Wenn EINE eine Reise tut … dann ist sie ganz schön uffgerescht!

Es ist ja nicht so, als wäre ich nicht schon viel in der Weltgeschichte rumgegondelt … aber das hier, das war auch für mich ein absolutes Novum! Nicht nur, dass ich mit dem eigenen Motorrad on tour war … nein … ich war auch noch zum ersten Mal ALLEINE unterwegs. susi beladenDas Ziel war schnell ausgesucht, es sollte dorthin gehen, wo ich vor ca 30 Jahren mal gearbeitet habe. Nach Mölln im schönen Schleswig-Holstein. Auch ein Hotel fand sich via Internet recht schnell, mit der Option die Buchung für drei Nächte noch am Abreisetag zu stornieren … Frau weiß ja nie! Nun ging es daran, die Routen zu planen. Auch die Hinfahrt sollte sich nicht nur aus Autobahnen zusammensetzen und dann galt es ja noch zwei Tagesfahrten zusammen zu stellen. Ziele gab es ausreichend, Kartenmaterial und Googlemaps sei dank auch detaillierte Auskünfte. Also nur noch das Navi programmieren … hahaha … der war gut! Die Info-CD erhellte mein Nichtwissen absolut nicht. Deshalb blieb mir nichts anderes übrig als learning by doing, nachdem selbst mein sonst so hilfsbereiter Nachbar ob meiner Ungeduld und Fluchtiraden das Handtuch warf. Nun ja, es hat mich einen kompletten Samstagabend gekostet, aber oh Wunder, schließlich waren alle eingetippt, kontrolliert und für gut befunden. Der Tag der Abfahrt rückte näher, Kinder waren versorgt, hilfreiche Menschen damit beauftragt, nach Post und Blumen zu schauen … allein Petrus haderte mit meinen Reiseplänen. Mehrfach täglich der ängstliche Blick auf die Wetterapp, die da sagte: im Norden ok, aber der Weg … oh je … ziemlich feucht! Als dann morgens der Wecker schellte hörte ich schon den Regen gegen die Jalousien klopfen. Na ok, erst mal fertig machen, die Reste einpacken, noch nen Kaffee, noch ein Blick auf die magische Wetterapp und dann die Überzeugung: Nur die harten kommen in den Garten und ich bin ja net aus Zuggaaaa! Als es erst hinter Kassel trocken wurde, war ich mir nicht mehr so ganz sicher, ob meine Entscheidung die richtige war. Doch bis auf die Handschuhe hatte mich der Fahrtwind am Ziel wieder trocken gepustet und der Anblick auf den See entschädigte für den Tauchgang über Wasser.

Ein wirklich fabelhaftes Essen mit erlesenem Wein in meiner Unterkunft Hotel Zum Weißen Ross reanimierte die Lebensgeister und ließ mich auf die nächsten Tage voller Zuversicht blicken. Und tatsächlich strahlte der Himmel am nächsten Morgen in hellem Blau mit nur vereinzelten weißen Tupfern. Nach einem kurzen Rundgang durch die Till Eulenspiegel Stadt Mölln ging es wieder auf zwei Rädern gen Nordosten.

Es ging über Ludwigslust und Parchim an den Plauer See, dann nach Westen um den nördlichen Zipfel des Schweriner Sees über Gadebusch und Ratzeburg zurück nach Mölln.

Und wieder schloss der Tag mit einem herrlichen Mahl und die Aussicht auf mehr Kilometer am nächsten Tag. Über Wismar führte mich die Route bis hoch an die Ostseeküste in Kühlungsborn und von dort aus immer an der Küste entlang bis nach Lübeck.

Das Wetter meinte es diesmal nicht ganz so gut mir mir, der Wind frischte erheblich auf und es wurde zum Balanceakt, die Maschine auf der Straße zu halten. Außerdem schien man hier im Norden eine etwas eigenartige Definition von Straßen zu haben. Wohlgemerkt ich hatte in Navi KEINEN Haken bei unbefestigten Straßen gesetzt! Kopfsteinpflaster gehörte für viele Kilometer zum Standard. Es veranlasste mich dazu, die Zähne fest aufeinander zu pressen, damit bei dem Gehoppel nicht versehentlich die Zunge dazwischen geriet. Besonders interessant waren auch die Sorte Straßen, die nur aus zwei Spuren betonierter Fahrbahn bestanden, mit etwas Glück gab es dazwischen diese Hohlblocksteine, in deren Löcher man für gewöhnlich Gras in der eigenen Einfahrt pflanzte. Aber die Susi und ich … wir haben es gemeinsam geschafft! Für wahrscheinlich monatelangen Gesprächsstoff in einem kleinen Dorf an der Küste haben wir zwei wohl gesorgt, als wir uns gemeinsam während eines heftigen Regenschauers in eine überdachte Bushaltestelle flüchteten.

Der letzte Abend brachte ein wenig Wehmut und Abschiedsstimmung mit sich. Natürlich freute ich mich wieder auf Daheim, doch muss ich den „Nordlichtern“ mal ein Kompliment machen: ich habe selten einen freundlicheren, aufgeschlosseneren und hilfsbereiteren Menschenschlag getroffen als hier. Schnell kam man ins Gespräch, erhielt ungefragt Hilfe und fühlte sich einfach willkommen. Da  spritze mich zum Beispiel ein Autofahrer auf einer der legendären Schlaglochpisten mit Schlammwasser dermaßen voll, dass ich anhalten musste, um mir wieder freie Sicht zu verschaffen. Ich war noch auf der Suche nach irgendwas zum Wischen, als der Fahrer bereits neben mir stand und mit einem Handtuch den Dreck vom Visier putzte. Bevor ich die Heimreise antrat, wollte ich die Kette fetten. Ziemlich langwieriges, umständliches Unterfangen, wenn man alleine ist. Nach dem zweiten Mal absteigen um die Maschine ein paar Zentimeter weiter zu schieben, stand der Nachbar neben mir, nahm mir die Dose aus der Hand und sagte: Mach ma Deern, ich helfe dir!

Und so viel es mir recht schwer, dem Norden den Rücken zuzukehren. Aber auch hier ist es schön … und wer sagt denn, dass ich nicht wieder komme … Die 600 Kilometer Autobahn nahmen irgendwie kein Ende, nur die Aussicht auf eine heiße Wanne und einen nicht minder wärmenden Kaffee trieb mich voran. Als ich dann in der Wohnung stand und feststellen musste, dass die Heizung nicht lief, da überlegte ich einen kurzen, aber wirklich nur einen kurzen Moment, wieder aufzusteigen und umzudrehen. Aber wer sein Navi programmieren kann, der bringt auch Heizungen wieder zu laufen! Und endlich ab in die Wanne ….

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