Ist Asphalt fressen wirklich besser als Austern schlürfen??

JAAAAAAAAAAA!!!!!! Definitiv! Heute konnte ich mich – nach mehr als 25 Jahren Pause – endlich  noch einmal selbst davon überzeugen, wenn auch nur als Sozius. Ein Traum wurde wahr, ein absoluter Höhepunkt in einem sonst schon nicht langweiligen Alltag. Grundlage für diese höchst imponierende Ausfahrt mit einer Respekt einflößenden Hayabusa von Suzuki war die Überlegung, ob ich es im fortgeschrittenen Alter von fast 50 Jahren noch einmal wagen soll, den Motorradführerschein zu machen. Mein Nachbar, Dompteur einer solchen PS-strotzenden Schönheit auf zwei Rädern, hatte sich bereit erklärt, mit mir das Experiment „Mopped fahren“ zu wagen. „Nur mal gucken wie es sich anfühlt!“ Ok … heute war also Guck-Tag! Problem eins galt es im Vorfeld zu lösen: die passende Kleidung. Was ein Glück, dass hier die angetraute Ehefrau besagten Nachbars aushelfen konnte. Problem zwei, das Wetter, wurde per App begutachtet und für ausreichend befunden. Und dann stand ich da, aufgekratzt wie eine Fünfjährige am Nikolausvorabend. Mit ein bisschen Hilfe legte ich die volle Schutzmontur an, „Susy“ wurde aus der Garage manövriert und dann hieß es Aufsteigen. Letzte einführende Worte, ein Blick zurück, ein Abschiedswinken, dann begann der Selbstversuch. Letzte Chance ihn zu canceln gab es an der Tankstelle, als die rassige Dame mit ausreichend Sprit für die Spritztour versorgt wurde. NEIN! Kneifen kam ja gar nicht in die Tüte. Kurz durchschoss mich der Gedanke, vielleicht doch etwas zu wagemutig gewesen zu sein, als mein Chauffeur seine beiden Gefährtinnen schwungvoll in die Kurve der Autobahnauffahrt dirigierte. Doch mit dem Aufnehmen der Geschwindigkeit, der Zunahme des Fahrtwindes, der Intensivierung der Maschinenvibrationen, mit all dem stieg nicht nur mein Adrenalinspiegel sondern auch die Glückshormone und die Gewissheit, GENAU das RICHTIGE zu tun! Nach ein paar Kilometern steuerten wir einen Parkplatz an. So zu sagen Lebendkontrolle! Ja, es ging uns allen gut! Kurze Absprache der Handzeichen, falls etwas sein sollte, denn Unterhaltung war nicht wirklich möglich. Dann wurde ich wieder meiner kleinen eigenen Helmwelt überlassen. Vor 25 Jahren hätte ich wahrscheinlich während der Fahrt bei gut 200 km/h die Arme in die Höhe gerissen und gebrüllt: Das Leben ist schön!! Aber angesichts der Tatsache, dass es da Familie gibt, begnügte ich mich damit, den Kopf in den Wind zu stemmen, das glückselige Dauergrinsen einzuschalten, meine Isolierung hinter dem Visier in all der unheimlichen Weite der vorbeibrausenden Landschaft zu genießen und zu hoffen, dass dieser Moment ewig anhalten würde. Er ging vorbei, zumindest für eine Kaffeepause in Gießen. Es dauerte eine Weile, bis ich in der Lage war, mit halbwegs ruhigen Fingern eine Zigarette zu drehen, so tief saß die (kindliche) Aufregung, die Freude! Da inzwischen der wenigstens zum Teil blaue Himmel immer mehr ins tiefe Grau abdriftete, machten wir uns wieder auf den Rückweg. Inzwischen hatte ich gelernt, nicht bei jedem Schalten und dem damit verbundenen kurzfristigen Geschwindigkeitsverlust, bei jedem Bremsen, meinem Fahrer von hinten ins Kreuz zu sausen. Es gelang mir in den meisten Fällen zu ahnen, wann die Geschwindigkeit sich ändern würde und so entspannte ich zusehends. Um eventuell aufkommende Langeweile, wie beim Spazierengehen, zu vermeiden, wählten wir zumindest auf dem letzten Drittel des Weges eine Alternativroute. So kamen wir in Erzhausen erneut in den Genuss, einen Kaffee zu trinken, hier entstand das Foto. Die letzten Kilometer Landstraße … das war genau das richtige Finale, denn nicht der Geschwindigkeitsrausch macht für mich die Faszination am Motorrad fahren aus, sondern die Dynamik, die ein halbwegs eingespieltes Team auf dem ländlichen Asphalt an den Tag legen kann. Die Kombination aus Geschwindigkeit, Mobilität, Eleganz der Bewegung und Spielereien … das ist die Hohe Kunst dabei, das beherrscht mein Chauffeur und hatte die Güte, es mich fühlen zu lassen. Ja, die Entscheidung ist gefallen. Sobald die Umstände es zulassen, werde ich SELBST  fahren, wenn es sein muss sogar nur zum Brötchen holen an die Tankstelle. Aber merke: Ab einer gewissen Haarlänge empfiehlt es sich dringend, diese mittels Zopf zu bändigen, will frau nicht anschließend etwa 20 Minuten damit zubringen, den Filz aus der Mähne zu bürsten … nicht ohne dabei büschelweise Verluste einzufahren! In diesem Sinne, liebe Austern … lebet in Frieden!

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