Archiv der Kategorie: GESUNDHEIT

DeTox – Protokoll eines Selbstversuches (6)

Zwei Wochen läuft diese Aktion jetzt schon und nach den anfänglichen Hürden fühle ich mich nun richtig wohl. Endlich gab es diese Woche wieder was zwischen die Zähne. Ein Obstsalat zum Frühstück, blanchiertes oder in wenig Olivenöl gebratenes Gemüse, mal eine Gemüsesuppe mit reichlichen „Stückchen“! Keine Spur mehr von akuter Müdigkeit tagsüber oder irgendwelchen Schmerzen.

Der Speiseplan wird diese Woche etwas erweitert. Ich denke, mein Magen und Darm verkraftet jetzt auch wieder Rohkost, ohne allzuviel zu randalieren. Außerdem möchte ich nicht länger auf mein geliebtes Naturyoghurt verzichten. Da ich mit dem Sport wieder anfangen werde, ist so ein bisschen zusätzliches Eiweiß wohl ganz hilfreich. Desweiteren kommen Nüsse in den Salat, bzw. als Knabbereien für zwischendurch, sie sind reich an Vitamin B und anderen wertvollen Inhaltsstoffen.

Da Fleisch noch nicht auf meinem Einkaufszettel steht, mein Eisenwert aber eh immer ziemlich grenzwertig ist, versuche ich ihn mit Trockenobst (Pflaumen und Aprikosen) aufzupeppen. Ist mir so in den Schwangerschaften auch sehr gut gelungen.

Die zwei Wochen haben erfreulicher Weise einen Gewichtsverlust von fast sieben Kilogramm gebracht. Da geht bestimmt noch was!

To be contunued …

DeTox – Protokoll eines Selbstversuches (5)

Wie versprochen habe ich tatsächlich das ganze Wochenende noch brav ausschießlich flüßig gelebt. Und es lief wider Erwarten immer besser. Zwar knurrte es gelegentlich auffordernd im Bauch, aber nichts tat mehr weh und ich habe mich auch  nicht schlapp gefühlt. Dabei war das Wochenende sehr arbeitsintensiv! Sowohl Samstag als auch Sonntag zeigt mein Schrittzähler abends mehr als 15.000 Schritte an und auch ansonsten gab es eine Menge anstrengende Arbeit zu erledigen. Besonders stolz bin ich auf die Tatsache, dass ich mich vom absolut köstliche duftenden und malerisch aussehenden Blechkuchen am Sonntag nicht verführen ließ. Den habe ich den ganzen Tag verkauft und blieb trotzdem standhaft! Kurz auf die Schulter klopf …

Montagmorgen war dann in aller Herrgottsfrühe Großeinkauf angesagt. Dies galt besonders der Obst- und Gemüseabteilung.

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Ich durfte ja endlich wieder ein bisschen feste Nahrung zu mir nehmen, zumindest in eben dieser Form. Da ich mich noch nicht so an Rohkost rantraue, wählte ich Gemüsesorten, die auch prima schmecken, wenn man sie nur kurz in Gemüsebrühe blanchiert oder leicht in einem Hauch von Olivenöl anbrät und gar dünstet. Vom Einkaufen zurück zelebrierte ich mein Frühstück wie ich es schon lange nicht mehr getan habe. Ich schnitt einen Apfel und eine halbe Banane in kleine Stücke, drapierte sie auf einem Kuchenteller und aß sie genüsslich mit der Gabel. Was ein Hochgenuss. Ich kaute und kaute und kaute ..

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Da ich jetzt ja wieder Vitamine in fester Form einwerfen konnte, fuhr ich den Obstsaftverbrauch etwas zurück, bzw. verdünnte das Ganze etwas mehr, zumal mir die Süße der Säfte auch langsam zu viel wurde. Auch Gemüsebrühe strich ich wieder vom Speisezettel, denn mittags gab es ja darin blanchiertes Gemüse und ich nahm einfach davon einen kräftigen Schluck. Nach wie vor hielt ich den Kaffeekonsum sehr kurz, vielleicht drei Tassen am Tag und auch die Zigaretten blieben bei den 10 bis 15. Ich fühle mich rund um wohl, die alte Energie ist wieder da. Schon morgens renne ich in den Keller zur Wäsche, ohne – wie vorher – darüber zu lammentieren, wie anstrengend das doch ist.

