ELEKTOMOBILITÄT – RETTUNG ODER AUSREDE?

Die Situation rund um die Elektromobilität, besonders um die durch Prämien angepriesenen E-Autos, erinnert mich irgendwie an die 80er Jahre, als man Atomstrom als das Nonplusultra ansah, ohne die Risiken und Nebenwirkungen sehen zu wollen. Ein unausgereiftes, nicht zu Ende gedachtes System wurde auf den Markt geworfen. War es Blauäugigkeit oder Berechnung, hier scheiden sich die Geister. „Atomstrom nein Danke! Mein Strom kommt aus der Steckdose!“

Nüchtern betrachtet, wie es in der neuen Clausthaler Werbung so schön heißt, ist es hier nicht anders. Der neue Hype ist bestimmt auch begründet im bösen Buhmann Diesel(Skandal), kam ja gerade ganz passend. Nichts spricht gegen die Umstellung auf E-Fahrzeuge … in vielleicht 10 Jahren … wenn nicht nur das Produkt ausgereift ist und für alle alltags tauglich (finanzierbar) gemacht wurde, sondern auch der gesamte Produktionsprozess den Ansprüchen der Umweltverträglichkeit angepasst wurde.

Warum müssen wir dieses wertvolle Pferd von hinten aufzäumen?

Elektrofahrzeuge entlasten die Umwelt, weil sie keine Schadstoffe ausstoßen. Stimmt. Damit hören für mich aber auch erst mal die Vorteile auf. Die meisten der Modelle sind trotz Prämie für Ottonormalverbraucher kaum zu finanzieren. Neben dem astronomischen Kaufpreis kommt pro Monat die Miete der Energiezelle dazu. Und (Strom) tanken müssen sie auch. Aufgrund der momentan niedrigen Ölpreise liegt der Preis für den Spritverbrauch auf 100 km bei Dieselfahrzeugen im ähnlichen Rahmen wie die Kosten für den Stromverbrauch. Jedoch eignet sich die Reichweite der meisten Modelle lediglich für den leicht erweiterten Stadtverkehr, das Tanken dauert in der Regel Stunden, sieht man von den vereinzelten Schnellladestationen ab, die es vielleicht in 30 Minuten schaffen.

Strom ist nicht nur die Grundlage für den Fahrzeugantrieb. Er ist Basis für die gesamte Fahrzeugproduktion. Doch wie sieht es mit der Umweltverträglichkeit der Stromproduktion aus? Ja natürlich, wir fahren die Atomkraftwerke runter, weil wir inzwischen erkannt haben, wie Tod bringend diese sich auf Mensch und Umwelt auswirken können. Die Stromgewinnung durch Kohle bzw. Gas soll ebenfalls nach und nach ersetzt werden, denn bei der Produktion werden nicht nur tonnenweise Abgase freigesetzt, sondern fossile Rohstoffe wie Kohle, Öl oder Gas sind endlich. Also müssen alternative Energiequellen her. Solarenergie, für private Zwecke bestimmt eine feine Sache, doch allein aufgrund der raumgreifenden Solarpanelen und der Sonnenstunden in dieser Region nicht wirklich für industrielle Produktionen geeignet. Außerdem wissen wir inzwischen, dass die Entsorgung defekter Panelen auch nicht ganz komplikationslos ist. Windenergie könnte eine Alternative sein. Wer kennt sie nicht, die riesigen kreisenden Windräder, mal vereinzelt, in kleinen Gruppen oder in großen Herden an exponierten Stellen aufgestellt. Wind wird es immer geben, genauso wie die Skeptiker, die gegen diese Art der Energiegewinnung sind. Die Umweltverträglichkeit dieser hoch in den Himmel ragenden, monströsen Rotorblätter, ihr Einfluss auf Mensch und Natur in ihrem direktem Umfeld, ist nach wie vor nicht ausreichend untersucht. Von der Verschandelung der Landschaft wollen wir gar nicht erst reden. Es bleibt die Kraft des Wassers. Seit Jahrhunderten in kleinem Rahmen zum Antrieb unterschiedlichster Maschinen genutzt, ist die Technik, diese Urgewalt zur Energiegewinnung zu nutzen, sehr weit fortgeschritten. Trotzdem betrug 2016 der Anteil an durch Wasser produziertem Strom in Deutschland nur 3,3% (Windenergie 12,3%), dabei sind die Produktionskosten hier besonders gering.

Es gibt also genug Möglichkeiten der alternativen Energiegewinnung. Doch was nützt der Strom, der an der Nordsee erzeugt wird, wenn er keine Möglichkeit hat, nach Bayern zu kommen? Limitierender Faktor ist das zu gering ausgebaute Stromnetz, vor allem für Starkstrom. Es fehlen Trassen. Klar, daran wird gearbeitet, aber gut Ding will Weile haben. Warum also propagiere ich eine alternative Antriebsart, wenn zumindest im Moment die Produktion der Fahrzeuge und des Treibstoffes mindestens genauso umweltschädigend ist, wie der Betrieb herkömmlicher Fahrzeuge. Können wir nicht warten, bis wir in der Lage sind, tatsächlich ausreichend alternativ produzierten Strom zu erzeugen und zu verteilen oder gegebenenfalls zu speichern und dann mit der Herstellung und dem Vertrieb der Stromfahrzeuge beginnen. Keiner sagt, dass nicht in diese Richtung fleißig geforscht werden kann. Leistungsstarke, handliche Akkus müssen entwickelt werden, der Betankungsvorgang optimiert und vieles mehr.

Nicht zuletzt muss der Mythos Ökostrom zur Realität werden. Denn wenn ich als Verbraucher beim regionalen Anbieter Ökostrom kaufe, habe ich den in den seltensten Fällen auch in der Leitung. Der Anbieter kauft zwar analog zur bestellten Menge ein, doch verbraucht wird er da, was das vorhandene Netz ihn zur Verfügung stellt.

Photocredit: Dieter Schütz/pixelio.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s