REISEJOURNAL ILLMITZ – Tag 12 … mal eine Restaurantkritik

Schluss mit dem Faulenzen, heute wird sich wieder ein bisschen bewegt. Zwar habe ich für einen Ausflug zum See vor dem Frühstück zu lange geschlafen, dafür schnappe ich mir aber das Rad zum Einkaufen. Der Rest der Familie macht sich schon mal auf den Weg zum See. Ich gönne mir noch einen Kaffee auf dem heimischen Balkon und lausche gebannt den Gesprächen unserer Nachbarn. Einer der Herren scheint eine Art Käferforscher zu sein. Seine Frau erzählt mir im Vertrauen, dass sie einmal im Urlaub in Spanien auf einer Kuhweide innerhalb einer Stunde mehr als 100 Kuhfladen umgedreht haben, um zu sehen, wer darunter wohnt … na ja … auch eine Art von Urlaubserlebnis … nur nicht meines! Wir verbringen ein paar Stunden am See, die Sonne traut sich nach und nach heraus und auch der Wind lässt nach. Die Hälfte der Sippe geht ins Wasser, die andere lässt sich ein wenig anbrutzeln. Für den Abend ist geplant, nach Fertörákos zum Essen zu fahren, da das Zentral ja Donnerstag geschlossen hat. Diesmal nehmen wir das Auto.

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Es ist eine ganz ordentliche Strecke zu fahren und wir müssen feststellen, dass der neue Radweg um Welten besser ist, als der Zustand der Straße. Der Grenzübergang Pamhagen-Fertöd liegt leer und verlassen da, die Gebäude verfallen komplett, werden aber nicht vollends entsorgt, nicht sehr schön. Besonders das letzte Stück des Weges von Balf nach Fertörákos ist in einem furchtbaren Zustand. Mit dem Auto fällt es mehr auf, als mit dem Rad. Ich habe das Gefühl, ich werde im Wagen seekrank, so schütteln uns die Schlaglöcher durch. Bei diversen Durchfahrten durch den Ort ist uns immer ein Restaurant besonders aufgefallen, das wir heute ausprobieren wollen. Das Ráspi. Es liegt an der Hauptstraße, von außen wirkt es wie ein alter Bauernhof mit großem Tor, Weinranken, Außensitzplätze und vieles mehr.

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Als wir durch das Tor treten, sind wir vom Ambiente angenehm überrascht. Alles ist ein bisschen auf antik gemacht, massive Holztische mit einem bunten Sammelsurium an Stühlen, sehr schön mit Silber eingedeckt, in der Mitte ein alter Baum, verschiedene Kronleuchter hängen von der gläsernen Decke, Bilder an den Wänden. Es ist Steinpilzzeit, ein gut gefüllter Korb mit den leckeren Hutträgern steht gleich am Eingang.

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Die Speisekarte ist eher überschaubar, enthält aber sehr viele gute Weine. Und die Möglichkeit, von einigen Gerichten Kinderportionen zu erhalten. Die Preise sind für ungarische Verhältnisse enorm hoch, aber wie wir von einer Tafel am Eingang erfahren haben, wurde das Lokal auch 2012 groß ausgezeichnet. Etwas irritierend wirken die beiden sehr jungen Bedienungen, ich hätte sie auch als Strandurlauber durchgehen lassen. Wir bestellen einfache Gerichte, einmal hausgemachte Nudeln mit Steinpilzsauce, dann Salat mit Hühnchenstreifen und zweimal Hühnerbruststücke gebacken mit Bratkartoffeln. Limonade ist auf der Karte nicht zu finden, dafür jede Menge hausgemachte Fruchtsäfte, eh besser und gesünder. Unsere Speisenbestellung ist ja nun nicht sehr kompliziert gewesen, trotzdem schafft die Küche es nicht, die Gerichte zusammen zu fertigen, so dass gerade die Kinder extrem lange warten müssen. Die Nudeln sind tatsächlich selbstgemacht, die Sauce etwas arg rot für Steinpilze und nur sehr sparsam gewürzt. Alles durcheinander gemengt und ohne jede Dekoration. Der Salat … oh jesses … ein Haufen ungeschnittener Eisbergsalatblätter, darunter drei Viertel einer Tomate. Wo wohl das letzte Viertel hin ist? Die Hühnchenstreifen auf den Punkt gebraten und sehr gut gewürzt. Aus dem Bratensud und einem sehr feinen Essig wurde ein leckeres Dressing gezaubert. Natürlich ist es noch warm und leider zu früh über den Salat gegossen, so dass dieser seine Knackigkeit in weiten Teilen verliert. Auch hier fehlt jede Form der Dekoration, lieblos ist noch schamlos untertrieben. Alles in einen tiefen Teller gepfercht und gut ist. Brot muss extra geordert und bezahlt werden.

IMGP8871Aber die Krönung der Lieblosigkeit waren die Hühnerbruststückchen mit Bratkartoffeln. Fleisch paniert und frittiert, die Kartoffeln in großen Brocken ebenfalls in die Friteuse geworfen und schon sind wir fertig. Dann stapeln wir alles in der Mitte einer Art von Tortenplatte auf und legen eine Scheibe Zitrone daneben und schon erhalten wir einen tollen Preis, oder wie darf ich das verstehen? Also alles in allem eine echte Enttäuschung zu unrealistischen Preisen und als Dank ein knurrender Magen. So soll der Tag nicht enden, deshalb beschließen wir, dem Auto die Sporen zu geben, die Gerte zu schwingen und flinken Rades zurück nach Illmitz zu eilen, um uns im DOLCE VITA noch mit einem Eisbecher zu verwöhnen …. gesagt, getan, eine Frau, ein Wort!

 

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