Einen Nachteil hat die neu entdeckte feste Nahrung aber doch. Mit dem Füllen des Magens kam das Meckern, wenn nichts mehr drin war, sprich es knurrte und fühlte sich nach Hunger an. Aber noch half ein großes Glas stilles Mineralwasser darüber hinweg. Ach ja, nach so langer Kauabstinenz bekam ich tatsächlich Muskelkater vom besonders gründlichem Zuermalmen der Nahrung. Aber das nahm ich gerne in Kauf! Der große Vorteil dieser 10 Tage waren gut 5 Kilo weniger auf der Waage. Da meckern wir mal nicht über ein bisschen ziehen in den Wangen … lalalala.

Ab nächste Woche geht es weiter mit Salat und Rohkost. Vielleicht teste ich dann auch mein geliebtes Naturyoghurt morgens wieder an. Mit Fleisch – sprich Geflügel oder auch Fisch – warte ich noch eine Woche und noch mindetens zwei Wochen mit Kohlenhydraten. Natürlich immer vorausgesetzt, es geht mir weiterhin so gut!

To be continued ….

DeTox – Protokoll eines Selbstversuches (3)

Ach was ist so eine durchgeschlafene Nacht und ein entspannter Schlaf doch schön! Der Tag startete auch gewichtstechnisch positiv, das Kilo mehr von gestern war mit samt einem zweiten verschwunden. Die morgendliche Tasse Kaffee, die ich mir nach wie vor nicht verkneife, tat ihr Übriges dazu, meine Laune zu verbessern.

Was meinen Alltag nach wie vor trübte, waren die Muskelschmerzen, vor allem in den Beinen. Noch mehr Magnesium wollte ich nicht einnehmen. In Bewegung war es ok, aber sitzen machte keinen Spaß. Im Büro ist da aber nicht so viel Auswahl. Gegen Abend bin ich dann mal eine halbe Stunde strammen Fußes spazieren gegangen und habe ein bisschen Gymnastik gemacht. Danach ging es.

Sehr positiv ist mir aufgefallen, dass mein Zigarettenkonsum sich drastisch reduziert hat. Von 20-25 am Tag auf etwa 10-15. Nun muss ich dazu sagen, dass ich normalerweise beim Rauchen immer eine Tasse Kaffee trinke. Mit Gemüsebrühe oder Ingwertee schmeckt es halt nicht so gut!

Auch der Hunger ist eigentlich kein Thema. Vor dem zu Bett gehen fing es mal heftig an zu knurren, aber ich habe dem Ganzen mit einem großen Glas verdünntem Saft Einhalt geboten. Was mir aber wirklich langsam fehlt, ist etwas zum Beißen zwischen den Zähnen. Kaugummi ist für mich keine Alternative, das mag ich einfach nicht. Vielleicht probiere ich es mal mit ein paar Nüssen über den Tag verteilt. Aber bis Sonntag wollte ich „rein flüßig“ durchhalten. Außerdem vermisse ich mein morgendliches Yoghurt. Na ja, das Leben ist eben kein Wunschkonzert, gesund ist manchmal mühsam und entbehrungsreich.

Konzentration und Müdigkeit sind nach wie vor kein Thema, das ist viel wert!

To be continued ….

DeTox – Protokoll eines Selbstversuches (2)

Wider Erwarten verlief die Nacht entspannt und schlafreich. Mehr als sechs Stunden, das hatte ich seit Wochen nicht! Voll motiviert verließ ich mein Bett, kurzer Besuch im Sanitärbereich, dann der Gang auf die Waage. Schock! Mehr als ein Kilo drauf. Was soll denn der Mist! Ok, Nachdenken! Klar, der Körper hat nach dem Entzug jeglicher fester Nahrung auf Notstromaggregat umgeschaltet und bunkert erst mal alles was kommt, damit auch Flüssigkeit, also keep cool and calm down.

