HASTE MAL NEN JOB – ODER AUCH GUTE VORSÄTZE JENSEITS DES JAHRESWECHSELS

Bis zum Jahreswechsel dauert es nicht mehr lange. Damit einher gehen tausend und ein guter Vorsatz für die kommenden 365 Tage. Mit dem Rauchen aufhören, Gewicht reduzieren, weniger Alkohol trinken, sparsam sein und so weiter und so weiter. Was wird davon am Ende umgesetzt bzw. nach der anfänglichen Umsetzung eingehalten? Kaum etwas. Ich persönlich mag gute Vorsätze sehr. Doch mache ich sie nicht abhängig von irgendwelchen besonderen Tagen im Jahreskreis. Meiner Meinung nach muss es im Kopf „KLICK!“ gemacht haben, dann klappt es auch mit der Umsetzung! Wer mich ein wenig besser kennt, weiß, dass ich einmal Vorgenommenes zu fast 100 Prozent umsetze, zwar in meinem Zeitrahmen, aber konsequent. Mitte das Jahres kam er über mich, der gute Vorsatz, endlich eine bezahlten Job zu finden. Es ist ja nicht so, als säße ich tagelang gelangweilt auf dem Sofa. Hobbys gibt es genug, zwei Kinder die versorgt werden wollen, ein Ehemann mit Schichtdienst und jede Menge ehrenamtlich Arbeit. Doch so richtig zufrieden war ich nicht. Da war diese verdammte Abhängigkeit, finanzieller Natur, die so manchen meiner Pläne immer wieder hinten anstehen ließ. Ein bisschen mehr Unabhängigkeit, Selbständigkeit, das fehlte in meinem Leben! Gesagt, getan, eine Frau ein Wort!

Aller Anfang ist schwer … ist gelinde gesagt untertrieben! Es fing damit an, zu überlegen, was für einen Job ich denn so annehmen wollte. Ausbildungen habe ich ja genug, doch Ende vierzig, mehr als 14 Jahre Kinderpause, dementsprechend keine aktuelle allzu große Berufserfahrung. Also hieß es Anzeigen studieren. Schauen was die Gelben Seiten so hergeben. Und dann kam die erste wirkliche Hürde: Bewerbungen schreiben. Hatte ich eigentlich noch nie so wirklich gemacht, der Job an der Uni damals kam so zu sagen von selbst, danach die Selbständigkeit als Ernährungsberaterin und immer wieder mal so ein kleiner Nebenverdienst damit die Portokasse stimmte. Internet sei Dank fand ich reichlich Vorlagen für Anschreiben und Lebensläufe. Alles wurde mehrfach ausgedruckt, Zeugnisse kopiert und dann abgeschickt. Auf Online-Anzeigen, welche aus der Tageszeitung, Blindbewerbungen und was es sonst noch so gab. Nun hieß es warten. Das erste Vorstellungsgespräch brachte mich im Vorfeld fast komplett aus der Fassung. Nervös ohne Ende fuhr ich viel zu früh los, nur um das Zittern der Hände Vorort noch mit einer ordentlichen Dosis Koffein zu verstärken. Lief besser als gedacht, schließlich konnte ich schon immer stotterfrei reden, meine Körpersprache hatte ich im Griff und über das Unternehmen gründlich vorher recherchiert. Doch dieses Gespräch endete wie einige nachfolgende mit dem inzwischen verhassten Satz: Wir melden uns bei Ihnen, vielen Dank! Mein persönliches Unwort des Jahres lautet „überqualifiziert“, sprich zu teuer, drei akademischen Titeln sei Dank. Dass meine geäußerten Gehaltsvorstellungen weit unter den durch die Titel implizierten lagen, spielte dabei wohl keine Rolle. Ich wollte gerade eine kleine schöpferische Pause einlegen, um mein Ansinnen zu überdenken … schließlich brachte der eine oder andere Schreiber-Job ja doch ein bisschen Taschengeld ein … als mein Telefon schellte. Ein Nachbar war am anderen Ende der Leitung. „Du, ich war da heute auf der Gesundheitsmesse und habe mit der Praxisleitung einer großen Facharztpraxis gesprochen. Die Dame sucht ganz dringend Verstärkung für ihr Team. Hast du kein Interesse?“ „Äh, Praxisteam .. hm … bin doch keine medizinische Fachangestellte.“ „Ne, keine Sorge, ist nur Anmeldung und Verwaltung und auch noch ausbaubar. Meld dich doch mal bei ihr.“ Nach dem letzten Satz erhielt ich per message eine Emailadresse und eine Telefonnummer. Also, warum sollte ich es nicht probieren. Ziemlich zeitnah kam eine erste Begegnung zustande. Die Praxis war wirklich beeindruckend und schnell zeigte sich, dass die Pläne der Praxisleitung mit meinen beruflichen Erfahrungen sehr gut übereinstimmten. Ich ging zum Probearbeiten, doch da ich gänzlich fachfremd war, brachte mich das nicht wirklich weiter. Es wurde mir eher ein bisschen Angst und Bang, sah nach viel Einarbeitungszeit aus. Aber wie meinte besagter Nachbar … Herausforderungen sind dazu da, angenommen zu werden und fungieren als Salz in der Suppe des Lebens. Damals bezog sich das allerdings eher auf das Anbringen meiner Wohnzimmerbeleuchtung. Seit sechs Wochen arbeite ich jetzt da. Vierzig Stunden die Woche, so zu sagen von Null auf Hundert aus dem Stand. Das bedeutete für meine Familie viel Verständnis aufzubringen, denn Mama, bzw Frau war nun mal die meiste Zeit außer Haus. Arbeiten wurden verteilt, auf Vorrat eingekauft und weitblickend vorgekocht. Es war eine höllische Zeit, denn die sonst so gesunden Kinder wurden krank.Die Kleine erwischte es furchtbar, fast zwei Wochen lang um die vierzig Grad Fieber mit ungeklärter Ursache. Ständige Arztbesuche, sporadische Krankenhausaufenthalte und viel Fürsorge. Ich war hin und her gerissen zwischen Mutter sein und dem neuen Job. Probezeit, Personalknappheit versus Kinderliebe und Sorge. Und wieder kamen die Nachbarn zu Hilfe. Sie spielten Leihgroßeltern und nahmen mir eine große Last von den Schultern. Irgendwie nebenbei lernte ich das sehr abwechslungsreiche Praxisteam kennen. Von um die achtzehn bis über fünfzig ist alles vertreten. Zwei in ihrer Persönlichkeit komplett verschiedene Ärzte, die meine Aufmerksamkeit eigentlich zu hundert Prozent in Anspruch nehmen, denn Fehler ziehen eine Rattenschwanz an Mehrarbeit mit sich.Bis jetzt habe ich mir noch keinen allzu großen Abputzer geholt und die Geduld der Kolleginnen scheint auch noch nicht zur Gänze erschöpft zu sein. Jetzt sind erst mal Weihnachtsferien und das Kraftreservoir kann sich in zwei Wochen wieder schön regenerieren.

Mal ehrlich … ich hätte nicht gedacht, dass ein Fulltimejob den Alltag so komplett über den Haufen wirft. Immerhin ist es mir gelungen, meinen Sport irgendwie zu integrieren. So gibt es ein wenig Ausgleich zum Bürostuhl sitzen. Und trotzdem würde ich es genau so wieder machen … den Preis zahle ich gerne für ein kleines Stück Unabhängigkeit, Selbständigkeit!

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