STERNENKINDER … DEM AUGE FERN, DEM HERZEN SO NAHE

Wenn ein Mensch stirbt, ist es immer ein großer Verlust für die Hinterbliebenen. Hatte er ein erfülltes Leben, oder starb er nach langer, schwerer Krankheit, kann das nach der ersten schweren Zeit der Trauer beruhigend wirken. Ganz anders fühlt es sich jedoch an, wenn ein Kind aus dem Leben scheidet. War doch die gemeinsame Zeit hier auf Erden für alle Betroffenen viel zu kurz. Die Eltern wurden der Möglichkeit beraubt, ihr Kind heranwachsen zu sehen, gemeinsam durchs Leben zu gehen und kleine oder große Probleme Hand in Hand zu lösen. Was bleibt, sind die Erinnerungen und die Möglichkeit, sich am Grab dem verstorbenen Kind so nahe wie möglich zu fühlen. Doch wo sind die Erinnerungen, wenn das kleine Wesen nie die Chance auf Leben hatte? Wenn es tot geboren wurde oder bei oder kurz nach der Geburt verstarb. So eine stille Geburt ist ein so unbeschreiblich trauriges Erlebnis für die Eltern, die sich wochenlang auf den Nachwuchs gefreut haben. Die Mutter hat das neue Leben in sich wachsen spüren, vielleicht gefühlt, wie es beginnt sich zu bewegen. Beide konnten das kleine Herzchen auf dem Ultraschall schlagen sehen, suchten Namen für den neuen Erdenbewohner. Und dann das Unfassbare: Dieser kleine Mensch wird nie ein aufregendes Kinderleben führen dürfen, nie Mama und Papa anlachen, sich nie tränenüberströmt Trost suchend anschmiegen. Die Welt bleibt für ihn verschlossen, er nimmt gleich Platz im Himmel. Niemand kann diesen unsäglichen Verlust nachempfinden, war er nicht in der gleichen traurigen Situation.

sdr

Bis Mitte der 90er Jahre war es betroffenen Eltern noch nicht einmal möglich, ihre Sternenkinder, die mit einem Gewicht von unter 1000 g geboren wurden,  beisetzen zu lassen, um so am Grab einen Zufluchtsort zu haben. Ihre kleinen Körper wurden mit dem Klinikmüll entsorgt. Unfassbar! Dann wurde in der Gesetzesvorlage das Gewicht auf 500 g gesenkt, ein kleiner Fortschritt. Doch es dauerte noch einmal mehr als zehn Jahre, bis die Möglichkeit geschaffen wurde, den Sternenkindern eine rechtliche „Existenz“ zu schaffen, unabhängig vom Gewicht. Das haben wir der  Initiative des Ehepaars Barbara und Mario Martin zu verdanken. Sie verloren drei Kinder in kurzer Zeit, nahmen all ihre Kraft zusammen und starteten eine Petition. Mehr als 40.000 Bundesbürger unterschrieben für mehr Rechte der Sternenkinder und so stimmte schließlich auch der Bundestag zu, dass die Kleinen standesamtlich eingetragen werden durften. Das Thema erhielt damit eine breite Öffentlichkeit. Zwar linderte das die Trauer der Elten nicht, doch wurde damit das Tabu gebrochen, schweigend zu trauern. Selbsthilfegruppen, Foren und vieles mehr entstanden. Die Sensibilisierung erreichte auch die Stadtverwaltungen und Friedhofsämter. Viele Kommunen schufen auf ihren Friedhöfen die Möglichkeit, der Sternenkinder zu gedenken. Ein stiller Ort, ein Ort an dem wir Eltern unseren Kleinen nahe sein dürfen … in Trauer … in Ruhe und vielleicht auch ein Stück weit in Gelassenheit, wohl wissend, dass der Stern da oben am Himmel einen Namen trägt und für uns leuchtet.

weisst-du

Sie sind alle da … leuchten und wachen über uns ….

 

 

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