DIE FRAU AN MEINER SEITE ODER WENN „ANDERS“ ALLTAG WIRD (16)

Ich habe ja schon von Janas Neurodermitis und ihren Krankenhausaufenthalten erzählt. Trotz der jetzt laufenden Hormontherapie litt sie nach wie vor an solchen Attacken. An einem Wochenende stand sie dann mal wieder völlig verzweifelt vor mir, zeigte mir ihre blutigen Beine und da stand fest, wir kamen um einen Besuch in der Notaufnahme nicht mehr vorbei. Wer schon einmal in der Notaufnahme, bzw. beim notärztlichen Dienst am Klinikum war, der weiß, dass es dort selten genau den Facharzt gibt, den die jeweilige Erkrankung erfordern würde. Als dann der junge Mann in Jogginghose und ausgeleiertem Shirt vor uns stand, wäre nicht nur Jana am liebsten wieder rückwärts raus, sondern ich auch. Er warf einen Blick auf die zerschundenen Beine und meinte: „Das haben Sie aber auch nicht erst seit gestern.“ Da mussten wir ihm wohl Recht geben. Er wusste noch nichts von Janas Transsexualität, wir erzählten ihm lediglich von der jahrelangen Kortisonbehandlung und den Ausbrüchen der letzten Monate. Wider Erwarten schien er nicht ganz ahnungslos, jedenfalls war er sich sehr schnell sicher, dass es sich dabei nicht um eine reine Neurodermitis handele, sondern diese gepaart sei mit psychischen Problemen. Auch hier konnten wir ihm  nicht widersprechen. Er riet dringend zu einer erneuten Vorstellung in der Hautklinik mit begleitender psychologischer Behandlung. Also hieß es Montagmorgen auf in die Hautklinik, wohl wissend dass Jana dort bleiben musste, was aufgrund ihrer sehr schlechten Erfahrungen bezüglich der Unterbringung in einem Männerzimmer, obwohl ihr ein Einzelzimmer versprochen wurde, wohl kaum umsetzbar war.

Wir schlugen also in der Hautklinik auf, hatten eine sehr einfühlsame Ärztin im Aufnahmegespräch. Trotzdem entschieden wir uns erst mal nichts von Janas Transsexualität zu sagen. Als Jana dann einmal aus dem Zimmer gehen musste, fragte mich die Ärztin, was denn los sei. Ich brach in Tränen aus, konnte einfach nicht mehr. Und erzählte ihr von der Transsexualität meiner Frau, von den schlechten Erfahrungen, die wir in genau dieser Klinik gemacht haben. Ich nahm kein Blatt vor den Mund und sagte klar, dass es natürlich besser für Jana sei, hier im Krankenhaus zu bleiben, dass sie es aber psychisch nicht verkraften würde, wieder in einem Männerzimmer untergebracht zu werden. Die Hormone hatten Wirkung gezeigt, auch äußerlich. Sie hatte Brüste entwickelt, wurde im Ganzen ein bisschen runder, weicher, die Gesichtszüge etwas entspannter, nicht mehr so markant. Die Ärztin fiel aus allen Wolken und organisierte sofort ein Einzelzimmer für Jana und dazu die Möglichkeit, mit dem Klinikpsychologen Gespräche zu führen. Außerdem ordnete sie eine Therapieumstellung für die Haut an. Das Kortison wurde nach und nach reduziert, dafür gab es andere Medikamente, die die Hautstruktur nicht zusätzlich belasteten. Jana blieb eine längere Zeit in der Klinik. Wir sahen endlich – zumindest was die Haut betraf – ein Licht am Ende des Tunnels. Noch in der Klinik trat eine deutliche Verbesserung der Haut ein  und zu Hause setzte sich der Erfolg fort.

To be continued …

Ein Gedanke zu „DIE FRAU AN MEINER SEITE ODER WENN „ANDERS“ ALLTAG WIRD (16)“

  1. Hallo Kathrin, ich muß mal zu diesem Blogbeitrag meinen Senf zugeben. Gerade wegen des Hautproblems. Ich habe seit etlichen Jahren Ekzeme, Hautausschläge und so weiter. Erst an den Schienbeinen, später dann immer mehr im Gesicht und auf der Kopfhaut. Habe mindestens sechs verschiedene Hautärzte aufgesucht, alle mit den verschiedensten Diagnosen. Kein Medikament half bisher, auch die Salben brachten nicht den gewünschten Erfolg. Mein ehemaliger Chef, den ich vor ein paar Tagen wieder traf, meinte diesbezüglich, daß mein Hautproblem einen tieferen Ursprung haben könnte. Wenn ich nun Eure Situation mit meiner gleichsetze würde ich dieser Vermutung sogar zustimmen. Nur, wer kann mir da verläßlich eine medizinisch fundierte Meinung geben. Ich sehe zur Zeit weit und breit niemanden. Vielleicht hängt das ja auch mit meinem Problem zusammen.
    Liebe Grüße und gute Besserung für Jana
    Johanna

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