Da ich davon ausgegangen bin, dass die zunehmenden Kopfschmerzen am Tag vorher durch den Kaffeeentzug mit verursacht waren – von gut zwei Litern auf nahezu Null – nahm ich das mal als Ausrede, mir auch diesmal die eine Tasse nicht zu verwehren, dürfen hin oder her. Schien zu wirken, denn der ganze Tag blieb Kopfschmerz frei.

Er blieb auch Hunger frei, ja sogar frei von der Überlegung, irgendetwas zu essen. Um mich rum tat man dergleichen reichlich, aber es führte mich in keinster Weise in Versuchung. Zwar grummelte es gelegentlich in der Magengegend, das waren aber eher Trockenübungen als Warnsignale. Wobei „Trocken“ nicht ganz stimmt, schließlich befanden sich nahezu dauerhaft immense Flüßigkeitsmengen darin – Tsunamigefahr bei jeder Bewegung!

Lustlosigkeit und Konzentrationsschwächen der Tage vorher blieben aus, die Müdigkeit und damit das Dauergähnen setzten erst gegen 21:00 Uhr ein, das war ja ok, fand ich. Neu dazu kamen leichte Muskelschmerzen, also setzte ich die tägliche Dosis Magnesium etwas hoch. Mal sehen, was die nächsten Tage noch so bringen … Für den Moment war ich ganz zufrieden.

To be continued …

STÄBCHEN REIN – SPENDER SEIN

Eigentlich war es nur eine verrückte Idee. Aber sie hat sich festgesetzt und wird nun umgesetzt. Angefangen hat alles beim Heimspiel der Lilien (SV Darmstadt 98) gegen Bochum. Die Fu-Fa-Abteilung des SV 98, das Fan Projekt und der Block 1898 riefen zu einer großen Typisierungsaktion für Marion auf. Marion ist eine 61 jährige Dame, die an Leukämie erkrankt ist. Selbst Lilienfan, ist sie auch Mutter eines der Vorsänger aus dem Fanblock, dem Verein also in vieler Hinsicht verbunden.

Marion 1

Um es kurz zu fassen, etwa 600 Menschen ließen sich bei dieser Gelegenheit registrieren. Eine wahnsinnige Menge und doch kamen nicht alle dran. Spender und Sponsoren brachten die immense Summe von ca. 30.000 Euro für die DKMS auf.

Auf dem Heimweg musste ich an unsere Gesundheitsmesse in Weiterstadt denken. Wäre doch eine feine Sache, wenn wir das dort fortsetzen könnten. Denn wo gibt es mehr Menschen, die sich um solche Dinge kümmern und sich dafür interessieren als anlässlich eines solchen Invents. Da ich diese Messe pressetechnisch für den Gewerbeverein betreue, war der Dienstweg kurz und der Vorstand schnell einverstanden. Jetzt galt es Kontakte zu den Organisatoren der letzten Aktion herzustellen. Das war schnell  geschehen und wurde freudig aufgenommen. Etwas problematischere gestaltete sich die Einigung mit der DKMS. Die waren der Meinung, dass sie keine guten Erfahrungen mit solchen Aktionen auf Messen hätten, es kämen zu wenig Freiwillige. Puh … dem Abteilungsleiter der Fu-Fa und mir ging erst mal die Hutschnur hoch. Denn ist es nicht so, dass JEDER Registrierte ein potentieller Lebensretter sein kann und schließlich wir die Arbeit für sie erledigen, ehrenamtlich! Markus gelang es dann aber doch, sie zu überzeugen.

