umweltschonend, betrachtet man das Aufgebot an Wasser und Spülmittel, was hier verbraucht wurde. Aber schee war´s und korrekt sortiert.

Wenn ich dann lese, dass ungefähr die Hälfte der etwa 8 Millionen Tonnen Müll in gelben Säcken trotz vorheriger Auseinandersortierung im Privathaushalt in der Müllverbrennung landet … ja dann frage ich mich, warum mach ich das eigentlich?! Warum stapel ich Müll in meinem Keller, den ich einmal im Monat, unter Aufbringung aller gebotenen Vorsicht aufgrund sehr labiler Verpackung, an die Straße schleppe. Dort steht er oft tagelang, weil die privaten Firmen das mit der pünktlichen Abholung nicht so drauf haben. Kann dann im Sommer schon mal richtig gut duften. Spätestens wenn dann die Müllwerker ihre Glacéhandschuhe vergessen haben, reißen die Tüten auf und der vorher so sorgsam gesammelte und gehütet Inhalt ergießt sich auf die Straße. Wenn das nicht aufgrund von schlechtem Wetter zum Beispiel vorher passiert ist. Leider ist der Müll nicht namentlich gekennzeichnet, so dass sich kein Nachbar wirklich verantwortlich fühlt, den Mist wieder weg zu kehren. Na  … irgendeinen Dummen wird man schon finden … hüstel …

So, mal sehen wie viele Säcke ich beim nächsten Beutelwechsel brauche ..

Und nur mal so am Rande: Wenn Kondome qualitativ so minderwertig wären wie dieses Müllverhüterli, bräuchte sich Deutschland nicht mehr um die Bevölkerungszahlen sorgen …

Photocredit: Carsten Raum, pixelio

 

JONATHAN (JOHNNY) HEIMES … WEIT MEHR ALS EIN KAMPF

Vor ziemlich genau einem Jahr musste Johnny Heimes sich im Kampf gegen den Krebs geschlagen geben. Diese teuflische Krankheit hält sich nicht an Fairplay. Die Trauer, die eine Familie verspürt, wenn ein Kind hier verliert, kann wohl nur jemand nachempfinden, der es selbst erleben musste. Aber neben der lebhaften Erinnerung die bleibt, hinterließ Johnny ein Lebenswerk, das ihn bereits zu Lebzeiten weit über die Grenzen Darmstadts   bekannt machte. Seine Initiative „Du musst kämpfen – es ist noch nichts verloren“ macht nicht nur Betroffenen Mut, sondern unterstützt junge Krebspatienten aktiv. In die Öffentlichkeit getragen wurde die Initiative unter anderem durch die Tatsache, dass Johnny als reger Fan des Fußballvereins SV Darmstadt 98 kaum ein Heimspiel ausließ und die Sportler bei so viel Engagement gegen diese tückische Krankheit nur zu gerne bereit waren, als Plattform zur Verbreitung zu dienen. Daneben setzte der Verein sich auch finanziell ein, genauso wie die Vereinssponsoren und viele Gegner auf dem Sportplatz wurden zu Verbündeten gegen den Krebs. Darmstadt und der SV 98 ist Johnny derart verbunden, dass das traditionelle Stadion am Böllenfalltor, inzwischen umbenannt in Merck Stadion am Böllenfalltor, für ein Jahr umgewidmet wurde in Johnny-Heimes-Stadion. Und anlässlich seines Todestages wird die Mannschaft beim nächsten Heimspiel in einem Sondertrikot auflaufen.

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Als Teenager sucht ihn die tückische Krankheit erstmals heim. Seine sportliche Karriere nimmt ein jähes Ende. Er war gerade hessischer Tennis-Jugendmeister geworden, genauso wie Andrea Petkovic, seine Trainingspartnerin. Über die Jahre hinweg gelingt es ihm mehrfach, dem Krebs ein Schnippchen zu schlagen und somit dem Tod von der Schippe zu springen. Diese Zeit, in der für ihn klar war, dass eigener Sport erstmal ganz hinten anstehen musste, nutzte er, um gemeinsam mit Andrea Petkovic die Grundsteine für seine Initiative zu legen. Sinnbild für sein Durchhaltevermögen, dass er so gerne an all die anderen jugendlichen Betroffenen weitergeben wollte, sind die blau-weißen (in Lilienfarben gehaltenen) Motivationsbänder. Schnell verbreiten sie sich unter den Lilienfans. Inzwischen gibt es sie in vielen Farben, kein Bundesligaverein kommt hier zu kurz. Was aus dieser ersten Idee mit den Bändchen geworden ist, wie viel Herzblut von den Gründern dahinter steckt und wie jeder von uns helfen kann, ist hier nachzulesen.

Seine Eltern lassen das, was er aufbaute, nun weiterleben. Ich durfte sie anlässlich des Rosenmontagsballs des KV Weiterstadts kennenlernen. Sie nahmen eine posthume Auszeichnung für ihren Sohn entgegen. Es war ein sehr ergreifender Moment, nicht wenige Anwesende konnten die Tränen nicht zurückhalten. Dazu gehörte ich auch.

