REISEJOURNAL ILLMITZ – 13. Tag Abschied vom See

Es ist schon erstaunlich, wie diese Ruhe Besitz von mir ergreift, wenn ich morgens alleine zum See radel. Dabei scheint heute der Tag der Schrecksekunden zu sein. Auf dem ersten Parkplatz nach dem Ortsausgangsschild steht ein Kleinwagen, die Fahrertür ist offen, auf dem Beifahrersitz ist ein „Etwas“, zugedeckt mit einem Schlafsack. Ich kann mir nicht verkneifen, das „Etwas“ näher zu betrachten. Zum Glück entpuppt es sich als schlafender Mensch, der relativ laut atmet. Kaum habe ich das Ende der von romantischen Kanälen flankierte Seegasse erreicht und flitze frohen Mutes entlang der Liegewiese, entdeckt mein schweifender Blick die nächste Dubiosität. Tag13aMitten auf der Wiese leuchten mich ein paar weiße Sportschuhsohlen an. NATÜRLICH muss ich auch das in Augenschein nehmen und entdecke zu meiner Beruhigung, dass der Mensch in den Schuhen ebenfalls bei bester Gesundheit scheint und mit samt einem Kompagnon dick vermummt eventuell seinen Rausch hier ausschläft. Ok, Puls normalisiert sich. Da ich meine Wasserflasche vergessen habe, mache ich nicht wie sonst Halt am Ufer, sonder fahre über den kleinen Yachthafen weiter.

Tag13e

Am Rande des kleinen Hafens, der inzwischen auf der anderen Seite der künstlich aufgeschütteten Zufahrtsstraße zum See erweitert wurde, sind Parkplätze angelegt. Dort steht unter anderem ein Kastenwagen mit einer geöffneten Hintertür. Beim Umrunden sehe ich ZUFÄLLIG, dass aus der offen stehenden Tür zwei Füße herausschauen …. reglos! Oh no … denke ich, no more sex, crime and rock´n roll, please! Aber was soll ich sagen, sie fangen genau zum richtigen Zeitpunkt an zu zappeln. Wäre ich ein Krimiautor, so hätte ich heute morgen genug Anregungen für einen sehr Leichen trächtigen Bestseller erhalten. Oder vielleicht geht ja auch meine Fantasie ein bisschen mit mir durch, weil bald Vollmond ist. Wie willkommen sind mir dann doch die drei Wegelagerer, die ich ein paar hundert Meter weiter auf der Kutschenspur antreffe.Tag13dDa der Himmel stahlblau ist und es wohl unsere letzte Gelegenheit sein wird, einen Tag am See zu verbringen, tun wir genau das. Meine ältere Tochter nimmt sich eine Auszeit, doch die verbliebenen Drei gönnen sich viel Sonne, Wasser und eine Runde mit dem Tretboot. Diesmal ohne Verluste, mussten wir doch im letzten Jahr „Kind über Bord“ schreien, als Maria beim Aussteigen im Hafenbecken verschwand und Sekunden später sehr schlammig aber wohlbehalten wieder auftauchte. Da der See heute komplett glatt vor mir liegt und auch kaum Wind geht, gönne ich mir an meinem letzten Badetag noch einmal eine sehr ausgiebige Schwimmrunde. So schmeckt der gebratene Zander am Abend im Zentral besonders gut!

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