REISEJOURNAL ILLMITZ – 8. Tag Ein bisschen Illmitzer Ortsgeschichte

Morgens vor sieben Uhr durch das Naturschutzgebiet an den See zu radeln hat etwas völlig  Entspannendes. Diese Ruhe, nur ab und zu ein paar Vogelstimmen, eine sanfte Brise … ich wäre dafür, diese Uhrzeit, diese Eindrücke, den ganzen Tag zu halten. Heute Morgen muss ich sowohl auf dem Hinweg als auch auf dem Rückweg Schülerlotse für zwei junge Graugänse spielen, die davon überzeugt sind, der beste Ort, das Federkleid zu reinigen, sei mitten auf der Chaussee. Aber wie heißt es so schön, jeden Tag ein gutes Werk, jetzt kann ich ja einen Tag Pause machen.

Da das Wetter wieder dazu einlädt, den meisten Teil des Tages am See zu verbringen, gibt es heute mal ein paar Fakten zur Illmitzer Geschichte: Der älteste Fund von Illmitz ist ein Flachgrab mit drei Grabbeigaben aus der Jungsteinzeit. Ein weiterer interessanter Fund ist das sogenannte Steinkistengrab aus der Späten Bronzezeit. Im Deckel der Kiste befindet sich ein Loch, das Seelenloch, damit die Seele den verstorbenen Körper ungehindert verlassen kann. Dieses wertvolle Artefakt hat sogar Einzug ins Naturhistorische Museum in Wien gehalten. Auch die Römer waren etwa um Christi Geburt in Illmitz zugegen, Altäre und Bronzestatuetten zeugen davon. Im Mittelalter, zu Zeiten der Völkerwanderung, kamen erst die Langobarden, Awaren und Slawen. Denen folgten die Fränkischen Siedler und zum Schluss kam eine größere deutsche Siedlungswelle aus dem bayerisch-österreichischen Grenzgebiet. Spricht man von Illmitz zu dieser Zeit, muss man in Unter- und Oberillmitz unterscheiden. Unterillmitz war im Besitz von weltlichen Grundherrschaften. 1622 wurde es ungarisch, als Kaiser Ferdinand II die Herrschaft Eisenstadt, zu der Illmitz zählte, an den Fürsten Esterházy übergab. Oberillmitz war geistlicher Besitz und wurde 1217 erstmals urkundlich erwähnt. Für den Ortsnamen gibt es zwei Deutungsansätze: Einmal aus dem Slawischen Ilmovec, was soviel bedeutet wie Ulmen-oder Rustendorf. Erhärtet wird diese Deutung durch die Tatsache, dass in der Seegegend riesige alte Ulmenbäume standen. Der zweite Ansatz  entspringt dem alt-magyarischen vigy-mellek = Wassergegend. In der ersten urkundlichen Erwähnung stand dann auch Ygmeleech. 1299 wurde die Kirche zum Heiligen Martin das erste Mal erwähnt. Zu dieser Zeit stand sie noch auf einer Anhöhe am Südende des Kirchsees. In der Neuzeit war Unterillmitz etwa dreimal so groß wie Oberillmitz. Zu Zeiten der Reformation und Gegenreformation erwiesen sich die Illmitzer als hartnäckige Protestanten. Fürst Esterházy betrieb eine drastische Form der Rekatholisierung,  so dass Illmitz 1674 wieder rein katholisch war. Da zu dieser Zeit die alte Martinskirche nur noch mit Booten erreichbar war – rund um den Kirchhügel stand ständig das Wasser – wurde 1715 mitten im Dorf eine neue Kapelle errichtet und an gleicher Stelle 1775 der Grundstein für die heutige Pfarrkirche gelegt, die dem Heiligen Bartholomäus geweiht wurde. Betrachtet man die wirtschaftliche Entwicklung rückblickend, so ist ein stetiger Wandel erkennbar. Bis Ende des 17. Jahrhunderts waren Fischerei und Viehzucht maßgeblich. im 18. und 19. Jahrhundert forcierte man die Viehwirtschaft unter anderem durch die Gründung einer Milchgenossenschaft und der Produktion von Illmitzer Käse. Mitte des 19. Jahrhunderts bis etwa 1950 lag der Schwerpunkt auf Ackerbau und Viehzucht. Ab 1955 entstand die erste Hochkultur im Weinbau, der sogenannte Beginn des Weinbauzeitalters. Das Wappen von Illmitz zeigt ein der Länge nach zweigeteiltes ovales Wappenschild. Der linke rote Schildteil enthält einen im Wasser stehenden Silberreiher, der rechte blaue Schildteil einen aus dem Wasser schnellenden Fisch. Seit 1967 ist Illmitz Marktgemeinde, 1993 wurde es zur Nationalparksgemeinde und seit 2001 ist es Teil der Welterbe-Kulturlandschaft Neusiedler See. Die Einwohnerzahl hat sich seit dem Ende des 18. Jahrhunderts etwa verdoppelt.

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