Für mich war das der Startschuss, die Werbe-und Promotiontrommel zu rühren. Sämtliche mir bekannten medialen Kontakte wurde angetiggert. Inzwischen gab es mehrere Zeitungsberichte, Radio und Fernsehen sind darauf aufmerksam geworden, heute Abend gehen wir sogar live mit dem Thema in einer Radiosendung bei Radio Darmstadt (Sendeschiene Offenes Haus, Dienstag, 17:00 – 18:00 Uhr). Da es vielen Lilienfans gab, die aufgrund der total ausgelasteten Logistik der letzten Aktion nicht mehr zur Registrierung kamen, wurde es auch mehrfach am Bölle (Merck Stadion am Böllenfalltor, Heimstadion der Lilien) angesagt.

Jetzt können wir nur warten und hoffen. Auf viele Freiwillige und auf den Zufall, dass unter ihnen jemand ist, der eventuell Marion oder einem anderen Erkrankten als Lebensretter dienen kann.

Für alle, die gerne mitmachen wollen, hier die Eckdaten:

3. Weiterstädter Gesundheitsmesse am 01.10.2017 von 10:00 – 18:00 Uhr. Typisiert wird von 13:00 bis 16:00 Uhr, alles im Weiterstädter Bürgerzentrum, Carl-Ulrich-Straße 9-13, 64331 Weiterstadt. Mehr könnt ihr hier lesen.

DeTox – Protokoll eines Selbstversuches

Magenschmerzen waren an der Tagesordnung, Kopfschmerzen verbündeten sich mit ihnen. Ständig das Gefühl, nichts geht mehr, nur noch schlapp, keine Antrieb, keine Energie. Eine Blasenentzüngung jagte die nächste Pilzinfektion. Es grummelte in einem fort im Gedärm. Standardnahrung tagsüber: Kaffee und Zigaretten. Und abends dann den Bauch voll schlagen, bis die Übelkeit Einhalt gebot und trotzdem noch irgendwie auf der Jagd nach dem nächsten Essbaren.

So ging es nicht weiter! Aber für so eine „normale“ Ernährungsweise stand der innere Schweinehund ständig sabbernd und schwanzwedelnd zwischen mir und dem gesunden Essen. Also musste die Hammermethode herhalten. In der Apotheke Glaubersalz zum Abführen besorgt, ungezählte Packungen verschiedenster Kräutertees erworben, dazu Bio-Gemüsebrühe und unterschiedliche Direktsäfte. Noch ein paar Zitronen und Ingwer. Es konnte los gehen.

Den letzten Kaffee am morgen zelebrierte ich mit Andacht und Hingabe, wohl ein Abschied für ein paar Tage. Dann den Tag irgendwie angefangen und schließlich mit dem Glaubersalz in der Hand vor dem Waschbecken gestanden. Laut Packungsbeilage 2 Teelöffel auf einen Viertelliter. Damit es nicht zu gruselig schmeckt, noch den Saft einer halben Zitrone reingequetscht. Und dann in kleinen Schlucken … Hm, hatte es schlimmer erwartet. Also noch mal so eine Portion, damit der Anfang zügig über die Bühne geht.

Die Wirkung ließ etwa eine Stunde auf sich warten und war, na ja, erfolgreich! Drei, vier Gänge in zwei Stunden sind auszuhalten, voweg ein gewaltiges Gegrummel um den Bauchnabel herum.

Merkwürdiger Weise hatte ich kein Verlangen nach fester Nahrung, obwohl diese überall um mich herum stand. Flüßigkeitsverluste wurden mit reichlich Kräutertee, stillem Mineralwasse und zwei bis drei Tassen Gemüsebrühe ausgeglichen. Es ging gut bis zum frühen Nachmittag. Dann kam das Dauergähnen und die Sucht nach einer Tasse Kaffee. Oder zwei … oder drei. Aber ich blieb standhaft. Dann kamen leider auch die Kopfschmerzen wieder. Mehr trinken … Wasser … jedes Aquarium wäre neidisch. Half nicht wirklich. Müde ohne Ende wurde selbst Treppensteigen zum Problem.

