BIERWETTSAUFEN – EINE RÜHMENSWERTE KERWETRADITION?

Uhhh … da ist er wieder, der Artikel in der örtlichen Tagespresse, der sich mit den traditionellen Kerben in unserem Kreis beschäftigt und voll des Lobes über eine für mich sehr merkwürdige Tradition ist: dem sogenannten Bierhexen, sprich Bierwetttrinken. Für alle nicht Hessen, eine Kerb ist eine Kirmes, ein Kirchweihfest, eine lokale Gaudi. Geleitet vom Kerwevadder, organisiert von den Kerweburschen. Bei der Disziplin des Bierhexens handelt es sich um eine von mehreren Aufgaben, die Mannschaften im Rahmen der Kerweolympiade durchlaufen müssen. Augenscheinlich ist ein solches Akkordsaufen DER Höhepunkt der Kerb, denn die Beschreibung dieser Disziplin und einer anderen alkoholschwangeren nimmt mehr als ein Viertel des Artikels ein. Andere werden nicht erwähnt. Dazu prangt über dem Text ein großes Bild, auf dem eine junge Frau ein Glas Bier ansetzt und anscheinend versucht, es zu leeren, bewundert von einem jubelnden Publikum. Wenn ich mich richtig erinnere, waren es im letzten Jahr mehrere junge Männer, die an einem Tisch sitzend mit dem Hopfensaft kämpften. Damals schrieb ich an die Zeitung und fragte, ob es wohl tatsächlich nur dieses Bild und den Inhalt für einen Artikel über eine Kerb gegeben hätte. Die Glorifizierung von Alkohol trinken als „Wettkampfdisziplin“ erschien mir sehr geschmacklos, hinsichtlich der Tatsache, dass kurze Zeit vorher zum Kampf gegen das Komasaufen aufgerufen wurde und öffentlich darüber nachgedacht wurde, wie man auf solchen Volksfesten dafür sorgen könne, dass keine Alkohol an Jugendliche ausgeschenkt werde. Leider erhielt ich nie eine Antwort. Jetzt stellt sich mir erneut die Frage, ob es wohl die einzige erwähnenswerte Tradition ist, die es wert ist, in so ausführlichem Wort und großem Bild gehuldigt zu werden. Ich bestreite ja nicht, dass so eine örtliche Gaudi einen erheblichen Beitrag zum urbanen Miteinander leistet und erwarte nicht, dass Teilnehmer, Organisatoren und Besucher diese Festtage abstinent verleben sollen. Doch ist es tatsächlich notwendig, persönliche Entgleisungen durch die Droge Alkohol durch so neckische Spielchen im Vorfeld zu entschuldigen, ja vielleicht sogar zu rechtfertigen? Oder sind wir inzwischen so abgestumpft, dass uns der Alkoholmissbrauch alltäglich erscheint, nicht so verdammenswert wie die Abhängigkeit von sogenannten harten Drogen … ist doch Alkoholismus eine anerkannte Krankheit!? Arme, verlogene Gesellschaft …

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