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Seit Monaten trage ich eines dieser blau-weißen Gummibänder. Tag und Nacht, ich lege es nie ab. Und ausgerechnet an diesem Abend hatte ich es zu Hause gelassen. Ich dachte, wenn ich schon mal auf einen Ball gehe, soll es richtig elegant sein. Da stand ich dann da, die Eltern von Johnny auf der Bühne und meine Eitelkeit im Nacken. Es hat mich tief beschämt!

KATE GOES … POLITICS

Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mir ein Parteibuch in die Tasche gesteckt habe. Denn eigentlich müsste die Partei, die für mich das Richtige ist, erst  noch erfunden werden. Im Prinzip ist es so, dass ich mit einzelnen Punkten der meisten Parteien in irgendeiner Art und Weise konform gehe. Aber ich gehe davon aus, das geht den meisten Anderen auch so. Bei uns in der Familie gibt es auch keine Traditionspartei. Meine Großeltern wählten zwar Zeit ihres Lebens die SPD, meine Mutter jedoch genauso lange die CDU. Ich persönlich habe mich von dem Moment an, wo ich berechtigt war, meine Kreuzchen zu machen, ein bisschen ausprobiert. Es dauerte eine Weile, bis die Kreuzchen permanent bei der SPD landeten. Und das hat die Partei Helmut Schmidt zu verdanken.

Wie ja schon vielfach hier zu lesen war, habe ich zu einigen Dingen eine Meinung. Mit der habe ich noch nie so wirklich hinterm Berg gehalten. Allerdings gehöre ich auch nicht zu den Leuten, die nur meckern, sondern ich versuche zumindest, auch mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln eine Verbesserung der Lage zu erreichen. Mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg, aber Versuch macht klug, oder wie heißt das so schön. Genau einen solchen startete ich, kurz nach meinem Umzug nach Weiterstadt, als eine für viele Anwohner unseres Wohngebietes unerträgliche Verkehrssituation dazu führte, dass die Menschen etwas ändern wollten. Mit ein paar unverzagten gründete ich eine Bürgerinitiatve, etwas laienhaft noch, aber immerhin mit dem Hintergedanken, uns Gehör und der Riedbahn etwas mehr Ruhe zu verschaffen. Das ich damit ausgerechnet dem SPD-Baron der Riedbahn auf die Füße trat, war mir nicht bewusst. Nach einem kurzen Schlagabtausch musste ich zugeben, dass wir eigentlich das Gleiche wollten. Da unsere Bürgerintiative sich langsam aber sicher zur One-Woman-Show entwickelte, zögerte ich nicht allzu lange und steckte mir das rote Parteibuch in die Tasche um vielleicht auf diesem Wege mehr zu erreichen. Inzwischen hat sich die Situation tatsächlich um Einiges entschärft. Die Stadt hat Regularien gefunden, die überdimensionierten Verkehrsströme an besonders einkaufsstarken Tagen schneller abfließen zu lassen. Und auch ich habe einen Weg gefunden, mir weiterhin Gehör zu verschaffen und meine Ideen einzubringen.

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Seit April letzten Jahres sitze ich für die Weiterstädter SPD im Stadtparlament und zusätzlich im Haupt-und Finanzausschuss. Eine ganz interessante Erfahrung, auch wenn ich vor allem über die kommunale Finanzwelt noch so einiges Lernen muss. Mehr dazu HIER.

Was mich alledings manchmal den Kopf schütteln lässt, ist die Diskussionskultur in diesem Hause. Da gibt es Menschen, die sind prinzipiell erst mal dagegen, egal von welcher Seite der Vorschlag oder Antrag kommt, auch egal, ob sie in der letzten Legislaturperiode genau diesen Antrag einmal selbst gefördert haben und noch egaler, wenn das Thema längst vom Tisch ist, sprich beschlossen oder abgelehnt oder sonstwie reguliert. Kämen da wenigstens Argumente, denen man auch nur im Ansatz folgen könnte, ein Hauch von Akzeptanz oder Verständnis entgegen bringen könnnte. Aber nichts dergleichen. Wie soll man diskutieren, wenn man lediglich die Möglichkeit hat, dem Gegner seine eigene Unzulänglichkeit entgegenzuhalten, weil alles andere nicht fruchtet.

Diskutieren will gelernt sein. Man darf nicht vergessen, dass es sich dabei um ein ständiges Geben und Nehmen handelt, um ein Miteinander, nicht Gegeneinander. Ich mache es für mein Leben gerne. Und habe seit einigen Jahren einen hervorragenden Trainer und Sparingspartner in Form meines Nachbarn gefunden. Natürlich gibt es auch Momente, in denen er mich bis zur Weißglut reizt und ich ihn am liebsten via One-Way-Ticket auf den Mond befördern würde. Aber das storniere ich immer ganz schnell wieder, denn es macht einfach zu viel Spaß, sich über alles … aber auch wirklich ALLES … gepflegt austauschen zu können.