TRAUMREISEN … SEELE BAUMELN LASSEN FÜR DIE INNERE RUHE

Der Tag, die Woche waren anstrengend. Der Biorhythmus völlig aus dem Gleichgewicht gebracht. Der Körper schreit nach Essen und Schlaf. Doch entweder wurde der Hunger übergangen oder wir haben versucht, den Frust wegzufressen. Von tiefer erholsamer Nachtruhe trennen uns Meilen, obwohl der nächste Morgen bestimmt kommt. An dem müssen wir wieder funktionieren. Aber wie soll das ohne das nötige Quäntchen Tiefschlaf pro Nacht nur gehen? Und der bleibt einfach aus, denn sobald wir – dem Drang des erschöpften Körpers Folge leistend – uns im Bett lang machen, gibt der Kopf Daueralarm. Da tanzen die ungeordneten Gedanken Samba auf den Nervenbahnen, begleitet von lauten Trommeln. Es fühlt sich an wie Rush Hour in einer Riesenmetropole. Wir sind machtlos, es gibt keine Ruhe, keine Ordnung. Das Durcheinander lässt den Körper vibrieren, an Schlaf ist nicht zu denken.

Ich habe mir angewöhnt, mich in solchen Momenten auf eine Traumreise zu begeben. Mit Rudi, meinem geliebten rosa Plüschschweinchen im Arm, kuschele ich mich in mein Bett. Meistens weigern sich die Augen noch eine Weile, geschlossen zu bleiben. Es hilft dann, einen Punkt zu fixieren, vielleicht das leuchtende Display des Telefons oder den roten Standby Punkt des Fernsehers. Dann beginnt die Reise. Doch ich trete sie nicht alleine an. Ich lasse mich von einer Person begleiten, die mir besonders viel bedeutet. Rufe mir ihr Gesicht in Erinnerung, ihre Stimme, vielleicht auch ihren Geruch. Und dann nimmt sie mich an der Hand und wir gehen los.

Es ist Winter, wir sind dick vermummelt. Die Welt ist schneebedeckt, die Luft klirrend kalt und unser Atem zeichnet sich als kleine weiße Wolken vor unseren Gesichtern ab. Wir stapfen einen sachten Hang hinauf, der gefrorene Schnee knirscht unter unseren Schritten. Die Bäume und Sträucher am Wegesrand sind von Eiskristallen überzogen, die facettenreich in der untergehenden Sonne glitzern. Spuren von Hasen, Rehen und Wildschweinen kreuzen unsere Route. All das nehmen wir auf, erfreuen uns daran. Auf der Anhöhe angekommen, halten wir einen Moment inne und genießen den Ausblick. In der flachen Talmulde unter uns sehen wir den zugefrorenen See glitzern, dünne Nebelschwaden wabbern darüber. In der aufziehenden Dämmerung können wir die Lichter der Hütte am Ufer schon deutlich sehen. Dort haben wir Quartier bezogen für diesen Tag, diesen Traum. Wir reden nicht viel, genießen die frische, kalte Luft, die unsere Wangen und Nasenspitzen kribbeln lässt. Hand in Hand machen wir uns auf den Rückweg. Die Wärme, die uns entgegenschlägt, als wir die knarzende Holztür der Hütte öffnen, tut gut, ist wohlig. Das knisternde Kaminfeuer erhellt den spärlich eingerichteten Raum, es duftet nach Nadelholz, Glühwein, ein bisschen weihnachtlich. Wir schälen uns aus den dicken Wintersachen. Hände, Füße und Gesicht fangen an zu bitzeln, während sie wieder warm werden. Der Feuerschein umschmeichelt unsere Gesichter. Ein paar kuschelige Decken und Kissen auf dem rohen Holzfußboden in der Nähe des wärmenden Kamins bilden ein gemütliches Lager, auf dem wir es uns bequem machen. Wir schlürfen geräuschvoll unseren Glühwein, knabbern an Käsehäppchen und Salzbrezeln herum und strecken uns dann auf den Decken aus. Die zuckenden Flammen sind herunter gebrannt, die Glut schimmert blutrot und strahlt eine wohltuende Wärme aus. Aneinander gekuschelt reden wir über Belanglosigkeiten, die Trägheit ergreift Besitz von uns. Die Haut hat die Wärme des Feuers gespeichert und fühlt sich glatt unter meinen Händen an, wie die Oberfläche eines von der Sonne erhitzten Flusskiesels. Irgendjemand summt ein Schlaflied … weißt du, wie viel Sternlein stehen … so, wie meine Mutter früher. Wohlbehagen, innere Ausgeglichenheit, körperliche Entspannung, Geborgenheit, Ruhe … all das breitet sich nach und nach aus. Ich registriere gerade noch im Unterbewusstsein, dass es meine Hände sind, die mich streicheln, meine Stimme ist, die das Schlaflied summt, bevor ich einschlafe. Tief und erholsam ist der Schlaf. Am nächsten Morgen ist der Kopf frei, die Gedanken sortiert und der Körper wieder leistungsfähig.

Eine wunderbare Art, einen hektischen, kräftezehrenden Arbeitstag zu beschließen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, kein Reiseziel ist zu weit, jeder darf mitfahren, das Kopfkino macht es möglich. Noch dazu kostet es nichts und der Schlaf stellt sich auch ohne chemische Hilfe ein. Bin gespannt, wohin die Reise das nächste Mal geht …

2 Kommentare zu „TRAUMREISEN … SEELE BAUMELN LASSEN FÜR DIE INNERE RUHE“

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