DIE FRAU AN MEINER SEITE ODER WENN „ANDERS“ ALLTAG WIRD (10)

Hier einmal ein kleines Erlebnis, dass uns in einer sehr schwierigen Phase sehr viel Mut und Durchhaltevermögen gegeben hat:

Matthias Outing als Jana zog immer größere Kreise. Und damit auch der Kontakt zu Paaren in ähnlicher Situation. So erzählte uns eine Nachbarin, dass sie mit einem Pärchen bekannt ist, bei dem der einstmals männliche Part den gleichen Weg wie Matthias ihn einschlagen wollte, gegangen ist. Mit dem Unterschied, dass sie die Geschlechtsangleichung bereits erfolgreich hinter sich gebracht hatte. Vorher waren sie eine „normale“ Familie mit Kind, so wie wir und es funktionierte auch weiterhin, trotz gelegentlicher Probleme. Matthias und ich nahmen den Kontakt auf. Es war eben doch ein Unterschied, ob man Hilfe und Informationen nur aus Selbsthilfegruppen oder Foren erhielt, oder einmal die Möglichkeit hatte, live mit Betroffenen zu reden.

So führte auch ich mit der Transidenten ein sehr offenes Telefonat, in dem wir auch intime Themen nicht aussparten. Es beruhigte mich schon zu hören, dass man nach solchen Phasen, die wir in letzter Zeit durchgemacht hatten, damit rechnen konnte, dass es irgendwann wieder im Einklang miteinander weitergehen würde. Noch hilfreicher – gerade für mich – war aber dann das Gespräch mit der Partnerin. Ihre Worte „Ja, das geht. Man kann damit leben!“ haben mir viel Mut gegeben und sehr gut getan. Sie kannte die Momente noch zu gut, wenn die Betroffenen anfangen, sich zu finden und auszuprobieren, sich alles nur noch um ihre Transsexualität dreht. Es gab mir das Gefühl, ich stehe da nicht alleine mit, es ist tatsächlich normal.

Da wir uns so gut verstanden und das Pärchen auch einen Sohn hatte, vereinbarten wir ein Treffen in einem Café. Im Vorfeld impfte ich unsere Kinder, die Erwachsenen nicht mit zu vielen Fragen zu bedrängen, sondern sich eher an den Sohn zu halten. Seine Erfahrungen waren für die beiden bestimmt auch verständlicher. Matthias, die Jungs und ich waren zuerst am Treffpunkt und warteten gespannt auf die andere Familie. Als sich dann die Tür öffnete, wollten wir erst gar nicht glauben, dass DAS die erwarteten Personen waren. Dort kamen tatsächlich zwei völlig natürlich wirkende Frauen, im Schlepptau einen Jugendlichen. Ja, die eine war ja schon operiert, aber trotzdem, ich hätte auf Anhieb nicht sagen können, welche der Beiden mal als Mann auf die Welt gekommen ist. Nun, damit konnte ich auf jeden Fall später leben, denn dann würde es keine abschätzenden Blicke mehr geben. Matthias bekam an diesem Nachmittag die Gelegenheit, sehr viele Fragen zu stellen. Es ging um Ärzte, Therapien, Hormone und vieles mehr. Und auch ihm tat es gut zu sehen, wie sich alles entwickeln könnte.

Auf dem Nachhauseweg riss Gustav uns aus den Gedanken. Er sagte: „Mama, gut, dass du gesagt hast, wir sollen die Erwachsenen nicht löchern. Ich hätte bestimmt die Falsche angesprochen!“ Lachend musste ich ihm zustimmen, denn auch ich hatte ja Probleme, die Transidente von ihrer Partnerin zu unterscheiden. Sie sah einfach so perfekt aus.

Leider haben wir inzwischen den Kontakt zu diesem Paar verloren. Sie hätten sich mit Sicherheit auch gewundert, wie aus der damals noch sehr männlichen Teilzeit-Jana eine Ganztagsfrau wurde.

 

To be continued …

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