FRÜHJAHRSPUTZ – WARUM NICHT MAL MENTAL GESCHRUBBT!?

Noch nie habe ich meine Geschlechtsgenossinnen verstanden, wenn sie beim ersten Sonnenstrahl und endlich zweistelligen Temperaturen im jungen Jahr anfangen, wie wild die Feudel zu schwingen, zu wienern, saugen und polieren, ausmisten und Ecken fegen wie Furien in Kittelschürze und Kopftuch. Haben sie denn keine anderen Waffen als Schrubber, Putzlappen oder Staubwedel? Wie wäre es, wenn sie einmal damit beginnen würden, ihre verstaubten Ansichten zu rekultivieren. Neue Samen wachsen doch bekanntlich nach dem letzten Nachtfrost besonders gut. Ich meinerseits bevorzuge dann erst mal einen ausführlichen Gang durch die wiedererwachende Natur, um einen klaren Kopf zu bekommen. Dieses Jahr muss der frische Frühlingswind ordentlich durch mein Hirn gefegt sein. Alles begann eigentlich schon, als es noch viel zu früh dunkel wurde. Mir wurde klar, dass es definitiv nicht meine Bestimmung war, lange Abende auf dem Sofa zu verbringen, in einer Partnerschaft gefangen, die nur noch das Gefühl der Einsamkeit und des Überflüssig Seins vermittelte. Aus diesem Grund fand meine Ehe im frisch geborenen Jahr ein – für den anderen Teil wohl eher überraschendes, für mich aber unvermeidbares – Ende. Mit meinen Kindern und den paar Habseligkeiten im Gepäck nahm ich Reißaus und läutete mein ganz persönliches Frühlingserwachen ein. Himmel tat der frische Wind gut und meine Kinderpflänzchen entwickelten sich auf ganz besondere Art. So motiviert, beschlossenen anscheinend meine Gehirnwindungen, einmal kräftig auf den Tisch zu hauen und das mentale Aufräumen begann. YES, I CAN …. das war fortan das neue Motto. Ab sofort gab ich auf, aus lauter Rücksicht lieber ja zu sagen, bzw. den unangenehmen Diskussionen nach einem Nein aus dem Weg zu gehen. Ich ließ mich nicht mehr von Pseudofreunden unter Druck setzen, die durch ihre eigene Unfähigkeit nicht in der Lage waren, in Leben richtig zu organisieren und von mir verlangten, für sie in die Bresche zu springen. Im  neuen Job stellte ich klar, dass ich nicht das Überdruckventil der Kollegen war. Zuhören … vermitteln … aber nicht mehr schlucken und stillschweigend wegstecken. Zu Hause wurde klargestellt, dass nicht Mama die einzige Arbeitskraft ist, da gab es vier weitere gesunde Hände, die auch mal Müll rausbringen, fegen oder Kleinigkeiten einkaufen gehen konnten. Das ist noch etwas ausbaufähig, aber Rom ist ja bekanntlich auch nicht an einem Tag erbaut worden. Mit erhobenem Kopf, geradem Rücken, Brust raus, Bauch rein, ging ich private Probleme an. Davon gab es reichlich, noch ist kein wirkliches Ende in Sicht. Aber ich habe nicht gekniffen, selbst als ich ins Stolpern kam, habe ich die Krone gerichtet, gelächelt und bin weiter gegangen. So kannte man mich auf der anderen Seite nicht, aber merkwürdiger Weise akzeptierten sie es. Und dann war da noch der kleine Zettel, den ein lieber Freund mir so zu sagen im Vorbeigehen in die Hand drückte. Ein Terminzettel. Beim Zahnarzt. DA kam ich erheblich ins Straucheln. Denn es gibt nichts, wovor ich mehr Panik habe wie vor Dentisten. Nichts ist ekeliger als sich komplett ausgeliefert auf diesem Stuhl zu befinden, den Schnabel aufgerissen und irgendwelche obskuren Instrumente im Mund, die sich noch nicht einmal durch kräftiges Daraufbeißen von ihrer Arbeit abhalten lassen. Angstschweiß, Hyperventilieren, Würgen, Zittern, Ohnmacht … da muss man – sprich der Zahnarzt und ich – mit dem ganzen Programm rechnen. YES, I CAN … wurde bis zum Termin zu meinem Mantra. Und ja, es half. Ich bin hingegangen, bzw. wurde gefahren. Der freundlich Zahnarzt, mein Chauffeur und sogar ich, wir haben es schadlos überlebt, meine Wenigkeit allerdings mit zwei Weisheitszähnen weniger. Inzwischen sind es sogar vier. Oh jesses … so ganz ohne Weisheit … und nu? Ich denke, ich habe ein bisschen Platz geschaffen für neue (Lebens)Weisheiten und Erfahrungen. Die entstandenen Lücken zu füllen, damit habe ich bereits begonnen. Denn endlich habe ich mich dazu durch gerungen, einen lange gehegten Traum in die Tat umzusetzen, von dem bis heute ein Großteil meiner näheren Umgebung wenig hält. Ich werde nach fast 30 Jahren Abstinenz meinen Motorradführerschein erneut machen, den ich nach einem Unfall aus lauter Panik zurückgegeben habe. Die Ausrüstung ist gekauft, bei der Fahrschule bin ich angemeldet, die Papiere sind beim Landratsamt abgegeben … jetzt wird Theorie gebüffelt und sich auf die erster Fahrstunde gefreut! Wenn dann noch der neue Kulturblog, den wir seit Monaten planen, endlich an den Start geht und ich auch wieder ein bisschen was sinnvolles schreiben darf … dann mache ich Schrubbpause bis zum nächsten Frühjahr und lasse die neuen Errungenschaften erst mal etwas Patina ansetzen. Aber keine Sorge, ich habe da so einen Zahnarzt-Terminzettel-verteilenden-Rüttelfreund im Nacken, der bestimmt dafür sorgt, dass die Schicht nicht zu dick wird!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s