Der Nachmittag, der Abend – auch noch mit Termin – zog sich endlos. Ich habe früh die Segel gestrichen und hoffte, dass Schlaf die Kopfschmerzen vertreiben würde, falls meine dauergefüllte Blase überhaupt zulassen würde, länger als zwei Stunden am Stück die Augen auf zu machen.

Morgen geht es weiter …

KLINIKAUFNAHME: SIE HABEN IHR ZIEL ERREICHT!

Wenn mein (inneres) Navi mir vorher gesagt hätte, mit wie vielen Schlaglöchern, Einbahnstraßen, Umleitungen, Staus und Vollsperrungen der mühsame Weg zum Zielpunkt Klinik gepflastert sein würde … ich hätte es zurück zum Hersteller geschickt!

Der Montag begann mit einem Besuch beim Hausarzt, zur Wundversorgung. Außerdem wollten wir den Konsiliarbericht für den Therapeuten abholen. Meine Tochter sprach auch einen Moment alleine mit ihm. Der sonst so fröhliche Mann nahm sichtlich Anteil an ihrem Zustand, sie hat viel Vertrauen zu ihm und erzählte freimütig von Dingen, die nicht in dem ihm vorliegenden Berichten stand. Und so fand sich in dem Konsiliarbericht neben den zunehmenden depressiven Stimmungen auch die Bemerkung über wiederkehrende suizidale Gedanken. Es schwarz auf weiß zu lesen war ganz schön beängstigend, obwohl sie mit mir auch schon darüber gesprochen hatte. Ich sah es als Chance, uns die Kliniktüren zu öffnen. Ich telefonierte mit dem Therapeuten und wir verblieben so, dass wir auf jeden Fall den Termin am Abend wahrnehmen wollten. Irgendwie überbrückten wir den Tag, zum Glück verlief er ereignislos.

Gegen Ende der abendlichen Sitzung setzten wir uns kurz zu dritt zusammen. Der Therapeut war – so unsinnig das jetzt auch klingen mag – sehr zufrieden mit meiner Tochter. Sie würde sehr offen mit ihm reden, was absolut notwendig sei, um eine erfolgreiche Therapie zu starten. Er war davon überzeugt, dass sich ihr Zustand auch bessern würde, wenn man zwei Therapiestunden pro Woche ansetzen würde. Sah aber auch, dass der Wunsch meiner Tochter nach der Sicherheit der Klinik im Moment im Vordergrund stand. Eine überschaubare Zeit in der Klinik würde ihr die nötige Sicherheit und Stärke bringen, um dann erfolgreich die Therapie zu starten. Er wollte sich noch am Abend mit der Klinik in Verbindung setzen und um unverzügliche Aufnahme bitten.

Relativ beruhigt fuhren wir nach Hause. Am Dienstag Morgen begann ich mit telefonieren. Besetzt … besetzt … besetzt … Zwischenzeitlich kontaktierte ich den Therapeuten. Er hatte abends zwar jemanden ans Telefon bekommen, aber wohl nur den Pförtner, der alles ausrichten wollte, einen Rückruf gab es bis dato noch nicht. Um zwölf hatte ich dann Erfolg, endlich die Sekretärin von der Ambulanz. Sie versprach, sich sofort um einen Rückruf zu kümmern, Notfallsprechstunde hätte die Psychiaterin, die mein Kind medikamentös betreute. Eine Stunde später erhielt ich tatsächlich einen Rückruf, allerdings von einer mir fremden Dame. Wie sich herausstellte, war es die Nachfolgerin von der Psychologin, die bis dato für das Kind zuständig war. Ihre Frage, was sie für mich tun könne, konnte ich ja noch irgendwie verstehen. Doch als ich dann tatsächlich von ganz vorne anfangen musste zu erzählen, obwohl wir zwischenzeitlich schon so oft dort waren, machte mich stutzig. Irgendwann erlaubte ich mir die Frage, ob wir überhaupt von der gleichen Patientin redeten. Sie gab dann zu, dass sie sich noch nicht einmal die Akte vom PC gezogen hatte. Mir ging schon das erste Mal die Hutschnur hoch. Dann wollte sie uns – nachdem ich praktisch alles dreimal erzählt hatte –  auf den bereits vor sechs Monaten ausgemachten vierteljährlichen Kontrolltermin in der nächsten Woche vertrösten. Ich wurde etwas lauter und wiederholte den Befund vom Hausarzt, die Empfehlung vom Therapeuten und die Not, in der sich meine Tochter befand, um sich derart selbst zu verletzen und auch die Tatsache, dass ich nicht 24 Stunden am Tag für ihre Sicherheit zu Hause garantieren könne. Sie wollte mir etwas vom Klinikalltag erzählen und dass der ja schon Veränderungen bringen würde. Noch ungehaltener unterbrach ich sie, um sie erneut darauf hinzuweisen, dass uns das alles bekannt ist. Schließlich bequemte sie sich, uns einen Termin für 14:00 anzubieten. Ich sagte zu.

