KLASSISCHE ROLLENVERTEILUNG … BITTE EINMAL WEICHSPÜLEN!

Die geballten Feiertage der letzten Zeit brachten es so mit sich, dass ich mal wieder viel Zeit am Herd verbrachte oder mit Putzzeug durch die Wohnung wirbelte … vermehrtem Verwandschaftsbesuch sei Dank! Zwar sparte ich mir die Schürze, doch kam ich mir vor wie die klassische Hausfrau. Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden, denn wer damit erfüllt ist, genieße sein Glück. Ich bin da etwas anders gestrickt, klassische Rollenaufteilung gab es bei uns nie, dazu fehlte schlichterdings der Mann im Haushalt. Natürlich gab es Opa Heinz, doch hatte er längst aufgegeben in so vorgegebenen Bahnen zu denken, umgeben von Ehefrau, zwei Töchtern und einer Enkelin. Pascha wurde er erst abends um acht vor dem Schwarzweißfernseher bei der Tagesschau, im Ohrensessel, mit Bier und Zigarre in der Hand. Ansonsten nutzte er jede Gelegenheit, seine neugierige Enkelin an seiner handwerklichen Geschicklichkeit teilhaben zu lassen. So konnte ich mit gut zehn Jahren tapezieren, streichen, alte Dübellöcher zu schmieren und exakte Schlitze für Leitungen klopfen. Die Bohrmaschine und die gesamte Elektrik waren mir noch ein bisschen unheimlich, aber wie heißt es so schön, step by step! Leider musste Opa Heinz viel zu früh gehen und so hieß es ab dann … learning by doing! In ewiger Erinnerung wird mir eine Verputzaktion bleiben. Im Schlafzimmer meiner Mutter entfernten wir ein altes Waschbecken, schlugen die Kacheln ab und wollten neu tapezieren. Dazu wäre eine komplette Wand ganz hilfreich, also schafften wir säckeweise Verputzmaterial herbei und machten uns ans Werk. Herr Hundertwasser wäre mit Sicherheit stolz auf uns, denn gerade und glatt sah definitiv anders aus! Aber irgendwie klebte nachher die Tapete daran und der Schrank tarnte alles andere. Vor kurzem habe ich in einem nahe gelegenen Baumarkt gelesen, dass dort Handwerkskurse für Frauen angeboten werden. Jepp, das hätte ich damals schon gebraucht. Also meine Damen, stürmt diese Kurse, wer weiß wozu es mal gut ist! vor einiger Zeit fand ich ein Zippofeuerzeug mit der unten im Bild zu sehenden Aufschrift. Irgendwie wurde das zu meinem Lebensmotto:

Icandoit

Seit einigen Jahren gibt es die Girlsdays. Hier können Schülerinnen für einen Tag in klassische Männerberufe hinein schnuppern. Meine Tochter, damals dreizehn, ging in einen metallverarbeitenden Betrieb und stand den ganzen Tag an irgendwelchen hochtechnisierten Maschinen. Abends kam sie stolz wie Oskar mit einem selbst gefrästen Kreisel und diversen Schrauben zurück.  Und trotzdem ist es ihr Herzenswunsch, Kindergärtnerin zu werden. Und? Ist doch prima! Aber sie hat über ihren Tellerrand hinweg geschaut und sich freiwillig dieses Ziel gesteckt, nicht weil die Gesellschaft, die Familie oder wer auch immer es vorschreibt. Natürlich haben meine Mädels auch Puppen und ähnliches zum Geburtstag bekommen. Aber auch eine Werkzeugkiste, bestückt mit Hammer, Nägeln, Zange, Holzstücken, einem Zollstock, einer Säge und vielem mehr. Kurzfristig stieg der Pflasterverbrauch sprunghaft an. Aber das ist ja wohl nicht geschlechtsspezifisch. Und natürlich backe, koche und stricke ich und in meinem Studiengang der Oecotrophologie waren etwa 90 Prozent Frauen. Aber bei den Agrarwissenschaftlern war es genau andersrum. Und es hat mir auch nichts ausgemacht, bis zu den Hüften in der Gülle zu stehen. Mein damaliger Chef nahm bevorzugt weibliche Lehrlinge und Praktikanten, denn er sagte immer, die kommen aus Überzeugung und nicht weil sie müssen. In der Politik gibt es ja seit längerem Ambitionen, das klassische Rollenverständnis aufzuweichen. Doch solche Besetzungsfehler wie Frau von der Leyen im Verteidigungsministerium schrecken eher ab. Auch die vielbeschworene Quotenfrau erfüllt meiner Meinung nach nicht ihr Ziel. Im Grunde genommen sollten wir uns schämen, dass wir so eine Regelung brauchen, denn die Gesellschaft traut anscheinend den Führungsfähigkeiten der Damenwelt nicht so wirklich und so muss das Alibi-x-Chromosom auf Managerebene das Gewissen beruhigen. Werden wir nicht seit Jahren mehr oder weniger gut von einer Frau regiert? Der Mehrheit der Deutschen scheint es jedenfalls zu gefallen. Ich betone noch einmal, ICH BIN KEINE EMANZE!!! Dafür genieße ich zum Beispiel viel zu sehr, wenn ein charmanter Herr mir die Tür aufhält, in den Mantel hilft, etwas aufhebt, das mir herunter gefallen ist oder auch mal die Rechnung im Restaurant begleicht. Doch leider stirbt diese Spezies zunehmend aus. Jede, aber selbstredend auch Jeder möge sich seine Position in der Gesellschaft suchen. Aber doch bitte freiwillig und nicht weil sie/er dort hingedrängt werden. In jedem von uns schlummern Talente, die landläufig nicht zum Geschlecht passen. Weckt sie, fördert sie. Sie sind bestimmt eine Bereicherung für viele, halten den Geist auf Trapp und den Alltag abwechslungsreich.

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