BUSFAHRERSTREIK … NÖTIG? … SOZIAL VERTRÄGLICH? …

Ab morgen werden in Hessen viele Busfahrer streiken. Zu einer Zeit, wo ausnahmsweise auch bei uns mal von Winter gesprochen werden kann, genau zum Ferienende. Dank dieser Maßnahme ist unser Stadtteil, genau wie zwei weitere unserer Kommune, komplett vom ÖPNV abgeschnitten. Nur wer in der Kernstadt oder einem direkt angrenzenden Stadtteil wohnt, kann – mit einem mehr oder weniger langen Fußmarsch verbunden – den örtlichen Bahnhof erreichen. Alle anderen sind auf das eigene Auto oder Mitfahrgelegenheiten angewiesen, auf Taxis, die Schüler auf das berühmte Mama-Taxi, oder müssen gezwungener Maßen zu Hause bleiben.

Streik ist ein Grundrecht, natürlich! Doch hier stellt sich mir die Frage, ob man es tatsächlich umsetzen sollte. Ist der eventuelle Nutzen einiger Weniger es tatsächlich wert, so vielen Mitbürgern solche Schwierigkeiten zu bereiten? Ver.di fordert für die Busfahrer privater Busunternehmen unter anderem eine stufenweise Stundenlohnerhöhung von 12,00 Euro auf 13,50 Euro. Eine der Begründungen lautet, dass Busfahrer aufgrund des niedrigen Stundenlohnes nur mit Hilfe staatlicher Unterstützung leben könnten. Hm … darf ich mal anmerken, dass der aktuelle Stundenlohn plus Sonn-und Feiertagszuschläge und Nachtarbeitszuschlag über 150% des derzeitigen Mindestlohnes beträgt. Darf ich weiterhin darauf aufmerksam machen, dass mit einem solchen Streik die sozial schwächer Gestellten erheblich belastet werden, die vielleicht gerne so ein Gehalt jeden Monat bekommen würden. Hier meine ich vor allem jene, die sich kein eigenes Auto leisten können, wie zum Beispiel Rentner oder Empfänger von Arbeitslosengeld und Ähnlichem. Diese Menschen sind auf den ÖPNV angewiesen, erreichen nun weder Arbeitsstellen, Schulen, wichtige Termine wie etwa auf dem Amt, vor Gericht oder beim Arzt, es sei denn sie greifen tief in die eigene Tasche. Darf ich außerdem kurz einwerfen, dass auch ich in den letzten zwei Jahren von einem solchen Stundenlohn geträumt hätte … und trotzdem ist es mir als allein erziehende Mutter zweier Teenager möglich, ein recht akzeptables Leben zu führen. Meine staatliche Unterstützung beschränkt sich auf Kindergeld. Dennoch lebe ich mit meinen Mädels in einer schönen drei Zimmer Wohnung, wir fahren ein Auto, waren alle drei im Urlaub und werden jeden Tag satt.

Ab morgen bin ich gezwungen, so lange der Streik dauert, täglich ca. 30 Kilometer zusätzlich Auto zu fahren, um meine Kinder in unterschiedliche Richtungen zur Schule zu fahren. Oh, ich vergaß zu erwähnen, dass der Nahverkehrsverbund für eine der ausgefallenen Buslinien Ersatzlinien aufgezeigt hat. Allerdings gelten die erst ab dem Hauptbahnhof der angrenzenden Stadt, hieße im Klartext einen etwa 40 minütigen Fußmarsch, was Blödsinn ist, denn 5 Minuten mehr und das Kind ist an der Schule. Ah, es gäbe ja laut Internetseite des Verkehrsverbundes noch die Möglichkeit des Call-a-Bike. Ähm .. ich hätte da gerne eines mit Elektromotor und Spikes, die Rechnung geht dann an Ver.di, so wie meine nächste Tankrechnung und die Taxiquittungen der Senioren und anderen Autolosen, die keine Mitfahrgelegenheit haben. Nein? Aber sicher doch! Nicht zu vergessen die Regulierung der eventuell zusätzlich auftretenden Unfälle im Straßenverkehr aufgrund erhöhtem Verkehrsaufkommen, der Verdienstausfall im Falle des Nichterreichens der Arbeitsstelle, der Produktionsausfall wegen fehlender Arbeitnehmer, der Ausgleich zusätzliche entstandener Umweltschäden durch erhebliche Abgasmehrbelastung etc., pp. …

Also jetzt mal ehrlich … kann man das noch als sozialverträgliche Maßnahme bezeichnen, Grundrecht hin oder her? Müssen wir jetzt vielleicht eine Gewerkschaft gründen, die uns vor den Schäden der Streiks durch andere Gewerkschaften schützt, mit so was Ähnlichem wie Antistreikgeld. Wäre doch bestimmt auch ein Nischengeschäft für clevere Versicherungsunternehmen.

Liebe ver.di … stellvertretend für alle Gewerkschaften … wer hoch pokert muss was auf der Hand haben, bluffen auf Kosten noch Schwächerer ist unfair. Liebe Nahverkehrsunternehmen … stellvertretend für andere Arbeitgeber … die Wirtschaft brummt, sprich zum Januar wurden die Fahrpreise erhöht. Wenn ihr all in gehen wollt, dann spart an der richtigen Stelle. In diesem speziellen Fall zum Beispiel an dem wochenlangen Bau eines unnützen Fahrradunterstandes an der Bushaltestelle unweit meiner Wohnung (Hat mehrere Tausend Euro gekostet und ist bestimmt nicht der Einzige, voraussichtlich nicht bis wenig Frequentierte seiner Art). Mal über den Tellerrand schauen, Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten, das würde euch allen gut zu Gesicht stehen. Aussitzen dagegen ist unsozial und trifft die sozial noch schwächeren für die keiner auf die Barrikaden geht. Bleibt fair, nicht nur den eigenen Mitgliedern und Funktionären gegenüber!

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