In einem erneuten Telefonat mit dem Therapeuten, der auch fassungslos über das Verhalten seiner Kollegin war, stellten wir einen Schlachtplan auf. Während der Fahrt zur Klinik besprach ich mit meiner Tochter, wie wir bei dem bevorstehenden Gespräch vorgehen wollten, um die Dame von der Notwendigkeit einer stationären Aufnahme zu überzeugen. Die Ambulanztherapeutin sprach zuerst alleine mit dem Kind. Als sie rauskam, konnte ich an ihrem Gesicht sehen, dass es nicht gut gelaufen war. Ich kam in den Raum und das erste, was ich sah, war der schon bekannte Zettel, auf dem meine Tochter mit ihrer Unterschrift bestätigen sollte, dass sie sich die nächsten vierzehn Tage nichts antun würde. Am liebsten hätte ich laut gelacht, wäre die Situation nicht so dramatisch. Ich machte der Dame klar, dass dieser Zettel schon mehrfach unterschrieben wurde, die Ergebnisse könne sie an Armen und Beinen meiner Tochter gerne nachzählen. Ich wiederholte erneut, dass ich nicht für die Sicherheit meines Kindes zu Hause garantieren könne, denn schließlich müsse ich arbeiten gehen und selbst wenn ich da wäre, könnte ich nicht 24 Stunden am Tag neben ihr sitzen, um sie vom Ritzen oder Schlimmeren abhalten, wie der Samstag ja gezeigt hätte. Sie fragte das Kind dann doch tatsächlich, ob sie schon einmal konkrete Pläne für einen Suizid gefasst hätte und wenn ja wie. Meine Tochter beantwortete auch diese Frage wahrheitsgemäß mit einem Ja und fügte an, dass nur die Gegenwart ihrer jüngeren Schwester sie damals davon abgehalten hätte. Als dann als Gegenargument von der Dame am anderen Ende des Tisches kam, dass sie sich ja immer „nur“ quer ritzen würde und nicht längst und somit kaum eine Gefahr bestehen würde, dass sie verblutete, war es einfach genug! Ich sagte ihr, dass ich mich leider gezwungen sähe, die Polizei zu rufen, da mein Kind Suizidgedanken geäußert hätte und uns hier in der Klinik die notwendige Hilfe verweigert würde. Das zog. Nach einem kurzen Gespräch mit ihrem Vorgesetzten bekamen wir für Mittwoch Mittag einen Termin für die stationäre Aufnahme.

Ich glaube, in dieser Nacht schliefen wir beide kaum und das nicht, weil Vollmond war. Mit sehr gemischten Gefühlen fuhren wir mittags wieder in die Klinik. Doch zum Glück waren sowohl die Oberärztin als auch der verantwortliche Psychotherapeut der aufnehmenden Station um vieles kompetenter als die Kollegin in der Ambulanz und so ließ ich mein Kind halbwegs beruhigt dort.

Der Heimweg alleine war nicht schön. Aber ich bin überzeugt, dass wir das Richtige getan haben und meinem Kind jetzt die Hilfe zuteil wird, die es braucht, um in Zukunft mit neuer Kraft ihr Leben zu meistern.